© Stefan Zsaitsits/Galerie Trapp

Kultur
08/13/2020

Kunstmarkt Salzburg: Mit Sicherheit aus dem Stillstand

In der Corona-Saison muss der Galerien-Betrieb auch ohne internationale Laufkundschaft funktionieren

von Michael Huber

 „Ich will zeigen, dass hier was weitergeht“, sagt Sophia Vonier. „Stillstand ist der Tod!“

In dem kleinen Raum in der Wiener-Philharmoniker-Gasse nahe dem Festspielhaus, den die Galeristin seit April 2019 bespielt, ist derzeit eine Schau von Johanna Binder zu sehen.

Die Künstlerin hat ein durchdachtes Ensemble aus Gemälden und Objekten geschaffen, in denen es um Künstlichkeit und Natürlichkeit, Ordnung und Zerfall geht. Doch schon Ende der Woche steht ein Umbau an, die nächste Eröffnung ist für Dienstag angesetzt.

Publikumslieblinge

Als relative Newcomerin der Salzburger Galerieszene macht Vonier mit Frequenzen den Umstand wett, dass sie noch keine etablierten Publikumslieblinge vorzuweisen hat: Auf solche setzen nämlich viele der Galeristinnen, Galeristen und Kunsthändler, die zur Festspielzeit auf erhöhte Sichtbarkeit und auf Umsätze hoffen. Das Motto „Sicherheit vor Wagemut“ ist da nicht nur an den Schutzmasken, sondern auch am Kunstangebot abzulesen.

Gleich ums Eck von Voniers jungem Kunstraum zeigt die alteingesessene Galerie Welz etwa eine Schau mit Werken Max Weilers aus den 1960er Jahren: Konzentriert lässt sich hier nachverfolgen, wie der Maler abstrakte Geistesgebilde mit Landschaftsmalerei zusammenbrachte. Als Ohrenzeuge eines Verkaufsgesprächs erfährt man, dass große Formate 120.000 € kosten, „noch fünfstellig“ schlägt sich eine kleinere Leinwand zu Buche.

Über mangelndes Interesse jammert kaum ein Händler in Salzburg. Auch die sommerliche Ausgabe der „Art & Antique“-Messe, die noch bis inklusive Sonntag in einem Zelt im Residenzhof stattfindet, ist gut besucht. Hier buhlt Klassisch-Modernes um Interessenten (z. B. Picasso-Lithografien, Galerie Française, 32.500 €), daneben österreichische Ware von Walde bis Waldmüller: Ein Breitband-Antibiotikum für den Fall, dass sich im Gefolge von Corona Kunstkauf-Faulheit ausbreiten sollte.

Gerald Trapp hat die Öffnungszeiten seiner Galerie nahe dem Mönchsberg-Lift nicht, wie sonst zur Festspielzeit, ausgeweitet. Über Mangel an Interesse klagt aber auch er nicht, haben „seine“ Künstler doch eine treue Fan-Gemeinde. Stefan Zsaitsits’ surreale Bleistiftzeichnungen bestechen immer wieder mit ihrer Rätselhaftigkeit; die neuen, im Quadrat gehaltenen Werke (3.000 €) scheinen mit ihren tiefen Räumen und dem gekonnten Nebeneinander ausgearbeiteter Passagen und lockerer Überzeichnungen besonders ambitioniert.

Dazu zeigt Trapp gleichsam modern wie archaisch wirkende Reliefs und Skulpturen von Peter Niedertscheider, auch er seit Längerem ein Aushängeschild der Galerie.

Petersburg in Salzburg

Der Salzburger Kunstverein hat seine Jahresausstellung heuer ebenfalls als Verkaufsschau deklariert – in enger „Petersburger Hängung“ sind hier alle Mitglieder-Einreichungen zu sehen und nach Ende der Ausstellung (20. September) auch zu Preisen zwischen 250 und 5.000 € zu erstehen. Parallel selektiert der Verein einige Salzburger Kunstschaffende, die infolge der Corona-Krise ein Förderstipendium erhalten. Das Geld stellt die Galerie Ropac (siehe unten) bereit; vielleicht stammt es von einem Käufer, der selbst nie in Salzburg war und ein Werk Anselm Kiefers bestellt hat. Auch so läuft heuer der Salzburger Kunstmarkt zur Festspielzeit.

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