Lukas Resetarits nimmt Absurditäten und Widersprüche in Politik und Gesellschaft aufs Korn

© KATRIN WERZINGER

Interview
05/19/2021

Lukas Resetarits: "Wie sagt man unvorsätzlich die Unwahrheit?"

Der Kabarett-Altmeister über sein 28. Solo "Das Letzte" (Premiere Mittwoch im Stadtsaal), Depressionen, die Dummheit und sein großes Unbehagen mit der türkisen Politik.

von Werner Rosenberger

"Das Letzte“ hat den tröstlichen Zusatz: Kein Abschied.

Schon zweimal musste der Doyen der heimischen Kabarettszene die Premiere seines neuen Programms verschieben. „Aber der Schmäh geht mir nicht aus“, sagt Lukas Resetarits im KURIER-Gespräch.

Und ortet drei große Pandemien derzeit: Covid-19, die Blödheit und die Depression. „Ich gebe zu, ich habe geweint, als zwei Kollegen, Kurt Krömer und Torsten Sträter, über ihre schweren Depressionen sprachen. Grauslich war, als der sonst goscherte Krömer erzählt, wie er Abendessen für seine Kinder machen will, drei Stunden für die kurze Einkaufsliste braucht, zum Supermarkt fährt und die fünf Dinge nicht kaufen kann. Er ging raus und konnte nur noch weinen. Es ging einfach nichts mehr. Das kenne ich auch. Ich habe Gott sei Dank meine Frau, die mir hilft und auf mich schaut.“

Kopfschütteln

Beobachtungen im Alltag geben zu denken. Der nächste Ansturm der Konsumrauschigen steht bevor. War seinerzeit das Klopapier Objekt der Begierde, gab es in den letzten Tagen auf der Mariahilfer Straße Hunderte Meter lange Warteschlangen wie einst in der DDR-Mangelwirtschaft. Warum? Alle wollen plötzlich Schuhe kaufen. „Oder Fetzen“, so Resetarits. „Das hat eine Traurigkeit, dass man schon wieder lachen muss. Das hat schon schillernde Aspekte.“

"Das knabbert an meiner Seele"

Auf der Bühne geht es beim Spezialisten fürs Absurde und Widersprüchliche in Politik und Gesellschaft auch diesmal wieder um alles: Berufe mit Zukunft wie Schredderer und Fahrradboten, von denen sich die Leut’ Zigaretten und einen kleinen Kaffee in den 4. Stock liefern lassen.

„Die Pandemie wurde verschärft durch mein großes, großes Unbehagen mit der Regierung“, sagt Resetarits. „Das knabbert an meiner Seele. Da muss man wirklich aufpassen, dass man sich die Seele nicht selber vergiftet durch Zorn und Ärger.“

Verblödungsmaschinerie

Der entzünde sich allzu leicht, wenn die Werbung die Politik übertrifft. „Wenn auf eine Lüge die nächste folgt. Wenn so deutlich die Verblödungsmaschinerie im Vordergrund steht, und es nur um die Inszenierung statt um Inhalte geht.“

Für den Satiriker positiv an den jüngsten Ereignissen ist, „dass sich endlich klar gezeigt hat, wer die Tiroler Adler-Runde ist. Und wozu sie imstande ist“, ätzt Resetarits. „Da kann man auch stolz auf die Berühmtheit sein, die wir Österreicher dadurch erlangt haben, dass wir Island infiziert haben. Ich wusste gar nicht, dass die Isländer zu uns Ski fahren kommen. Und Engländer bei uns zu Skilehrern ausgebildet werden.“ Da sei einiges an die Oberfläche geschwappt, „was den Tirolern gar nicht so recht war“.

Interessant auch die Aussage des Kanzlers, er hätte „nicht vorsätzlich die Unwahrheit“ gesagt. Resetarits: „Wie sagt man unvorsätzlich die Unwahrheit? Durch Blödheit oder im Affekt? Also vorsätzlich hat Kurz nicht gelogen. Wie dann?“

Was
"Das Letzte - Kein Abschied" mit Lukas Resetarits

Wer
Team: Lukas Resetarits, Kathrin Resetarits, Fritz Schindlecker, Katrin Werzinger und Oberlehrer Kampel

Wann
Termine im Wiener Stadtsaal: 19., 22., 20., 23., 29., 31. Mai

Weitere Termine ab September

Link
Sicherheitsinfos des Stadtsaals

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