Kultur
16.09.2017

König der Angst

Stephen King wird kommenden Donnerstag 70 Jahre alt. Er ist nicht nur der bekannteste lebende Autor der Welt, sondern auch produktiver denn je. Alles über den Meister der Alpträume, seine Familie, seine neuen Filme und Bücher.

„Ich bin eigentlich ein ganz normaler Typ“, sagt Stephen King. „Ich stehe in der früh auf, frühstücke mit meine Frau, trinke Tee, schaue Nachrichten auf CNN und schreibe dann drei, vier Stunden.“ Davor und danach geht er mit dem Hund raus, rückt das eine oder andere Bild an der Wand gerade. Und setzt sich dann wieder an den Schreibtisch.

Und schreibt und schreibt und ...

Der King
Stimmt, Stephen King ist ein ganz normaler Typ. Eigentlich. In Wahrheit ist er der KING! Einer der, wenn nicht DER produktivste, meistgelesene und erfolg-reichste lebende Autor der Welt. Der bekannteste ist er sowieso. Vom Erstling „Carrie“ (1974) bis zur Geschichtensammlung „Basar der bösen Träume“ (2016) hat er Hunderte Millionen Bücher verkauft, die Angaben schwanken zwischen 350 und 450 Millionen Stück. Ist nicht so wichtig. Er würde, offenbarte King in einem Interview, auch dann schreiben, falls niemand seine Stories lesen wolle. Entscheidender ist, dass er nicht vorhat, kürzer zu treten.
"Es" werde neu
Eben erst starteten mit „Der dunkle Turm“ und „Mr. Mercedes“ wahre King-Festtage im Kino und im US-Pay-TV. Die Neuverfilmung des King-Klassikers „Es“ mit Bill Skarsgård folgt am 29. September. Die Kritiker und vor allem die Kinobesucher in den USA sprechen schon von einem neuen Meisterwerk der Teenager- und Erwachsenenängste. Und sein neuestes, mit Sohn Owen verfasstes Buch kommt fünf Tage nach seinem siebzigsten Geburtstag auf den Markt. Der Endzeitvision „Sleeping Beauties“ liegt eine fatale Idee zugrunde: Was wäre, wenn Frauen aus der Welt der Männer verschwinden würden?


Blickt man auf Stephen Kings Biografie, wäre die Antwort klar: Wir wüssten nichts von ihm. Er selbst nämlich hatte einen ersten Entwurf seines Debüterfolgs „Carrie“ in den Mistkübel geschmissen. Seine junge Frau war es, die das Manuskript gerettet, ihn zum Weiterschreiben animiert und ihn letztlich zum Star gemacht hat. Danke, Tabitha King!

Big Mac mit Pommes?
„Meine Bücher sind das literarische Äquivalent eines Big Mac mit einer großen Portion Pommes“, stapelte der bekennende Rockmusik- und Baseballfan einmal tief. Stimmt doch nicht. Spätestens seit Martin Walser, das literarische Gewissen Deutschlands, ihn vor zehn Jahren in höchsten Tönen gelobt hat, ist Stephen King hierzulande auch für anspruchsvolle Leser kein rotes Tuch mehr.


Dennoch musste der Schriftsteller, dessen wichtigste Werke sich in beinahe jedem zweiten US-Haushalt finden, lange warten, um in seiner Heimat die höchsten kulturellen Weihen zu erhalten – und zwar in Form der National Medal of Arts.

Das Beinahe-Unfallopfer
Die Auszeichnung gab’s vor zwei Jahren, lange nach dem King-Hype in den 1980er- und 1990er-Jahren. Vielleicht als Wiedergutmachung, weil die offiziellen USA dachten, die Riesensummen, die er verdient, seien Ehrung genug. Dabei wäre der Meister des Horrors und des Nervenkitzels, der schon seine Alkohol- und Drogensucht relativ unbeschadet überwunden hat, beinahe einem banalen Verkehrsunfall zum Opfer gefallen. Damals, am 19. 6. 1999 hatte ihn auf einer Landstraße in der Nähe seines Hauses ein Van erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert.

King verlor fast ein Bein, wurde während der Rekonvaleszenz süchtig nach Schmerzmitteln und erkrankte an einer Lungenentzündung. Mit einem Wort: Er war dem Tod so nah, dass diese Erfahrung seine Werke auf ein neues Level hievte.

Jeder Tag kann dein letzter sein
Seit diesem fatalen Erlebnis ist der produktive Schriftsteller noch rastloser – nach dem Motto: „Jeder Tag kann dein Letzter sein“. Und das nicht nur beim Verfassen neuer Krimis, Schocker und Drehbücher, sondern auch beim Twittern, einem Medium, das er exzessiv nutzt, um US-Präsident Donald Trump zu zeigen, wer die stärkeren Tweets absetzt.

Der Twitter-King
Schon im März hat er einen Mini-Horrorthriller über Trumps haarsträubende Aktionen getwittert. Der reagierte – nach dreimonatiger Nachdenkpause – mit einer King-Blockade. Hilfe kam von prominenter Seite: „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling hält ihren Kollegen diesbezüglich seither auf dem Laufenden.
Ein Duell noch ohne Showdown. Denn am Vorabend seines 70. Geburtstages verhält sich Stephen King wie ein Nachwuchsautor: Er hat nur sein neuestes Buch im Kopf. „Schaut her, kids!“, trommelt er auf Twitter in eigener Sache. „Bücher-Lotterie! Zu gewinnen gibt’s signierte Exemplare!“
Na dann, alles Gute zum Geburtstag!