Kultur
01.10.2018

Maschek: "Das wird man ja noch sagen dürfen"

Peter Hörmanseder, Robert Stachel und Ulrich Salamun im Interview über 20 Jahre Maschek, "fleischige" Finanzminister, Satire, Diavorträge und übereifrige Schulsprecher.

Drüber reden hilft, heißt es. Das haben sich wohl auch Peter Hörmanseder, Robert Stachel und Ulrich Salamun gedacht, als sie vor 20 Jahren Maschek ins Leben gerufen haben. Seither haben sie unzählige Stunden Fernsehmaterial manipuliert, dabei einiges erlebt – und überlebt: u. a. sieben österreichische Bundeskanzler, vier US-Präsidenten, drei Päpste, sechs ÖVP-Chefs und neun ÖFB-Teamchefs. Aber nur einen ÖSV-Chef. „Tja, da sieht man, wo die wahre Macht zuhause ist“, sagt Peter Hörmanseder im KURIER-Interview.

Seit nunmehr 20 Jahren legt das Trio Politikern, TV-Moderatoren und Promis Sätze in den Mund, die sie in der Öffentlichkeit so nie sagen würden. Verschont wird dabei keiner. Hörmanseder: „Wir bevorzugen keine Partei. Jeder kommt bei uns dran. Wir wollen damit auch keine Wähler missionieren, damit sie bei der nächsten Wahl etwas anderes wählen.“

Mit ihren Beiträgen, die sie einst für „Dorfers Donnerstalk“ und seit 2012 regelmäßig für „Willkommen Österreich“ anfertigen, erreichen sie auch im Internet Tausende von Menschen. Ihr Video „Häupls 22 Stunden Woche“ hat etwa über 840.000 Aufrufe. 51.682 Abonnenten zählt ihr eigener YouTube-Kanal.

 

KURIER: Was darf Satire?

Peter Hörmanseder: Satire muss für mich einen Mehrwert haben. Die Stoßrichtung soll dabei immer von unten nach oben sein – abgesehen von Leuten die ins Fernsehen drängen: Bei Menschen, die an Castingshows teilnehmen und damit ohnehin jede Würde ablegen, kann man schon noch mal satirisch nachschießen.

Robert Stachel: Satire darf natürlich nicht als Deckmantel dienen, um Hetze gegen Menschen zu betreiben; um pauschale Anschuldigungen zu machen, wie das H. C. „Zwinkersmiley“ Strache in seinem Armin-Wolf-Facebook-Posting gemacht hat. Wir können die klischeehafte politische Satire nicht leiden. Diese eindeutig linke, immer gegen die gleichen Gegner gehende Satire finden wir fad.

Ulrich Salamun: Bei uns steht der anarchische und nicht der politische wie meinungsbildende Zugang im Vordergrund.

Hörmanseder: Aber in der heutigen Zeit muss man auch wieder mehr Stellung beziehen – und Flagge zeigen.

Ist Religion tabu?

Salamun: Nein. Religion per se hat keinen Freibrief. Denn es wird ohnehin schon zu viel unter dem Deckmäntelchen der Religion getarnt.

 

Was kann Satire?

Hörmanseder: Es werden viele Menschen durch unsere Arbeit erst auf Themen aufmerksam gemacht, die ihnen bislang nicht aufgefallen sind. Auch deshalb nicht, weil vielen ohnehin egal ist, was sie nicht unmittelbar betrifft. Satire muss – wie Kunst – eine andere Perspektive einnehmen. Sie kann provozieren, kann dabei auch geschmacklos werden. Die Satire darf das. Die Politik nicht, denn die darf die demokratischen Grenzen nicht überschreiten.

Salamun: Dazu gibt es auch einen passenden Merkspruch: Satire darf alles, aber nicht alles ist Satire.

Stachel: So würde das auch unsere Anwältin sagen (lacht).

Anwältin ist ein gutes Stichwort: Wie oft werden Sie verklagt? Stachel: Da wir die rechtlichen Rahmenbedingungen gut kennen, hält sich das in Grenzen.

Salamun: Wir lassen nämlich auch immer den nötigen Interpretationsspielraum.

Stachel: Das ist überhaupt ein von uns bevorzugtes Stilmittel. Denn eine Pointe ist dann gut, wenn man den letzten Satz nicht dazusagen muss. Nach 20 Jahren Bühnenerfahrung kann ich behaupten: Die Leute sind einem dankbar, wenn Sie die Pointe selbst zu Ende denken können.

