Kultur
18.06.2018

Kunstvermittlung mit Bling: Beyoncé und Jay-Z gehen ins Museum

© Bild: YouTube/Screenshot

Das neue Video des HipHop-Powerpaars zum Song "Apesh**t" wurde im Louvre gedreht und steckt voller Anspielungen

Herr und Frau Carter gehen gern ins Museum. Sie sammeln auch selbst Kunst, und sie haben das Geld dazu: Die HipHop-Königin Beyoncé ist die amtierende bestverdienende Musikerin weltweit, und ihr Mann Shawn Carter alias Jay-Z verwaltet ein Firmenimperium, zu dem neben Rap-Produktionen noch Sparten von der Bekleidungs- bis zur Elektronikbranche zählen. Seiner Kunstsinnigkeit hat Jay-Z schon öfters in seinen Texten und in Kollaborationen mit Künstlern wie Marina Abramovic Ausdruck verliehen.

So weit, so bekannt. Das Video zum Song "Apesh**t", das das Paar am Samstag veröffentlichte, treibt die Kunstsinnigkeit aber noch einen Schritt weiter: Denn der Clip wurde im größten Museum der Welt, dem Pariser Louvre, gedreht, und zeigt einige der berühmtesten historischen Kunstwerke der Welt. Dass nicht mehr hippe Zeitgenossen-Kunst und moderner Luxus, sondern Alte Meister als HipHop-würdig erachtet werden, ist dann doch neu.

Die Bilder, die in dem Video vorkommen, wurden allerdings mit Bedacht gewählt. Nicht zum ersten Mal spielt insbesondere Beyoncé dabei gekonnt auf einer kulturellen Klaviatur, um Signale zu senden, die in ihrer Fangemeinde genau verstanden werden. Bei der Grammy-Gala 2017 machte etwa ihr Kostüm von sich reden, weil es auf die westafrikanische Gottheit Oshun verwies, die von der afrikanischen Diaspora besonders in der Karibik im christlichen Kontext in Form einer Schutzmantel-Madonna, etwa der "Virgen del Cobre" auf Kuba, verehrt wird.

© Bild: Matt Sayles/Invision/AP

Im Louvre tritt Beyoncé nun einerseits vor der "Mona Lisa" auf, andererseits posiert sie vor der Nike von Samothrake, der berühmten antiken Figur einer Siegesgöttin. Deren Flügel scheint auch ein Tänzer zu tragen, der zu Beginn des Videos vor dem Museum auf der Straße kniet, und das Star-Paar trägt in einer Einstellung  fließende weißende Gewänder, die wie Echos der antiken Statue anmuten.

"I can't believe we've made it / This is what we're thankful for" ist wohl die Schlüsselzeile des Songs, in dem es auch sonst um allerhand Reichtümer geht, die sich das Power-Paar angehäuft hat. Dass den beiden dieser Aufstieg in einer Welt gelang, in der das Erbe von Kolonialismus und Rassismus Menschen dunkler Hautfarbe bislang eklatant benachteiligte, ist die zentrale Botschaft des Songs. Der Tanz im Museum ist da durchaus als eine Art Sturm auf die Bastion der weißen Herrschaft zu verstehen.

© Bild: YouTube Screenshot

So nimmt eine Staffel Tänzerinnen vor dem Monumentalgemälde "Die Krönung Napoleons" von Jacques-Louis David (1807) Aufstellung, und das "booty shakin" übernimmt die Macht. Gefeiert wird auch in Paolo Veroneses "Hochzeit zu Kanaan" (1562-63), die in mehreren Einstellungen zu sehen ist - eine davon fokussiert auf den Wein, der aus Krügen fließt.

 

© Bild: YouTube/Screenshot

Interessant ist auch, dass Jay-Z sich in einer Szene vor Theodore Géricaults Gemälde "Das Floß der Medusa" postiert: Das monumentale Gemälde von 1819 spielt auf den Skandal um jenes Schiff an, das 1816 von Frankreich entsandt wurde, um die Kolonie Senegal wieder in Besitz zu nehmen. Nach einem Schiffbruch brach unter den Überlebenden die reine Barbarei und sogar Kannibalismus aus. Auf Géricaults Bild ist der einzige, der in heroischer Pose aufrecht am Floß steht, ein schwarzer Mann.

© Bild: Wikimedia Commons

Am Ende des Videos kommt noch kurz ein Gemälde einer dunkelhäutigen Frau ins Bild: Das "Portrait d'une Negresse" (1800), in dem subtil die französischen Nationalfarben versteckt sind, ist insofern bemerkenswert, als es von einer Frau, Marie-Guillemine Benoist, gemalt wurde, und zwar sechs Jahre, nachdem der französische Nationalkonvent die Sklaverei abgeschafft hatte. Das Bild darf damit sowohl als Symbol für "starke Frauen" als auch für die Befreiung der Schwarzen gesehen werden. Beyoncé und Jay-Z, die sich am Ende des Videos ganz andächtig der Mona Lisa zuwenden, verstehen es als Bildungsbürger des 21. Jahrhunderts offenbar, die Symbolik der Kunst für sich zu nutzen.