Ausschnitt aus Mahlers „Auferstehungssinfonie“

© /Sotheby's

Musikhandschrift
10/25/2016

Mahlers mythisches Manuskript vor Auktion

Das Original von Mahlers 2. Sinfonie wird versteigert. Für einen Tag ist es in Wien ausgestellt.

Wie viele Geschichten verträgt ein Blatt Papier? Die Blätter, auf denen Gustav Mahler zwischen 1888 und 1894 seine zweite Sinfonie – die „Auferstehungssinfonie“ – schrieb, sind jedenfalls von Mythen durchtränkt, nicht nur wegen des musikhistorischen Stellenwerts des Werks. Mahlers Zweite ist auch der Angelpunkt der sonderbaren Geschichte des US-Geschäftsmanns Gilbert Kaplan, dem eine Aufführung in der New Yorker Carnegie Hall 1965 ein Erweckungserlebnis bescherte.

Der Mahler-Freak

Kaplan verschrieb sich von da an dem Ziel, das eineinhalbstündige Stück selbst zu dirigieren – ungeachtet der Tatsache, dass er nicht Noten lesen konnte und musikalisch nicht sehr bewandert war. Mit Beharrlichkeit schaffte er es, und was im September 1982 als Darbietung vor geladenem Publikum begann, wuchs sich zu einer kleinen Sensation aus: Kaplan dirigierte die „Auferstehungssymphonie“ mehr als hundert Mal und nahm sie u. a. mit den Wiener Philharmonikern auf (eine CD erschien 2003). Er hatte nie ein anderes Stück im Repertoire.

1984 erwarb Kaplan auch die Original-Manuskript der Mahler-Symphonie, die nun – nach Kaplans Tod im vergangenen Jänner – bei Sotheby’s versteigert wird. Im Vorfeld der Auktion am 29. November in London ist das Werk heute, am 25. Oktober 2016, in der Wiener Niederlassung des Auktionshauses zu begutachten (Herrengasse 5, 10–16 Uhr).

Mit einem Schätzpreis von 3,5 Millionen Pfund – rund 3,9 Millionen Euro – wird das Schriftstück von Sotheby ’s als „teuerstes jemals zur Auktion angebotenes Musikmanuskript“ angepriesen. 1987 wurden jedoch bereits 2,5 Millionen Pfund für ein Kompendium von neun Mozart-Symphonien geboten, was heute rund 5,3 Millionen Pfund entspräche. Vergangenen Juli wechselte eine vierseitige Handschrift von Johann Sebastian Bach – Präludium in Es-Dur, BWV 998 – um 2,5 Millionen Pfund den Besitzer.

Extrem selten

„Diese Blätter waren kein Bach-Hauptwerk – Mahlers zweite Sinfonie ist dagegen eines der prächtigsten Stücke im Konzertrepertoire“, sagt Simon Maguire, Sotheby’s-Experte für historische Manuskripte, dem KURIER. Dass ein solches Werk vollständig auf den Markt komme, sei sehr selten.

Allerdings gebe es im Feld der Musikhandschriften noch mehr Schätze in Privatbesitz als etwa bei literarischen Manuskripten, erklärt Maguire. „In den letzten Jahren hat der Markt auch davon profitiert, dass Musik über Sprachgrenzen hinweg funktioniert. Das Interesse ist international.“ Ob die Handschrift der Sinfonie an eine Institution oder einen Privatsammler gehen wird, wagt der Experte nicht zu sagen. Doch: „Mahler hat die Fähigkeit, gewisse Leute besessen zu machen.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.