Grelle Revue: Miriam Fussenegger und Peter Pertusini 

© Alex Gotter

Kritik
09/23/2020

Ludwig Anzengruber im Werk X: „I’ bin gegen des Virus!“

Harald Posch überfrachtet die Komödie „Der G’wissenswurm“ mit Philosophie, Soziologie, Gesellschaftskritik und Corona-Statement

von Thomas Trenkler

Die Welt ist eine andere geworden. Und die Saison, die das Werk X unter das Motto „Arschloch und Heimat“ gestellt hatte, vorbei. Dennoch hielt Kodirektor Harald Posch an seinem Plan fest, eine Komödie von Ludwig Anzengruber als Basis für eine Auseinandersetzung mit dem Ruralen heranzuziehen. Und so hatte „Der G’wissenswurm – The unintentional end of Heimat“ eben erst jetzt in Meidling Premiere.

Dass dem Abend eine gewisse Aktualisierung nottun würde, dürfte Posch klar gewesen sein. Christoph Griesser poltert daher als Wastl mehrfach tirolerisch trotzig: „I’ bin gegen des Virus!“ Diese Botschaft nimmt man gerne mit. Was Posch sonst noch wollte, ist hingegen unklar. Denn viel Anzengruber ist in seiner „extremen“ Bearbeitung nicht übrig geblieben.

Es gibt nicht einmal das Bedürfnis, den Plot verständlich nachzuerzählen: Posch inszenierte in einer hinreißend tristen Tankstellenlandschaft im Orange der 70er-Jahre (von Daniel Sommergruber) eine hyperrasante, Frank-Castorf-artige Revue mit philosophischen wie soziologischen Einschüben (Adorno! Bourdieu!) und einigen Glanznummern.

Katrin Grumeth thematisiert die Ausbeutung rumänischer Erntehelfer, Miriam Fussenegger doziert über Autoritarismus, Peter Pertusini ertränkt als Grillhofer das schlechte Gewissen im Schnaps, Sebastian Thiers gibt einen ostdeutschen Neonazi. Es geht um die Bauern als Stimmvieh, die Kirche und den Adel als Großgrundbesitzer ... Und Jon Sass untermalt die Hektik und das Geschrei hinter den Plexiglasscheiben mit der Tuba.

Das Publikum reagierte dankbar.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.