© APA/FRANZ NEUMAYR

Lang Lang
10/26/2014

Zwischen Mozart und Heavy Metal

Der Popstar unter den Pianisten über sein neues Album, Harnoncourt, Metallica und Neue Medien.

von Peter Jarolin

Wenn er in die Tasten greift, kennt die Begeisterung des Publikums keine Grenzen, wird selbst klassische Musik plötzlich zu einer ganz coolen Angelegenheit. Denn Lang Lang ist nicht nur ein fabelhafter Pianist, sondern er hat auch eine Mission. "Ich will so viele Menschen wie möglich für die klassische Musik begeistern und ihnen das schenken, was ich selbst dabei empfinde – pure Freude", so der chinesische Pianist im KURIER-Gespräch.

Eine neue Welt

In Wien kann man Lang Lang das nächste Mal am 19. November imKonzerthaus erleben; Bach, Tschaikowsky und Chopin wird er dann im Gepäck haben. Wer nicht so lange warten will, kann auf Lang Langs neue CD zurückgreifen. Mit den Wiener Philharmonikern und Nikolaus Harnoncourt hat Lang Lang "The Mozart Album" (zwei CDs, Sony) eingespielt, und "seitdem ist für mich die Welt nicht mehr dieselbe".

Warum? Lang Lang muss lachen: "Natürlich wegen Nikolaus Harnoncourt. Er hat einen ganz speziellen Zugang zu Mozart. Ich habe von ihm unfassbar viel gelernt. Bisher dachte ich immer, ich hätte Mozart verstanden – falls das überhaupt möglich ist. Aber dann kam Harnoncourt mit seiner Akribie, mit seiner Besessenheit, mit seiner Suche nach dem idealen Klangbild. Ich kam aus dem Staunen kaum mehr heraus. Manchmal dachte ich, Harnoncourt ist Mozart. Oder er steht zumindest in direktem Kontakt mit ihm."

Lang Lang weiter: "Wir haben versucht, einen möglichst originalen Klang zu finden, aber auf einem modernen Instrumentarium. Ich war sehr überrascht, welche Hörerlebnisse möglich waren. Mozart geht ja direkt ins Herz, trifft das Innerste der Seele. Wenn das mitklingt, haben wir viel erreicht."

Mit Harnoncourt würde Lang Lang "sofort wieder spielen", denn er kommt in seiner Kompromisslosigkeit einer Band nahe, die ich sehr schätze: Metallica." Mit der Heavy-Metal-Band ist Lang Lang im Jänner 2014 bei den Grammy Awards aufgetreten. "Das war eine tolle Erfahrung. Ich war anfangs etwas skeptisch, aber es hat funktioniert. Die Jungs sind einfach super. Und ich habe eine neue Sichtweise auf die Musik an sich bekommen." Nachsatz: "Vielleicht sollte man Harnoncourt und Metallica zusammenspannen. Mit mir als Bindeglied. Ich fände das aufregend." Lachend: "Nikolaus Harnoncourt aber vermutlich weniger."

Berührungsängste kennt der vielfach ausgezeichnete Künstler ohnehin nicht. "Es gäbe etliche Popstars, mit denen ich gern etwas machen würde. Alicia Keys oder Justin Timberlake zum Beispiel."

In der Klassik hat Lang Lang andere Vorbilder. "Natürlich höre ich immer wieder Aufnahmen von Friedrich Gulda oder Glenn Gould, da kann ich viel lernen. Von den gegenwärtigen Kollegen ist Rudolf Buchbinder mein absolutes Idol. Diese unglaubliche Technik und diese Natürlichkeit im Spiel – Buchbinder ist einzigartig. Das sage ich auch immer meinen Schülern", so der in den Neuen Medien sehr präsente Künstler.

Die "Neuen Medien" – sie sind für Lang Lang ein Segen. "Es ist doch toll, wenn man über Internet, über Facebook, Twitter, über all diese Kanäle miteinander kommunizieren kann und auch Musik teilen kann. Egal, auf welchem Teil des Erdballs man sich gerade befindet. Wir sollten diese Möglichkeiten so gut wie möglich nützen."

Eine neue Generation

Lang Lang ist selbst ein gutes Beispiel, wie man diese Medien effizient einsetzt. "Ich unterrichte ja auch und habe dafür eine Foundation gegründet. Via Neue Medien erreiche ich viele Schüler. Ich bin zwar erst 32 Jahre alt, aber ich sehe es als meine Verpflichtung, eine neue Generation an Musikern auszubilden. Nur wenn man das Feuer weitergibt, wird es auch in 100 Jahren noch lodern. Da bin ich gern ein Fackelträger."

Link: www.langlang.com

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