Loos-Bar im Kärntner Durchgang in der City: Eine atmosphärische Wunderkammer, von Adolf Loos anno 1908 auf 4,40x6x4,10 Meter entworfen

© christandl jürg

Adolf Loos
08/23/2013

Bauen für das Reich der Sinne

Immer noch gilt: Kein Architekt lebt heute, der nicht ein Stück Loos in sich trüge.

von Werner Rosenberger

Adolf Loos ist seit 80 Jahren tot und gegenwärtig doch lebendiger denn je. „Kein Architekt lebt heute, der nicht ein Stück Loos in sich trüge“, hieß es schon zu seinem 60. Geburtstag. Schließlich formulierte der Architekt, Provokateur und Wegbereiter der Moderne Gedanken von zeitloser Brisanz in der Art: „Wir müssen wohnen lernen.“

Oder postulierte im Wissen, dass Architektur Gefühle und Stimmungen im Menschen erzeugt: „Architektur ist kein Kunstwerk, sondern ein Gebrauchsgegenstand.“

In den USA hatte er die fortschrittliche Architektur Frank Lloyd Wrights und Louis Sullivans kennengelernt, von der die amerikanische Szene um 1900 geprägt war. Und mit einer klaren Vision kehrte Loos nach Österreich zurück.

Loos erklärt in Bildern

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Pionier der Moderne

Neben dem Anspruch an Modernität war Loos die Behaglichkeit seiner Einrichtungen besonders wichtig. Und vielleicht ist Loos, der bekanntlich ästhetische Feldzüge geführt hat, man denke an seine Verdammung des Ornaments, auch in Zeiten der allgemeinen Verlotterung wie jetzt hochaktuell, wenn es um die Frage geht: Was ist guter Geschmack? Wie wird man kein Gigerl?

Und gut angezogen sein, was heißt das? „Korrekt angezogen sein. Es handelt sich darum, so angezogen zu sein, dass man am wenigsten auffällt“, schrieb Loos. „Ein roter Frack fällt im Ballsaale auf. Folglich ist der rote Frack im Ballsaale unmodern. Ein Zylinder fällt auf dem Eise auf. Folglich ist er auf dem Eise unmodern. Alles auffallen aber gilt in der guten Gesellschaft für unfein.“

Wenn modern gekleidet der ist, „der am wenigsten auffällt“, so gilt das nach Loos auch für die Baukunst: „Unauffällig muss das Haus aussehen.“

Prompt führte sein „Looshaus“ auf dem Michaelerplatz in Wien 1909 zu einem Skandal. Ein Wettbewerb für ein neues Geschäftshaus für die Schneiderfirma Goldmann & Salatsch brachte keinen geeigneten Entwurf für den Platz gegenüber der Hofburg.

So kam das Enfant terrible der Wiener Kulturszene zum Zug: Sein Gebäude mit der nackten Fassade, ohne Gesimse, ohne Schmuck, ohne alles, nannten die Wiener „Haus ohne Augenbrauen“.

Loos stilisierte sich als Oppositioneller zum Estab- lishment: Um seine Idee einer neuen Kultur als rational, ökonomisch und modern zu propagieren, musste er den Jugendstil für irrational, verschwenderisch, primitiv erklären und sogar als kulturlos kriminalisieren. Modern im Sinne von Loos ist ein Begriff für beste Qualität, und nicht für Mode, die durch die Zeit verbraucht wird.

Ausstattungsfetischist

Aber es ist offensichtlich: Seine Häuser waren zumindest ebenso teure, maßgeschneiderte Haute Couture, die obendrein einen irrationalen Fetisch für edle Materialien offenbarten. Sie inszenierten und erotisierten den Innenraum bis hin zur gebauten Fantasie. Farbfotos von den fast unverändert erhaltenen Häusern und Raumausstattungen im Band von Ralf BockAdolf Loos: Leben und Werke 1870–1933“ (DVA) verdeutlichen: Seine kritischen Gedanken sind noch heute aktuell.

„Meine Schüler wissen: Eine Veränderung gegenüber dem Althergekommenen ist nur dann erlaubt“, schrieb Loos, „wenn die Veränderung eine Verbesserung bedeutet.“ Wissen sie’s wirklich noch?

Ein facettenreiches Bild des Privatmannes Loos und seiner Marotten zeichnen die Erinnerung von Elsie Altmann-Loos: „Mein Leben mit Adolf Loos“ (Amalthea).

Die Wiener Küche nannte Loos „die ekelhafteste der Welt“ und meinte: „Man ,pampft‘ sich hier gern mit einer Speise an, steht mittags total gebrochen vom Tisch auf und ist zu Arbeit teils ganz, teils zur Hälfte unfähig.“ Eine große Abneigung hatte Loos gegen Wiener Schnitzel und passierten Spinat. Alles sollte, so der Verfechter der Materialtreue und -ehrlichkeit, so gezeigt werden wie es wächst, egal ob Holz oder Gemüse. Und vor allem: Das Schnitzel darf niemals geklopft werden.

Buchtipp: Elsie Altmann-Loos: "Mein Leben mit Adolf Loos“. Amalthea Verlag. 301 Seiten. 22,95 Euro.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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