Colin Firth glaubt nicht an Magie, lässt sich aber doch gerne von Emma Stone verzaubern: Woody Allens „Magic in the Moonlight“

© /Jack English

Woody Allen schwächelt an der Côte d’Azur
12/04/2014

Woody Allen schwächelt an der Côte d’Azur

Bei "Magic in the Moonlight" bleibt die Magie reine Behauptung.

von Alexandra Seibel

Nach seinem letzten Triumph auf amerikanischem Boden mit der Tennessee-Williams-Variation "Blue Jasmine", setzt Woody Allen nun seine filmische Europatournee fort. Dabei erleidet er einen künstlerischen Schwächeanfall an der Côte d’Azur.

Dorthin, in den Süden Frankreichs, verschlägt es in den Goldenen Zwanzigerjahren einen britischen Zauberer namens Stanley. Beschwingt von Woody Allens typischen Jazz-Hits als Soundtrack, besucht er auf Einladung eines Freundes eine reiche Familie. Diese Familie steht ganz im Bann einer jungen amerikanischen Hellseherin. Und Stanley liebt nichts mehr, als andere Magier ihrer Tricks zu überführen. Er kann es gar nicht erwarten, die dreißig Jahre jüngere Frau der Scharlatanerie zu entlarven.

Spätestens jetzt ahnt der gewiefte Zuseher, wie es weitergehen könnte. Doch ungeachtet der Vorhersehbarkeit einer für Allen nicht ganz untypischen Älterer-Mann-jüngere-Frau-Konstellation: Auch seine landesüblichen Gotteszweifel hat der Stadtneurotiker schon wesentlich pointierter formuliert.

So aber steht Colin Firth als nihilistische Zwiderwurzen in herrlich fotografierter, südfranzösischer Landschaft herum und nervt lauthals mit seinen misanthropischen Plattitüden. Gott ist tot, die Menschen sind schlecht, das Leben ist kurz, Liebe eine rein pragmatische Angelegenheit. Als wäre er selbst nicht so recht von seinem oberlehrerhaften Lamento überzeugt, rattert Colin Firth seine Gotteskritik uninspiriert herunter. Auch Emma Stone als kulleräugiges Medium Sophie kann die rostige Mechanik von Allens Konversationsstück nicht ölen.

Und die Magie? Sie bleibt reine Behauptung.

KURIER-Wertung:

INFO: Magic in the Moonlight. USA 2014. 97 Min. Von Woody Allen. Mit Colin Firth, Emma Stone.

"Phoenix": Deutschlands "Stunde Null" als Selbstverblendung

Wie wollen Sie aussehen? Wie Zarah Leander oder wie Kristina Söderbaum?", will der Arzt wissen. Die Patientin, die er fragt, hat kein eigenes Gesicht mehr. Sie hat es im Konzentrationslager verloren, es wurde durch einen Granatsplitter zerstört.

Die Patientin will nicht aussehen wie Zarah Leander, sondern wie sie selbst – wie Nelly, eine deutsche Jüdin, die mit knapper Not Auschwitz überlebte und nun ins zerbombte Berlin zurückkehrt. Dort sucht sie nach ihrem nicht-jüdischen deutschen Mann. Allein der Gedanke an ihn hat sie im KZ am Leben erhalten. Christian Petzold, Deutschlands hoch profilierter Autorenfilmer, verzichtete auf versöhnliches Geschichtsstundenkino. Stattdessen nimmt er Anleihen am klassischen Hollywood-Film à la Hitchcock:

Eine exzellente Nina Hoss als Nelly wird von ihrem eigenen Mann nicht erkannt. Dieser glaubt, die Fremde sehe seiner Frau nur ähnlich und überredet die fassungslose Nelly, die vermeintlich Tote zu spielen – um an deren Erbe heranzukommen. Die Anklänge an "Vertigo – Aus dem Reich der Toten" verdichtet Petzold zu einem intensiven Krimi-Drama, das Deutschlands "Stunde Null" als Geisterstunde der Selbstverblendung erzählt.

KURIER-Wertung:

INFO: Phoenix. D 2014. 98 Min. Von Christan Petzold. Mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf.

Chaos zum Fest der Liebe

Im weihnachtlichen Frankfurt herrscht Liebeschaos. Die einzelnen Episoden dieser prominent besetzten Ensemblekomödie sind lose miteinander verbunden: Nora Tschirner als lebendes Geschenkspackerl, das auf den Prinz auf dem Pferd hofft, Christian Ulmen und Friedrich Mücke als schwules, heiratswilliges Pärchen, Heike Makatsch und Wotan Wilke Möhring in der Beziehungskrise, Fahri Yardim als Neo-Arbeitsloser, der seiner Tochter dennoch traumhafte Weihnachten bereiten will und Elmar Wepper als obdachloser Weihnachtsmanndarsteller.

Am Ende haben sich alle gern und tanzen zu "Last Christmas". Natürlich gibt es weiße Weihnachten. Man fragt sich allerdings, warum das alles zwei Stunden dauern muss. Immerhin kann man zwischendurch im Kino mitzählen, wie viele "Tatort"-Kommissare mitspielen (es sind fünf).

KURIER-Wertung:

INFO: Alles ist Liebe. D 2014. 120 Min. Von Markus Goller. Mit Nora Tschirner, Tom Beck, Christian Ulmen, Friedrich Mücke, Elmar Wepper, Heike Makatsch, Wotan WIlke Möhring, Katharina Schüttler, Fahri Yardim.

Adieu, James Gandolfini

Als wäre es ein lässiger Nachtrag zu "Die Sopranos", absolviert James Gandolfini (2013✝ ) in "The Drop" seinen letzten Kinoauftritt. Seiner Star-Rolle als Tony Soprano würdig, betreibt er eine Bar in Brooklyn, in der Mafia-Gelder die Besitzer wechseln. Sein Cousin Bob – gefährlich sanftmütig: ein hervorragender Tom Hardy – hält für ihn den Laden am Laufen. Zufällig findet Bob einen Welpen – und lernt im weiteren Verlauf auch dessen gewalttätigen Besitzer kennen. Atmosphärischer, schöner Gangster-Thriller mit leichten Plot-Problemen.

KURIER-Wertung:

INFO: The Drop – Bargeld. USA 2014. 106 Min. Von Michaël Roskam. Mit Tom Hardy, Noomi Rapace, J. Gandolfini.

Christoph Waltz, gänzlich ohne Kopf

Zuerst sieht man nur seine Glatze von hinten – doch bald ist man gewiss: Es ist Christoph Waltz, gänzlich ohne Kopf- und Gesichtsbehaarung (die Augenbrauen fehlen auch). In Terry Gilliams verquaster Bastler-Orgie sitzt Waltz in einer leeren Kathedrale vorm Computer und versucht eine unverständliche Formel zu lösen. Gleichzeitig wartet er auf einen Anruf, der ihm den Sinn seiner Existenz erklären soll. Überladene Sci-Fi-Parabel von Gilliam, der geistreich über den Seinszustand der Welt nachdenken möchte, dabei aber nur halboriginelle (Slapstick-)Einfälle liefert.

KURIER-Wertung:

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