Kultur
08.06.2018

"Licht ins Dunkel": Betroffenheit nach Tod von Sissy Mayerhoffer

Die Leiterin des Humanitarian Broadcasting im ORF starb in der Nacht auf Freitag mit 63

Sissy Mayerhoffer, als Leiterin des Humanitarian Broadcasting im ORF zuständig für die karitativen Aktionen des Rundfunks, ist am Freitag mit 63 Jahren verstorben. Sie starb nach schwerer Krankheit in der Nacht, teilte der Sender mit. Die Betroffenheit über das frühe Ableben Mayerhoffers, zu deren wichtigsten Aufgaben die große Spendengala "Licht ins Dunkel" gehörte, ist groß: In- und außerhalb des Unternehmens meldeten sich prominente Stimmen, um Mayerhoffer zu gedenken.

"Große Verdienste"

"Durch ihr großes soziales Engagement hat sie sich vor allem auch um die Initiativen ,Licht ins Dunkel‘ und ,Nachbar in Not‘ große Verdienste erworben. Auch ihrer Krankheit stellte sie sich bis zuletzt mit der ihr eigenen Disziplin und Entschlossenheit", sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner bezeichnete Mayerhoffer als "Verbinderin, eine Frau, die es geschafft hat, im besten Sinne des Wortes ,gutes Tun‘ zu einem unverzichtbaren Teil des ORF zu machen."

Mayerhoffer habe allein in den vergangenen acht Jahren acht große und wichtige "Nachbar in Not"-Aktionen wie " Erdbeben in Haiti", "Flutkatastrophe Pakistan", "Hunger in Ostafrika", "Taifunhilfe Philippinen", "Hochwasser in Südosteuropa", "Erdbeben Nepal", "Hungersnot Afrika" und "Flüchtlingshilfe Syrien" im ORF verantwortet, erinnerte Michael Opriesnig, Vorstandsvorsitzender von „Nachbar in Not“ und stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. "Weit über die professionelle Zusammenarbeit hinaus hat sie die Arbeit der österreichischen Hilfsorganisationen und deren Spendenwerbung unterstützt. Die ,Nachbar in Not‘-Hilfsorganisationen trauern um einen großartigen Menschen, eine mutige Frau und Wegbegleiterin.“

Tief betroffen zeigte sich auch Bundeskanzler Sebastian Kurz. „Wir verlieren mit Sissy Mayerhoffer eine besondere Persönlichkeit. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, Österreich humanitärer zu machen“, schrieb der Kanzler in einer Aussendung. 

Auf Twitter reagierten viele Wegbegleiter Mayerhoffers tief betroffen auf ihr Ableben:

Sissy Mayerhoffer (1955 - 2018)

Sissy Mayerhoffer wurde am 12. Mai 1955 in Wien geboren. Ihre ORF-Karriere begann sie Ende der siebziger Jahre als freie Mitarbeiterin in den Bereichen Redaktion, Regieassistenz und Administration. In den Jahren 1996 bis 1998 unterstützte sie als Leiterin des Ö3-Marketings die Neupositionierung des Radiosenders. 1999 bis 2002 wurde sie zur Leiterin des ORF-Marketings und Geschäftsführerin der ORF-Enterprise GesmbH & Co KG ernannt. In dieser Zeit war sie maßgeblich beteiligt an der Initiierung der „ Langen Nacht der Museen“. Nach einem Wechsel zur Verlagsgruppe News kehrte sie 2007 in den ORF zurück und wurde als erste Frau in dieser Funktion zur Kaufmännischen Direktorin bestellt. Seit 2010 war sie Leiterin der Stabstelle Humanitarian Broadcasting im ORF.

Neben vielen anderen Tätigkeiten war Sissy Mayerhoffer auch Mitglied im Entwicklungspolitischen Beirat für Europa, Integration und Äußeres, Mitglied der Arbeitsgruppe „Empfehlung zur Darstellung der Menschen mit Behinderungen in den Medien“ im Bundeskanzleramt, Vorstand im Verein „147 Rat auf Draht“, Aufsichtsrat im Verein Rudolfinerhaus sowie Obfrau des Heilpädagogischen Zentrums Hinterbrühl. Sissy Mayerhoffer ist Trägerin des Verdienstordens „pro merito melitensi“ des Souveränen Malteser Ritter Ordens für ihre Leistungen im Rahmen der Aktion „Nachbar in Not“, die menschliches Leid weltweit lindert.

Erfolgreiche Spendenaktionen

Das ORF-Humanitarian Broadcasting hat über Jahrzehnte hinweg mit Aufrufen im Fernsehen äußerst erfolgreiche Spendenaktionen ins Leben gerufen und damit zahlreiche Hilfsorganisationen wesentlich unterstützt. Heuer bilanzierte etwa „Licht ins Dunkel“ sein 45. Kampagnenjahr mit 13,8 Millionen Euro Spenden gesammelt. Das Gesamtspendenvolumen der Aktion ist seit 1973 damit auf mehr als 287 Millionen Euro gestiegen.

Auch "Nachbar in Not" leistete seit den frühen Neunzigern einen wesentlichen Beitrag für Kriegsopfer, Notleidende und Vertriebene. Seit der Gründung im Jahr 1992 sind insgesamt 223,1 Millionen Euro gespendet worden. Die Hilfsaktion wurde einst für die Flüchtlinge und Vertriebenen des Jugoslawienkrieges ins Leben gerufen.