Kultur
06.02.2017

Lady Gaga, Engel des brennenden Amerika

Lady Gaga hat beim Superbowl-Auftritt gezeigt, was Amerika "great" macht. Ihr Auftritt war Antithese zum hasserfüllten Trump-Dauerfeuer.

Stefani Joanne Angelina Germanotta stürzt sich am vergangenen Sonntag vom Olymp. Und landet mitten in NRG-Stadion in Houston, von wo aus sie als Lady Gaga Amerika einen und die Welt unterhalten soll: Eine große Aufgabe für die kleine Blondine aus New York, die vor zehn Jahren noch keiner kannte.

Über 100 Millionen Menschen sehen die Halftime-Show des Super Bowl üblicherweise. Heuer ist der Auftritt Gagas der erste Moment, in dem der brodelnde Nachrichtenschlamm aus dem weißen Haus nicht die News regiert. Denn Gaga tritt auf. Gaga wird alle retten. Weniger wird nicht erwartet. "Werden Sie Amerika einen?", fragt sie ein Journalist bei der "Pre-Game"-Pressekonferenz. Er findet die Frage hörbar selber blöd. Gaga findet das offenkundig gar nicht: "Das müssen Sie Amerika fragen, wenn es vorbei ist", sagt sie freundlich. Sie werde bei der Show nur Statements von sich geben, die man auch sonst in ihrer Arbeit finde: "Den Geist der Gleichheit, der Liebe, Leidenschaft und Güte."

Sie springt

Gaga steht also am Sonntag bei der Halftime-Show auf dem Dach des NRG-Stadions, hinter ihr kreisen leuchtende Drohnen, die die amerikanische Flagge in den Nachthimmel zeichnen. Sie springt.

Dieser Teil ist aufgezeichnet, die an Seilen von der Stadiondecke stürzende Gaga ist dann live. "Born This Way," "Poker Face" und "The Edge of Glory" performt sie mit mehreren Kostümwechseln – hängend, tanzend, strahlend. "Ein Kardio-Workout während ich singe", sagt sie über die Show. 13 Minuten lang rockt Gaga Houston, Amerika und später das Internet, das sich nicht mehr einkriegt über diese furiose Performance. Klare Statements gegen Trump gibt sie nicht ab – sieht man davon ab, dass sie eine schwarze Frau fest in den Arm nimmt.

Exzellenz

Das reicht. Gagas Amerika ist das der Exzellenz, die mit Mut, harter Arbeit und vielen Schmerzen an die Weltspitze führt. Ein Ort der selbstbestimmten Geschlechter (und jener dazwischen): "Born this way", heißt einer ihrer wichtigsten Songs. Wo Lady Gaga regiert, braucht es keinen Protektionismus – Leistungen wie ihre sind ohnehin amerikanisch. Schlag nach bei Michael Jackson, bei Madonna. Gaga arbeitet hart.

Sie ehrt Vater und Mutter ("Hi Mum and Dad", ruft sie bei der Halftimeshow). Schuf eine fragile und riskante Kunstidentität, die sie letztendlich zu dem Sprung an diesem Abend führte. Neben Lady Gaga wirkt Trump noch mehr wie Daddy Balla Balla.

Die Sängerin ist der strahlende Engel des offenen Amerika, das hinter ihr in orangen Flammen steht.

Man muss Amerika heute fragen, ob sie es heilen konnte.