Colm Tóibín

© APA/DANIEL DAL ZENNARO

Marias Testament
04/25/2014

Marias Testament

Eine Mutter spricht zu jenen, die behaupten, ihr Sohn habe die Welt erlöst.

von Barbara Mader

Endlich hat sie eine Stimme und es ist nicht die einer Duldenden: "So wie die Welt den Atem anhält, halte ich die Erinnerung in mir zurück."

Der irische Schriftsteller Colm Tóibín lässt in "Marias Testament" Jesus’ Mutter zu Wort kommen. Ein Buch, das emotional überwältigt: Es ist die Geschichte einer Mutter, die ihr Kind verliert und nie darüber hinwegkommt. Tóibín erzählt aufwühlend vom rein irdischen Antlitz der Passionsgeschichte.

Jahre, nachdem ihr Sohn auf dem Kreuz starb, lebt Maria in der antiken Stadt Ephesos und will von all dem heiligen Gerede nichts wissen.

Den Namen ihres Sohnes kann sie nicht mehr aussprechen. Etwas würde in ihr "zerbrechen". Maria ist wie viele Mütter: Sie findet, ihr Sohn habe "Nichtsnutze" um sich gesammelt, er selbst sei "dankbar, wohlerzogen und intelligent" gewesen. Und sie erlebte, was viele Mütter erleben: Dass der Sohn fortgeht, einer Idee folgend, die durch die Dörfer fegte. In den Monaten zuvor waren all diese ernsthaften jungen Männer ins Haus gekommen, und es hatte Maria irritiert, wie sie ihrem Sohn gierig lauschten. Seine Stimme fand Maria "künstlich", seinen Ton "gestelzt". Wie jede Mutter erinnert sie sich an die "schönste Zeit", als ihr Sohn acht, neun Jahre alt war. Wie unendlich weit entfernt er später von ihr war. "Der Junge wurde zu einem Mann und er verließ das Elternhaus und er starb am Kreuz." Jenen, die behaupten, er habe die Welt erlöst, sagt die verwaiste Mutter: "Das war es nicht wert."

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