© Alföldi

Interview
03/28/2014

"Man weiß, was die Machthaber als Gegenleistung erwarten"

Der ungarische Regisseur Róbert Alföldi über die Zensur in der Kunst unter der Regierung Orbán.

von Barbara Mader

Der Regisseur Róbert Alföldi, 46, war erfolgreicher Intendant des Ungarischen Nationaltheaters. Auf Drängen der Regierung Orbán wurde er zum Ende der Spielzeit 12/’13 abgelöst, zuvor hatte eine systematische Hetzkampagne gegen ihn stattgefunden. Die Ablöse des mehrfach ausgezeichneten Regisseurs sorgte für Diskussionen.

Auf Einladung von Bettina Hering, Direktorin des Landestheaters St. Pölten, inszeniert er hier nun "Meine Mutter, Kleopatra" von Attila Bartis, nach dessen Roman "Die Ruhe". Das Stück handelt von einer Schauspielerin, deren Karriere auf Druck der kommunistischen Behörden endet, als sich ihre Tochter in den Westen absetzt.

KURIER: "Meine Mutter, Kleopatra" ist eine brutale Geschichte. Könnten Sie das Stück in Ungarn auch inszenieren?

Róbert Alföldi: Es gibt noch ein paar Theater, wo ich es könnte, obwohl nach den Parlamentswahlen in zehn Tagen vielleicht nicht mehr.

Wie funktioniert die Zensur der Kunst in Ungarn?

Es gibt keine klassische Zensur, man weiß aber, was die Machthaber als Gegenleistung für eine staatliche Subvention erwarten. Sie wollen nicht, dass Künstler über Probleme der Gesellschaft oder über Vergangenheitsbewältigung sprechen. Im Gegenteil: sie wollen, dass das Theater dieselbe positive Propaganda ausübt wie die Regierung, nämlich, dass es uns immer besser geht.

Wie reagieren die Künstler?

Genau wie die Theatermacher. Diejenigen, die denken, sie haben keine andere Wahl, als sich anzupassen, tun es. Und dann gibt es auch welche, die an das Regime glauben. Andere versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen, wie früher.

Wie sollte die EU auf die Entwicklungen reagieren?

Die EU muss mutiger sein, denn die ungarische Regierung verheimlicht nicht einmal, was sie tut. Es geht hier um sichtbare, messbare, kritisierbare Fakten.Sehen Sie sich nun als Sprachrohr der Opposition?

Nein, das tue ich nicht. Ich gehöre keiner politischen Partei an. Ich bin ein freier, unabhängiger Intellektueller, ein denkender Mensch, der seine Meinung äußert.

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