Kultur
19.02.2017

Großbauer: "Ich lebe nicht nur im goldenen Saal"

In vier Tagen feiert Maria Großbauer als Opernball-Organisatorin ihr Debüt. Im Interview erzählt die neue Ball-Chefin warum sie Verständnis für die Opernball-Demos hat und sie keine Musikkarriere einschlug.

KURIER: Frau Großbauer, noch vier Tage bis zu Ihrem Debüt als Opernball-Organisatorin. Wie hoch ist das Nervositätslevel bei Ihnen?

Maria Großbauer: Eine gewisse Nervosität ist da, aber mein Bauchgefühl ist gut. Es schwingt aber auch eine Vorfreude mit. Die letzten zehn Monate habe ich Tag und Nacht für den Ball gearbeitet. Jetzt will ich endlich sehen, wie mein Konzept bei den Gästen ankommt, wie die Stimmung sein wird.

Muss man als Opernball-Chefin tatsächlich Tag und Nacht arbeiten? Die Abläufe sind doch seit Jahrzehnten eingespielt...

Sicherlich hätte ich sagen können, die Blumen sind dieses Jahr gelb und alles bleibt wie immer. Das war nicht mein Anspruch. Ich wollte mein Gesamtkonzept "Alles Oper" in möglichst vielen kleinen Details spürbar machen. Da steckt viel Arbeit dahinter.

Nicht nur Sie feiern Ihr Balldebüt, sondern auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Ehefrau besuchen zum ersten Mal den Opernball. Doris Schmidauer hat vor vielen Jahren gegen den Opernball demonstriert. Wie wollen Sie das First Couple für den Ball begeistern?

Jeder kann demonstrieren und soll das auch tun. Da sehe ich kein Problem. Viele haben in ihrer Jugend etwas gemacht, was sie vielleicht heute nicht mehr machen würden. Aber der Opernball hat sich auch stark verändert. Innerhalb der Tradition habe ich sehr viele neue Aspekte in den Event gebracht, die mit grünen Themen wie Nachhaltigkeit zu tun haben. Es wird Slow Food geben. Der Ball ist auch ein Gegensatz zu unserem Fast Life. Allein die Ball-Vorbereitung ist eine gewisse Ablenkung von der Realität. Das ist legitim. Sich der Realität verweigern – das darf man nicht. Deswegen gibt es einige Aktivitäten für die "Gruft" und "Superar".

Ihr Vater ist seit vielen Jahrzehnten Philharmoniker. Ihr Ehemann ist Vorstand der Wiener Philharmoniker. Man hat den Eindruck, bis jetzt haben Sie nur ein Leben zwischen dem goldenen Saal im Musikverein und in der Oper leben dürfen. Kennen Sie die Schattenseiten des Lebens überhaupt?

Mein Leben ist von vielen schönen Momenten dominiert, aber ich lebe nicht nur im goldenen Saal. Ich koche gerne für die Gruft. Und ja, ich kenne auch die Hürden, mit denen Flüchtlinge konfrontiert sind. In meinem engsten privaten Umfeld lebt ein Flüchtling, der versucht, in Österreich ein neues Leben zu starten.

Am Donnerstag wird es seit vielen Jahren wieder eine Opernballdemo unter dem Motto "Eat the rich" geben. Haben Sie Verständnis für die globale Gerechtigkeitsdebatte?

Auch ich sehe die Entwicklung auf der Welt mit Besorgnis und verstehe, dass deshalb demonstriert wird. Ich wehre mich aber gegen Schubladendenken. Es gibt nicht schwarz und weiß im Leben, sondern auch Grautöne. Ob man ein großes Herz hat oder nicht, hängt nicht vom Kontostand ab. Hilfsbreite und weniger hilfsbereite Menschen gibt es in allen Einkommensschichten. Und reich sein, ist noch kein Makel. Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der von selbst reich wurde. Meistens steckt viel Arbeit und Fleiß dahinter.

Was ist bisher Ihre größte Lehre nach zehn Monaten Opernball-Organisation?

