Kultur | Lifeball 28.02.2012

Zunahme der HIV-Fälle um rund zehn Prozent

Aids-Erkrankungen werden dank der Therapien weniger, aber die Infektionenmit dem Virus sind heuer angestiegen.

Die Experten der Aids Hilfe Wien sind alarmiert: Setzt sich der bisherige Trend auch im Dezember fort, könnte es heuer 531 Infektionen mit dem HI-Virus geben - um 44 mehr als 2010 (487). Dies würde einen Anstieg von neun Prozent gegenüber 2010 bedeuten. Da es bereits im vierten Quartal 2010 deutlich mehr Infektionen gab, könne man de facto von einem Anstieg um zehn Prozent sprechen, sagte Freitag Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien. "Das gab es zuletzt 1993, also vor 18 Jahren."

Nicht verwechseln darf man die steigende Zahl der HIV-Neuinfektion mit der vor einigen Tagen für Aufregung sorgenden Korrektur der Statistik des Gesundheitsministerium: Durch elektronisches Aufarbeiten alter Daten (seit 1983) aus den Spitälern wurden viele "vergessene" Aids-Erkrankungen und Aids-Todesfälle an das Ministerium nachgemeldet.
Tatsächlich geht seit Jahren die Zahl der Aids-Erkrankungen dank der Therapien deutlich zurück - der KURIER berichtete: Die Betroffenen sind zwar mit dem Virus (HIV) infiziert, erkranken aber nicht an Aids.

Der Anstieg der Infektionen hat für Beck zwei Gründe:
- "HIV ist in der heterosexuellen Bevölkerung gelandet, 30 Prozent der Neuinfektionen betreffen Frauen."
- Eine deutliche Zunahme der Infektionen zeigt sich auch bei jungen bi- und homosexuellen Männern. "Hier gibt es eine große Kondommüdigkeit", so Beck. "Durch die moderne Kombinationstherapie hat Aids nicht mehr den Schrecken wie vor 25 Jahren. Die Jungen sind mit dem Thema nicht mehr so konfrontiert wie früher."
"Mit den meisten Botschaften zur Prävention haben wir zwar die Kopfebene schon erreicht - aber Kopf- und Bettebene hängen nicht zusammen", sagt der Sozialpädagoge Olaf Kapella. Eine Umfrage unter homo- und bisexuellen Männern hat aber gezeigt: Werden sie von Präventionsprogrammen erreicht, lassen sie sich deutlich öfter auf HIV testen.

Die Wiener Aids Hilfe hat auf die neue Entwicklung bereits reagiert: Sie führt seit dem Sommer auch HIV-Tests und Beratungen in der schwulen Szene durch.

( Kurier ) Erstellt am 28.02.2012