Hörmanseder: Außerdem kommt dabei noch ein wesentlicher Vorteil dazu. Man kann so nämlich immer noch behaupten, dass man es gar nicht so gemeint hat (lacht).

Darf man jetzt mehr sagen als vor 20 Jahren?

Hörmanseder: Was heute salonfähig ist, wäre vor 20 Jahren völlig undenkbar gewesen – nicht nur für die Politik, sondern auch für die Bevölkerung. Das Fenster der Meinung hat sich wahnsinnig weit nach rechts verschoben. Ganz nach dem Motto: Das wird man ja noch sagen dürfen.

Stachel: Es hat plötzlich jeder eine Meinung zu allem. Das hat mit dem Aufkommen der sogenannten sozialen Medien, dem Internet im Allgemeinen und den Posting-Funktionen unter Artikeln im Speziellen zu tun. Früher hat man die Möglichkeit gehabt, seinen Unmut, seinen Ärger in Form eines Leserbriefs zu äußern. Diesen hat man dann in die Redaktion einer Zeitung geschickt und gehofft, dass dort jemand das abdruckt. Die Frage nach der Publizierbarkeit stellt sich heute nicht mehr. Denn jeder kann per Mausklick seinen Ärger kundtun. Dadurch hat sich das Niveau merklich nach unter verschoben. Ich sehne mich also in manchen schwachen Momenten zurück zu alten Zeiten, in denen es noch kein Internet und kein Smartphone gegeben hat . . .

Gibt es seitens des ORF Einflussnahme auf Ihre Beiträge, mussten Sie schon mal zum Rapport?

Stachel: Es gibt keinerlei Einflussnahme – wir haben völlig freie Hand. Die ORF-Redakteure, die mit uns zusammenarbeiten, halten uns den Rücken frei. Wir bekommen also die internen Scharmützel nicht mit. Sollte es jemals eine Einflussnahme auf unsere Arbeit geben, dann ziehen wir uns sofort aus dem Fernsehen zurück.

 

Nach welchen Kriterien analysieren Sie „ihre Opfer“?
Stachel:
Zu jedem Politiker gibt es einen Schlüssel, der einem hinter die Fassade blicken lässt. Diesen gilt es zu finden. Uns geht es nicht um das perfekte Parodieren der Politiker. Und so gestalte ich Sebastian Kurz eben so, wie ich ihn persönlich sehe: als übereifrigen Schulsprecher eines Wiener Gymnasiums, der nach oben kommen will.

Hörmanseder: Gehen wir einfach die Finanzminister der vergangenen Jahre durch und fangen wir bei Karl Heinz Grasser an. Der war anfangs der junge Sunnyboy, der sich zunehmend zum Society-Typen verwandelt hat. Dann kam der Willi Molterer, das genaue Gegenteil von Grasser. Das war der brave unauffällige Parteisoldat. Danach übernahm Josef Pröll mit einigen Kilos zu viel auf der Waage. Es ist immer schön, wenn ein Finanzminister etwas ausgefressen ist. Damit kann man arbeiten, denn da bekommt die Figur – im wahrsten Sinne des Wortes – mehr Fleisch. Und jetzt haben wir den Löger, der mich anfangs optisch an George Bush erinnert hat. Mehr Geschichte hat der noch nicht. Dafür liefern Karin Kneissl und Herbert Kickl ständig neues Material. Was die Figuren ausmacht, ist die Fallhöhe. Ist die nicht vorhanden, ist die Figur uninteressant.

Herr Salamun, Sie waren jetzt eine Zeit lange nicht an Bord. Haben Sie sich zerstritten?SalamunNein, wir haben uns nicht zerstritten. Ich war einfach nur physisch abwesend, weil ich seit einer geraumen Zeit in Nicaragua lebe und dort Kaffee anbaue und ein Kaffeelabel mit dem Namen „Grandoro“ betreibe. Beim Jubiläums-Programm bin ich aber wieder dabei. Und ich werde auch in Zukunft wieder mehr mit den Jungs machen.

Termine:
2.10. – Buchpräsentation im Rabenhof Theater; Die Jubiläumsshow "20 Jahre Machek": 3., 4. und 6.10. – Innsbruck, Treibhaus; 5.10. – Imst, Trofana Tyrol Mils; 9. bis 11.10 – Linz, Posthof; 12.10. – Wiener Neustadt, Arena Nova; 16. und 17.10., Dornbirn, Spielboden; 19. und 20.10. – Graz, Helmut List Halle; 23.10., – Wien, Stadthalle; 25. und 26.10. – Salzburg, Republic.