Abgang Elmar Oberhauser im Jahr 2010: Ein Mail war der Auslöser.

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ORF-Wahl
08/04/2016

Mail-Schlammschlachten haben Tradition

Schriftverkehr dient im ORF immer wieder zu Intrigen.

von Philipp Wilhelmer

Wo es im ORF einen Konflikt gibt, gibt es sicher bald einen Mailverkehr, der den Medien zugespielt wird. Das hat Tradition. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Grüne Peter Pilz derzeit peinliche Mails des ORF-Finanzdirektors Richard Grasl wie schon 2010 an die Öffentlichkeit spielt. In dem teils 14 Jahre alten Schriftverkehr mit dem seinerzeitigen Innenminister Ernst Strasser findet Grasl als damaliger ORF-Niederösterreich-Chefredakteur bedenklich unterwürfige Worte. Pilz ortet einen Skandal, das Grasl-Lager eine Schmutzkübelkampagne.

Dabei ist Grasl in den vergangenen Jahren nicht der Einzige hochrangigeORFler gewesen, dessen allzu persönliche Sprache im schnellen Schriftverkehr an die Öffentlichkeit gelangt ist.ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kann davon ein Lied singen: "Du hast es wieder einmal nicht lassen können, das Unternehmen anzubrunzen", schrieb er 2011 wütend an seinen damaligen Programmdirektor Wolfgang Lorenz, wie die erstaunte Öffentlichkeit erfuhr, als das Mail in die Redaktionen weitergespielt wurde. Wrabetz musste die peinliche Causa ebenso vor dem Stiftungsrat erklären, wie Mails des ehemaligen BZÖ-Stiftungsrates Walter Meischberger, der ihn 2006 gewählt hatte. Der schrieb einst an den Generaldirektor: Es sei bereits ein Jahr her, dass er seinen Teil der Vereinbarung eingehalten habe, während Wrabetz keine Anzeichen zeige auch seinen Teil der Vereinbarung einzuhalten. Wrabetz argumentierte damals, dass es "nicht um ein ernst zu nehmendes Mail im Sinne einer Vereinbarung geht, sondern eine gewisse Unernsthaftigkeit gehabt haben muss". Vor Gericht sagten beide unter Wahrheitspflicht aus, es habe keine Vereinbarung gegeben.

Job gekostet

Einen anderen hochrangigen ORF-Mitarbeiter kostete ein Mail an einen breiten Verteiler den Kopf. Informationsdirektor Elmar Oberhauser schrieb sich 2010 den Frust von der Seele, als Fritz Dittlbacher gegen seinen Wunsch zum TV-Chefredakteur gemacht wurde: "Ich muss nun zur Kenntnis nehmen, dass ich mir meine engsten Mitarbeiter nicht selber aussuchen kann, sondern einem Diktat zu gehorchen habe", schrieb Oberhauser, der die Parteipolitik am Drücker sah: "Ich muss eingestehen, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, völlig unzulässige Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ, zu verhindern." Wrabetz ließ sich das nicht bieten und ließ ihn vom Stiftungsrat abwählen. Mit einem unerwünschten Nebeneffekt: Bei der Sitzung des Gremiums gab sein engster Mitarbeiter, Pius Strobl, den Auftrag für Ton-Mitschnitte. Er nahm danach seinen Hut. Strobl, der mittlerweile wieder für den ORF tätig ist, ist wiederum ein bekennender Freund von Ernst Strasser sowie Parteifreund von Peter Pilz.

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