Kultur
05.12.2011

Klosterneuburg: Schaumgebremste Hochzeit

Mozarts "Le Nozze di Figaro" stellt im Kaiserhof von Stift Klosterneuburg einige interessante Sänger vor. Dennoch bleiben auch Wünsche unerfüllt.

Der Papierform nach durfte man vor allem auf die Inszenierung von Matthias von Stegmann gespannt sein. Denn Stegmann, der mit Wagners "Nibelungenring für Kinder" an der Wiener Staatsoper für Furore sorgte und der auch für die deutsche Dialogregie bei Serien wie "Die Simpsons" oder "Die Nanny" zuständig ist, gilt als einer der innovativsten Vertreter seiner Zunft. Was würde so ein kreativer Querdenker wohl aus Mozarts "Le Nozze di Figaro" machen?

Sommertauglich

Die Antwort: Eine werkgetreue, aber auch seltsam bieder-brave und daher absolut sommertheatertaugliche Nacherzählung dieses "tollen Tages", der im Kaiserhof von Stift Klosterneuburg szenisch eine Überraschung bereithält: Nachdem alle erotischen Irrungen und Wirrungen aufgeklärt sind, lässt die Gräfin Almaviva ihren Grafen stehen. Von wegen Verzeihung: Der adelige Schwerenöter hat den Bogen - so scheint es zumindest bei Stegmann - endgültig überspannt.

Alexandra Burgstaller hat für all die Ereignisse rund um Figaro, Susanna, Cherubino und das Grafenpaar eine eher abgewrackte Bühne in den Hof gestellt. Getreu dem Motto: Hier hat schon jeder bessere Zeiten gesehen, der Lack ist ab. Die Kostüme von Agnes Hamvas sind meist in Pastellfarben gehalten und passen gut zum übrigen Ambiente.

Pastell

Und die musikalische Seite? Dirigent Vinzenz Praxmarer ist am Pult der sicheren Sinfonietta Baden auch um Pastell-Töne bemüht. Er begleitet die Sänger solide. Den
Esprit, den Witz und die Erotik in Mozarts Partitur könnte er aber wesentlich schärfer herausarbeiten.

Dafür setzt man in Klosterneuburg - es wird ohne Verstärkung gesungen - auf junge Talente. An der Spitze: Nina Tarandek als vokal wie darstellerisch quirliger Cherubino sowie Zoe Nicolaidou als ideale Susanna. Nicolaidous schöner Sopran strahlt Frische und Noblesse aus; auch optisch ist diese Susanna perfekt. Netta Or als Gräfin Almaviva fällt mit ihrer eher dünnen Stimme dagegen ein wenig ab.

Gut besetzt sind die kleineren Partien (Victoria Massey, Horst Lamnek, Andrew Johnson und Chiara Skerath als Barbarina); weniger optimal die "Herren der Schöpfung". Thomas Tatzl gibt einen merkwürdig zurückgenommen, aber grundsympathischen Figaro, der weit mehr riskieren dürfte. Dominik Köninger müht sich mit dem Grafen redlich; noch fehlt es ihm jedoch in jeder Hinsicht an Glanz und Noblesse. Der Klosterneuburger Weg, junge Talente zu fördern, ist aber richtig.

KURIER-Wertung: *** von *****

Fazit: Mehr Mut wäre schön gewesen

Werk: Mozarts "Le Nozze di Figaro" wurde 1786 in Wien uraufgeführt. Das Libretto stammt von Lorenzo da Ponte und basiert auf Beaumarchais.
Regie: Werkgetreu und sehr sommertheatertauglich.
Dirigat: In allzu zarten Pastelltönen gehalten.
Gesang: Zoe Nicolaidou, Nina Tarandek fallen positiv auf.
Termine: Bis 2. August, nicht täglich. Beginn: 20 Uhr.