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Marquis de Sade
12/02/2014

Der skandalöseste Autor aller Zeiten

Heute vor 200 Jahren starb der "Vater des Bösen" in einer Pariser Irrenanstalt.

von Barbara Mader

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren seine Texte nur unter dem Ladentisch zu bekommen. Und auch heute taugen seine Bücher nicht als Strandlektüre: 200 Jahre nach dem Tod von Donatien Alphonse François de Sade schockieren seine Texte immer noch.

Ist de Sade tatsächlich so böse? Die kurze Antwort lautet: Ja. Das Wort "Sadismus" stammt nicht zufällig von ihm, es scheint "die Idee des Bösen mit der Präzision eines diagnostischen Werkzeuges als gleichsam klinischen Status zu fassen", schreibt die Philosophin Ursula Pia Jauch .

Freigeist

"Die 120 Tage von Sodom" etwa erzählt von vier begüterten Freigeistern, die sich auf einem geheim gelegenen Schloss mit Sexsklaven "vergnügen". De Sade schmückt seine Erzählung, die er in nur 37 Tagen während seiner Gefangenschaft in der Bastille schrieb, mit Obszönitäten und Gotteslästerung aus, begleitet von antimoralischen und philosophischen Überlegungen über die Niederträchtigkeit der Menschheit. Der Roman, 1975 von Pier Paolo Pasolini verfilmt, ist kein erotisches Werk, sondern ein radikales Manifest von Machtmissbrauch, Gewalt, Erniedrigung und Grausamkeit.

De Sade selbst nannte dieses wohl bekannteste pornografische Buch der Weltliteratur die "unreinste Erzählung seit Anbeginn der Welt". In dem er das Grauen beschrieb, bezeichnete sich der südfranzösische Aristokrat als Moralist und Menschenforscher. Er lotete, so seine Selbsteinschätzung, die Abgründe der menschlichen Seele aus, um so Erkenntnisse über die Natur des Menschen zu gewinnen. Seine Gegner bezichtigten den überzeugten Atheisten des Satanismus, nannten ihn "Monster", "Verbrecher" und "Geisteskranken"; für seine Anhänger war er Aufklärer und Kämpfer gegen die Heuchelei von Kirche und Gesellschaft.

Mit seiner Radikalität revolutionierte de Sade die Geschichte der Literatur und Kunst zunächst im Verborgenen. "Den französischen Behörden der Restauration war der Tod des Marquis eine Erleichterung", schreibt Historiker Volker Reinhardt. Dass das Ärgernis damit aus der Welt geschafft wäre, war allerdings ein Irrtum: Trotz der öffentlichen Ächtung wurden die Texte des schönen Marquis, der alle gesellschaftlichen Normen unterwanderte, im 19. Jahrhundert weiter publiziert. Autoren wie Charles Baudelaire waren fasziniert von de Sades Ästhetik des Bösen, sein Widerhall in Literatur und Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts ist ungebrochen: Sein Einfluss reicht von Nietzsche über Freud bis zu Camus.

Heute ist der der lang verfemte Skandalchronist längst im Olymp der französischen Literaturgeschichte angekommen. Wie stark seine tabubrechende Wirkung heute noch ist, zeigt der Titel der Schau, die derzeit im Pariser Musée d'Orsay zu sehen ist: "Sade. Die Sonne angreifen."

Die Schriftrolle von "Die 120 Tage von Sodom"

Wie de Sade als Schlüsselfigur der Moderne gesehen wird

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