Kultur
03.09.2017

LCD Soundsystem kehren mit bewährten Mitteln zurück

James Murphy belebt sein 2011 zu Grabe getragenes Bandprojekt wieder. David Bowie sei dank.

Dass ein "Ich höre auf!" nicht immer von langer Dauer sein muss, weiß wohl jeder leidgeprüfte Raucher, der schon mehrmals den Tschick aus seinem Leben verbannen wollte. Auch der Musiker James Murphy hat sich eines Tages im Jahr 2011 dazu entschlossen, aufzuhören und sein erfolgreiches Bandprojekt LCD Soundsystem zu Grabe zu tragen. Einfach so. Nach dem Auftritt im New Yorker Madison Square Garden ging er dann zwar von der Bühne, aber eben nur kurz. Denn die Leidenschaft holte ihn ein – und so gab er für die Gorillaz, Jarvis Cocker sowie Arcade Fire den Berater.

Nachhaltig beeinflusst hat ihn aber Zusammenarbeit mit David Bowie (selig!): Murphy bediente die Perkussion auf dessen Album "Blackstar". Dass solche Audienzen beim Pop-Messias nicht spurlos an einem vorübergehen, ist verständlich. Vor allem dann nicht, wenn einem Bowie noch ins Gewissen redet und zur Wiederbelebung von LCD Soundsystem rät. Murphy nahm das ernst und reanimierte sein tot geglaubtes Bandprojekt, mit dem es ihm in den Nullerjahren spielerisch gelang, Rock, Punk, New Wave und Electro auf dem Dancefloor kurzzuschließen. Die ab 2002 auf DFA Records veröffentlichen Songs hatten alles, was die Jugend von damals für einen gelungenen Abend unter der Discokugel brauchte: Sorglosigkeit, Sex-Appeal und Hit-Potenzial – man erinnere sich nur an "Daft Punk is playing at my house". Zu dieser ungestümen, dezent wütenden Anfangsphase kehren LCD Soundsystem zurück.

"American Dream" nennt sich das Comeback-Album. Wer dahinter eine Abrechnung mit Trump und seiner Anhängerschaft im US-amerikanischen Hinterland vermutet, liegt falsch. James Murphy und seine Zuarbeiter verbreiten auf den zehn neuen Songs eher einen müden Zynismus. Zu kratzigen, analogen Synthesizersounds und scharf angerissenen Gitarren stellt Murphy im schlafwandlerischen Tonfall seinen aktuellen Gemütszustand zur Schau. Der liegt irgendwo zwischen Ohnmacht und Zorn. Dazu schiebt der Bass in guter alter New-Order-Manier gehörig nach vorne, werden die Talking Heads umarmt und am Ende trauert Murphy im Stück "Black Screen" noch Bowie hinterher. Willkommen zurück, LCD Soundsystem!