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Kultur
06/28/2019

Mark Knopfler in Wien: Sanft, zeitlos schön und einzigartig

Der Dire-Straits-Gitarrist spielte sich in Wien souverän durch sein vielfältiges Repertoire.

von Brigitte Schokarth

Es ist nicht diejenige Gitarre, die ihn berühmt gemacht hat, nicht die Stratocaster mit ihrem trockenen Sound, mit der Mark Knopfler beim Opener seines Konzertes in der Wiener Stadthalle sein erstes Solo anstimmt. Es ist die Les Paul, die viel voller klingt. Und es ist kein Dire-Straits-Klassiker, kein Song der Rock-Band, die ihn in den 80er-Jahren berühmt gemacht hat. Es ist „Why Aye Man“ aus seinem Solo-Repertoire, das sich in Richtung Country lehnt. Und trotzdem ist jeder Ton sofort als einer von Knopfler zu erkennen.

 

Immer noch klingt kein Gitarrist wie dieser kauzige Brite. Ein Grund dafür ist, dass Knopfler die Saiten der E-Gitarren zupft und nicht mit dem Plektrum anschlägt. Aber das ist es bei weitem nicht alleine, was ihn einzigartig macht. Es ist die Lässigkeit, mit der er wenige Töne genau auf den richtigen Punkt setzt. Es ist der Mut zur Reduktion und zu Pausen, mit dem er seinen kleinen Riffs Raum zum Atmen gibt. Und es ist die Schnelligkeit, mit der er loslegen kann, wenn es ein Song verlangt.

 

Auf wie viele Stilrichtungen der 69-Jährige das in mehr als 40 Karriere-Jahren ausgedehnt hat, zeigt er in der Stadthalle. „Postcards From Paraguay“ hat – natürlich – Latin-Flair, „Once Upon A Time In The West“ lässt zarte Reggae-Anklänge hören. Es gibt Folk, dem Knopfler sich Mitte der 90er-Jahre nach dem Ende der Dire Straits widmete – mal mit irischen mal mit bluesigen Untertönen. Und zwischendurch wird eine Prise Jazz eingestreut.

Vielfältig

Möglich wird diese Vielfalt durch die hervorragende Band. Mit zehn Mann ist Knopfler unterwegs, aber die spielen zusammen 40 Instrumente. Darunter jede Art von Flöten, Trompete, Saxofon, Flügelhorn, Bouzouki, Mandoline, Geige, Kontrabass, Violine, Akkordeon und natürlich all die üblichen klassischen Rock-Instrumente. Immer noch mit dabei ist Guy Fletcher an den Keyboards, der schon bei den Dire Straits mitgespielt hat.

 

Knopfler lässt diesen Musikern, die für ihn die besten ihres Faches sind, viel Raum, improvisiert mit ihnen und hält sich selbst mit ausgedehnten Soli (vielleicht zu sehr) zurück. Möglicherweise ist das eine Alterserscheinung, denn fit wirkt er nicht. Aber immerhin – saß er vor einigen Jahren wegen Rücken-Problemen noch für die ganze Show auf einem Barhocker, kann er jetzt wieder die meiste Zeit im Stehen spielen und singen. Oder halt das aus der Kehle sprudeln lassen, was sein „Gesang“ ist: Eine nasale Art zu erzählen, die in der Tonhöhe wenig variiert und meistens in einer einzigen Oktave hängen bleibt. Aber auch diese melodiöse Entspanntheit gehört zum Sound: Das sind keine Klänge, die mit Feuer und Euphorie einfangen. Sie ziehen einen mit sanfter, zeitloser Schönheit langsam, aber garantiert in den Bann.

 

Genauso unaufgeregt wie die Musik ist Knopflers Bühnenpräsenz, wenn er mit britischem Humor erzählt, wie er als Teenager per Autostopp durch England trampte, um in Pubs in den abgelegensten Orten auftreten zu können.

Natürlich hat Knopfler auch ein paar Songs der Dire Straits im Programm: „Romeo And Juliet“ ist ein erster Höhepunkt, „Money For Nothing“ und „So Far Away“ in den Zugaben weitere. Die ganz großen Fan-Favoriten aus der Band-Zeit, „Sultans Of Swing“ und „Brothers In Arms“, bleibt er aber schuldig. Das ist aber auch schon Einzige, was man an dem Auftritt bemängeln könnte. Aber warum sollte man? Knopfler hat gerade zwei Stunden lang Musik gespielt, die genauso wunderbar ist.