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Kultur
02/19/2020

Lederhosenförmige Lücke: Kein Gabalier bei den Amadeus Awards

Kommentar: Preisvergeben ist leicht, Nicht-Preisvergeben aber auch.

von Georg Leyrer

Es ist das Preisvergeben ja nicht die schwerste Übung: Jedermann mit genügend Willen zur Selbstvermarktung muss sich nur einen wiedererkennbaren Preisnamen ausdenken und die entsprechende Plakette oder Statuette dann - mit oder gegen deren Willen - irgendwelchen superberühmten Stars umhängen. Das Geschäft ist leicht; man sieht es an den jüngst mit Pomp und Starnamen, jedoch ohne weitere Notwendigkeit ins Leben gehievten Kulturpreisen.

Bei den etablierten Auszeichnungen aber gibt es wiederum für die Stars eine schöne Möglichkeit, die Fans abzuholen: Wer keinen bekommt, oder nicht einmal nominiert ist, darf zumindest in der Empörung der eigenen Anhänger emporschwimmen: Eine Frechheit, das.

Derartige Auslassungen gibt es viele: Jedem Jurychen sein Pläsierchen. Anderswo werden Frauen, Schwarze oder auch Asiaten zuerst ignoriert und dann mit großer Geste ins Auszeichnungsboot geholt.

Bei uns aber ist es der aufrechte Volks Rock’n’Roller, der sich Jahr für Jahr mit den Amadeus  Awards matcht: Bekommt er einen Preis, dann spöttelt er schon mal über die Anwesenden der Branche. Bekommt er keinen, gibt es spöttische Aussendungen über den Preis.

Man darf sich schon wieder in die Schützengräben begeben: Auch heuer wieder – zum 20er des Amadeus – ist er nicht nominiert. Trotz Stadionkonzert, eine Frechheit, das.

Der Mountain Man ist somit so etwas wie der Superheldenfilm des Amadeus Awards: Massentauglichkeit bringt weder Amadeen noch Oscars, das kann man beklagen oder gut finden oder auch, man neigt, dazu zu tendieren, ein bisschen wurscht.

Außer halt, man braucht es, wie der Schreiboulevard, der irgendwoher sein tägliches Dopamin bekommen muss, oder die ein wenig verschämt um Klicks bemühten Qualitätsmedien, die sich die mit Online-Aufmerksamkeit einhergehenden Augäpfel dann über den Umweg einer Analyse holen. Und das schon, bevor Gabalier selbst reagiert hat, falls er das überhaupt tut.

Aber nicht nur den Medien, auch allen Beteiligten nützt die große, lederhosenförmige Lücke beim Amadeus: Man grenzt sich voneinander ab, und die jeweiligen Fanbasen sind sattemotionalisiert. Wie gesagt: Das Preisvergeben ist nicht die schwerste Übung. Noch leichtere Pluspunkte für alle bringt es aber, einen Preis nicht zu vergeben,

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