© Jorit Aust

Kultur
11/22/2019

Kunsthalle Wien: Vergangenheit und Zukunft in Dauerschleife

Die Schau „Time Is Thirsty“ will die Atmosphäre der 1990er-Jahre gegenwärtig machen: Bis 26.1.2020

Nein, nostalgisch braucht man nicht zu werden. Vor allem nicht wegen des Geruchs: Irgendwie duftet hier alles nach Kunststoff, der in den 1990er-Jahren noch etwas unschuldiger verwendet werden konnte als heute.

Ein Teil der olfaktorischen Kulisse wird im großen Saal der Kunsthalle Wien im MuseumsQuartier aus Düsen geblasen. Aber auch manche Ausstellungsstücke geben den Mief ab: Etwa die aufblasbaren schwarzen Ornament-Platten, die Franco Mazzuccelli für Geschäfte und Clubs entwickelte. Die mit Polystyrol-Kugeln gefüllte Jeans in Übergröße von Lutz Bacher. Oder das von Ann Veronica Janssens am Boden verstreute Glitzerpulver. Große Boxen blasen dazu Sound in den Raum, aber die Party scheint vorbei.

Tristesse und Party

Die 90er-Jahre hätten einen Punkt markiert, an dem „Zukunft und Vergangenheit in einer Art Loop verharren“, schreibt Kurator Luca LoPinto einleitend zur Schau.

„Von da an scheint es nichts kulturell Bedeutsames zu geben, das es nicht in leicht veränderter Gestalt schon gegeben hätte.“

Die Dauerschleife fand ihren Ausdruck in den repetitiven Sounds der Clubkultur, die Wiederverwendung von existierendem Material wurde in der Musik („Sampling“) ebenso zelebriert wie in der Kunst. All das findet Niederschlag in der Ausstellung „Time Is Thirsty“ (bis 26.1.2020), die mit der Kurator Luca Lo Pinto seinen Abschied von der Kunsthalle Wien markiert (er übernimmt demnächst die Direktion des Museums für zeitgenössische Kunst in Rom). Doch er wolle „nicht illustrativ arbeiten“, sagt er – und so ist sein Arrangement stark auf die Assoziationskraft des Publikums angewiesen.

Wer sich auf das Miteinander von Bildern, leeren Gläsern und Zeitungsberichten über Raves und Rassenunruhen der 1990er einlässt, muss – vielleicht erst später, nach dem Besuch – eingestehen: Atmosphärisch funktioniert die Sache.

Allein der Raum ist für die Ausstellung zu groß, es fehlt an Dichte und einem Rhythmus der Eindrücke.

Die 1992 gegründete Kunsthalle wollte seit längerem nicht mehr zum Beat des Ausstellungsbetriebs tanzen. Vielleicht ist „Time Is Thirsty“ die Abschiedsausstellung von ihrer Gründungsidee: Als Echokammer des Neuen und Spektakulären funktioniert die Halle nicht mehr.

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