© Viennacontemporary

Kultur
09/24/2020

Kunstmessen in Wien: Hurra, wir leben! Verkaufen wir auch?

Der Kunststandort behauptet sich mit „Viennacontemporary“ und „Parallel Vienna“

Es ist verlockend, inmitten der frisch gestrichenen Stellwände und den mit weißen Leintüchern auf nobel getrimmten Heurigenbankerln in der Simmeringer Marx-Halle einen Vergleich zu ziehen: Zwischen der Viennacontemporary, der Wiener Messe für Gegenwartskunst mit russischem Eigentümer, und den legendären potemkinschen Dörfern, die angeblich der Zarin Katharina der Großen den Wohlstand einer Region vorgaukeln sollten.

Der Vergleich stimmt insofern, als die Messe Normalität am Kunstmarkt inszeniert: In den weitläufigen Gängen war es auch bei der gut besuchten VIP-Vernissage am Donnerstag noch möglich, nicht nur an Corona zu denken – und auch nicht daran, dass bloß eine der sonst für die Messe reservierten zwei Hallen bespielt wird. Erst auf den zweiten Blick fiel auf, dass viele der sonst hier gastierenden Player fehlen und die Veranstaltung ohne Repräsentationsflächen für Institutionen (Land Steiermark, MuseumsQuartier etc.) doch etwas leer wirken würde. Immerhin bekennt sich auch die Galerie Ropac aus Salzburg mit einem Stand zur Messe – die dort präsentierte Skulptur der Bildhauerin Wanda Czelkowska (1968) ist das einzige Exponat*.

Trotzdem!

Der Potemkin-Vergleich ist allerdings auch ungerecht: Denn Veranstalter, Galeristen als auch Sammler wissen, dass bloße Gaukelei das Ausbleiben internationaler Käuferschaft nicht zu kaschieren vermag.

Viele Kräfte bei der Viennacontemporary sind ernsthaft darum bemüht, ein deutliches „Trotzdem“ zu formulieren und schlicht sichtbar zu bleiben: Das gilt im Übrigen auch bei der Satelliten-Veranstaltung „Parallel Vienna“, die bis Sonntag im ehemaligen WKO-Gewerbehaus stattfindet. Mit dem „Haus Wien“ hat sich heuer noch eine weitere Initiative mit einer Schau in Simmering (Kobelgasse 3) in den Messereigen gestellt.

Die Szene lebt also, sie simuliert nicht. Auf den Messen ist relativ schnell ersichtlich, wo Kunst sich entfalten darf und wo reine Verkaufsflächen liegen – jene Galerien, die nur auf vermeintlich sichere Namen setzen, sehen unendlich alt aus.

Entdeckungen

Kunst-Begegnungen, die im Messe-Kontext funktionieren, finden sich dennoch: Etwa bei der Galerie Georg Kargl, die geometrische Gemälde von Herbert Hinteregger in einer schrägen, auf die Kojen-Ecke zulaufenden Hängung präsentiert. Bei der Galerie 3, die mit Ines Doujaks Skulptur „Eshu“ den Eye-Catcher der Messe am Stand hat. Bei der Galerie Reinthaler, die Himmelsfotos von Ulrike Königshofer anbietet. Internationale Aussteller – etwa die Maksla Xo Gallery aus Riga oder die HAN Gallery aus Korea – haben es nach Wien geschafft, nachdem sie zuvor als „fahrende Händler“ andere Messen bespielten. Irgendwie geht es also. Ob es sich wirtschaftlich ausgeht? Das will noch niemand recht sagen.

* In der Print-Version dieses Artikels war zu lesen, die am Stand der Galerie Ropac angebotene Skulptur der Bildhauerin Wanda Czelkowska sei "gar nicht erst verkäuflich". Diese Information, die der KURIER bei seinem Besuch des Stands erhielt, beruhte offenbar auf einem Missverständnis. Wie die Galerie nach Publikation des Artikels betonte, war bzw. ist die Skulptur sehr wohl zu erwerben.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.