Matt Damon spielt einen Amerikaner, der in Marseille seine Tochter im Gefängnis besucht und auf Rache sinnt: „Stillwater – Gegen jeden Verdacht“ – derzeit im Kino

© Jessica Forde / Focus Features

Venedig
09/12/2021

Matt Damon in "The Last Duel“ und "Stillwater": Ein Amerikaner in Europa

Ein Gespräch mit Matt Damon: In Venedig bewarb er Ridley Scotts „The Last Duel“. Sein neuer Thriller „Stillwater“ läuft derzeit in den Kinos

von Alexandra Seibel

Mit lautem „Matt!“- und „Ben!“-Geschrei wurden die beiden amerikanischen Schauspieler Ben Affleck und Matt Damon in Venedig begrüßt. Sie landeten am vorletzten Tag des Festivals am Lido und bewarben glamourös „The Last Duel“ , ein packendes Ritterepos, das im Wettbewerb außer Konkurrenz lief.

Erstmals seit ihrem Oscar-Erfolg mit „Good Will Hunting“ (1997) haben Affleck und Damon wieder gemeinsam ein Drehbuch geschrieben: „Gladiator“-Regisseur Ridley Scott hat es nun zu einem mitreißenden #MeToo-Drama im mittelalterlichen Frankreich verfilmt.

Matt Damon spielt darin einen nicht besonders smarten, aber kampfeslustigen Ritter namens Jean de Carrouges. Er trägt eine furchtbare Vokuhila-Frisur und ist verheiratet mit der schönen Marguerite (Jodie Comer). Beide wünschen sich sehnlichst einen Sohn, doch der gewünschte Erbe will sich nicht einstellen. Zudem ist Jean ein Streithansel und legt sich gerne mit der Obrigkeit an. Er überwirft sich auch mit seinem ehemals guten Freund, einem attraktiven Frauenhelden namens Jacques Le Gris, sehr überzeugend gespielt von Adam Driver.

Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als Marguerite Anklage gegen Le Gris wegen Vergewaltigung erhebt – übrigens ein Ereignis, das auf wahren Begebenheiten aus dem Jahr 1386 beruht.

Mittelalter und #MeToo

Ähnlich wie in Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“ (1950) wird dasselbe Ereignis dreimal erzählt, allerdings jeweils aus anderer Perspektive der Beteiligten.

Mit dem für ihn typischen Grandeur, taucht Ridley Scott bildgewaltig in die Vergangenheit ein und beeindruckt mit opulenten Kriegsszenen und Schwertkämpfen.

Richtig Fahrt aber nimmt sein Drama mit der Zuspitzung des Konflikts auf, der in einem spektakulären Zweikampf zwischen den beiden Männern kulminiert.

„Männer haben ihre eigenen Erfahrungen immer genau dokumentiert“, erzählt Matt Damon bei der Pressekonferenz in Venedig über den Schreibprozess für das Drehbuch: „Die Geschichten der Frauen aus dieser Zeit bleiben jedoch unsichtbar. Sehr vieles davon mussten wir erfinden.“

Der österreichische Filmstart von „The Last Duel“ ist am 14. Oktober. Doch wer Matt Damon schon jetzt im Kino bewundern will, muss nicht länger warten. Derzeit ist er in „Stillwater – Gegen jeden Verdacht“ in den heimischen Kinos zu sehen.

Der Thriller von Oscar-Preisträger Tom McCarthy („Spotlight“) feierte auf dem Filmfestival in Cannes seine Premiere und zeigt Matt Damon in ungewohnter Rolle.

Er spielt Bill Baker, einen rustikalen Provinztypen aus Oklahoma, dessen Tochter ausgerechnet in Marseille im Gefängnis sitzt. Sie wird beschuldigt, ihre Geliebte aus Eifersucht getötet zu haben, behauptet aber hartnäckig ihre Unschuld.

Typischer Trump-Wähler

Matt Damon als Bill Baker sieht aus wie das Klischee des typischen Trump-Wählers: Bulliger Mann aus der Arbeiterklasse, Klobrillenbart, kariertes Hemd, Baseball-Kappe, Sonnenbrille und Tattoo. Den Frauen begegnet er mit einem penetrant freundlichen „Yes, Ma’am“, bei Tisch wird gebetet. Und natürlich besitzt er eine Waffe.

Um seine Figur möglichst realistisch darzustellen, war Matt Damon nach Oklahoma gereist und hatte sich dort mit Männern getroffen, die wie Bill Baker in den Ölfeldern schuften und mit schwerer Arbeit ihre Familien erhalten.

„Der Trip nach Oklahoma war toll und hat mir sehr geholfen, meine Figur zu verstehen“, erzählt der Schauspieler im KURIER-Gespräch: „Die Männer haben uns mit ihren Lastwagen herumgeführt, uns zu den Ölfeldern mitgenommen und gezeigt, wie hart ihr täglicher Job ist. Abends durften wir sie bei ihren Familien beim Grillen besuchen. Es wirklich großartig, wie durch ein Fenster in das Leben anderer Leute hineinschauen zu dürfen.“

Natürlich wurde über Politik gesprochen. Matt Damon ist es gewöhnt, mit Europäern und anderen Menschen über amerikanische Außenpolitik zu debattieren: „Es begann in der Bush-Ära und dem Irakkrieg. Ich drehte in Berlin die ‚Bourne‘-Filme. Jeder wusste, dass die Meinung im Land gespalten war und wollte darüber reden. Als Bush wiedergewählt wurde, wusste ich nicht mehr, was ich sagen sollte. Also ja, ich bin es gewöhnt, darüber zu diskutieren, was es bedeutet, Amerikaner zu sein – oder Europäer.“

Vorurteile

Auch bei den Besuchen in Oklahoma mussten erst die wechselseitigen Vorurteile von überheblichen Hollywood-Liberalen und Provinzhinterwäldlern überwunden werden: „Je länger wir miteinander geredet haben, desto mehr sind diese Vorurteile verschwunden. Aber natürlich teile ich nicht ihre politischen Ansichten.“

Denn wer wie Bill Baker in der Ölindustrie arbeitet, wählt automatisch die Republikaner, so Matt Damon. Doch: „Politik und Medien beschwören die Spaltung der Gesellschaft und erzählen uns, wie sehr wir einander hassen müssen. Aber nach der Begegnung mit diesen Menschen hatte ich das Gefühl, dass uns mehr verbindet als trennt.“

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