Es war ein Crashkurs in Diplomatie. Bei allen Beteiligten rund um den Opernball gibt es menschliche Regungen. Man könnte es auch Befindlichkeiten nennen. Man ist mit vielen Fragen konfrontiert: Warum macht man das so und nicht anders? Warum bittet man diese Person darum und nicht eine andere? Teilweise muss man fast als Mediator agieren und darauf achten, dass am Ende des Tages eine positive Stimmung herrscht. Nur dann kommen die Gäste zum Ball. An diesem Abend will man Freude haben, von Schönheit umgeben sein, sich entspannen. Damit diese Stimmung spürbar ist, muss sie bei jedem Partner vorhanden sein.

Hört man da zwischen den Zeilen, dass es nicht ganz so leicht war, in eine Institution wie die Oper frischen Wind hineinzubringen?

Wenn es so wäre, hätte ich nicht die zahlreichen Neuerungen durchsetzen können. Aber es gehört auch eine gewisse Portion Beharrlichkeit dazu. Man darf sich nicht beirren lassen. Mit dem Mann, der technisch für den Umbau verantwortlich ist, Walter Renner, bin ich zum Beispiel eng verbunden. Er hat seinen Bereich so was von im Griff und hilft, meine Ideen umzusetzen. Er ist deutlich älter als ich und es gibt trotzdem keinen Generationenkonflikt. Hauptsache, die Chemie stimmt.

Sie waren nach Ihrer Bestellung mit dem Vorwurf konfrontiert, Opernball-Organisatorin geworden zu sein, weil Ihr Mann als Philharmoniker-Vorstand dem Operndirektor nahesteht. Ärgert es Sie, dass es hieß, sie hätten den Job wegen "Freunderlwirtschaft" bekommen?

In Wien sagt man Freunderlwirtschaft. International würde man Networking sagen. Es war klar, dass der Vorwurf kommt. Aber ich sehe es sehr entspannt. Einem Mann würde man diesen Vorwurf nicht machen. Bei einer Frau ist man schnell mit dem Vorurteil da: Sie hat etwas bekommen durch oder weil sie verheiratet mit X ist. Dominique Meyer und ich kennen uns gut und manches mal läuft es auch besser, wenn Harmonie herrscht. Ich kenne das Haus seit 30 Jahren. Das erste Mal war ich mit fünf Jahren in der Oper. Ich denke, es ist sicher nicht von Nachteil, wenn die Organisatorin das Haus liebt und ein gewisses Musikwissen besitzt.

In drei Jahren kommt der neue Opernchef Bogdan Roščić. Ihr Mann hat sich klar für die Verlängerung des Vertrages mit Dominique Meyer ausgesprochen. Fürchten Sie, dass Roščić Sie absetzen könnte?

Das weiß ich nicht. Schauen wir, ob ich dann noch will.

Karl Lagerfeld hat die Tiara für die Debütantinnen designed. Wird er auch zum Opernball kommen?

Ich weiß es noch nicht. Es wird sich am Tag des Opernballs entscheiden. Karl Lagerfeld hat an diesem Tag eine Fendi-Show in Mailand. Ich habe ihm gesagt, dass der Ball erst um 22 Uhr startet. Swarovski hat alles vorbereitet, dass Lagerfeld spontan nach Wien fliegen kann. Bis jetzt habe ich Karl Lagerfeld noch nicht kennenlernt. Es wäre schön, wenn es klappt.

Sie haben ein Kleinkind mit drei Jahren. Haben Sie ein Kindermädchen, um die Organisation zu schaukeln?

Kindermädchen habe ich keines. Die Großeltern kümmern sich um mein Kind.

Sie haben Saxofon studiert und versuchten als "Mary J." auch eine Karriere. Warum sind Sie nicht bei der Musik geblieben?

Weil ich davon nicht leben konnte. Ich liebe die Musik zu sehr. Meine Liebe wollte ich mir durch den Druck, Geld verdienen zu müssen, nicht verderben lassen.

Wie lange haben Sie überlegt, ob Sie den Job als Ball-Chefin annehmen?

Ich habe sofort Ja gesagt. Angebote wie diese bekommt man nur ein Mal im Leben. Da musste ich nicht nachdenken.