Österreichs Kinobranche ist mit Ausnahme der Sommermonate seit Mitte März 2020 durch die Pandemie de facto lahmgelegt 

© Kurier/Jeff Mangione

Kultur
01/09/2021

Kinobetreiber warnen: "Die Liquidität geht dem Ende zu"

Ein Neustart mit einem Lockdown-Ende am 24. Jänner ist noch nicht in Sicht. Dennoch gibt es Hoffnung.

von Peter Temel

Seit mehr als zwei Monaten sind die Kinoleinwände wieder dunkel, bereits davor stand ein Besucherrückgang von mehr als 80 Prozent zu Buche. Laut vorläufigem Regierungsplan könnten die Kinos in zwei Wochen wieder öffnen. Aber ob dieser Termin hält, ist mehr als ungewiss.

„Unser Hauptproblem ist, dass wir im Moment keine Filme haben“, sagt Branchensprecher Christian Dörfler vom Kinoverband. „Die Leute wollen die neuesten Filme sehen. Es gibt derzeit aber keine internationalen Filmstarts“, sagt Dörfler, der das Wiener Haydn Kino führt.

Auch kleinere Kinobetreiber wie Michael Stejskal vom Votiv Kino sind diesbezüglich „nicht sehr optimistisch“, wenngleich der Independent-Bereich „flexibler“ sei.

Blockbuster sollen's richten

Die großen Ketten warten ohnehin auf Blockbuster. Disney will am 12. März „The King’s Man: The Beginning“ herausbringen, Anfang April soll dann das neue Bond-Abenteuer „No Time To Die“ den Kino-Neustart weltweit auf Schiene bringen. „Wenn die ersten großen Filme kommen, kommen sicher die kleinen und mittleren Produktionen auch dazu“, ist Dörfler überzeugt. Er rechnet  mit einer Wiedereröffnung der ersten Kinos frühestens Mitte Februar, „wenn es die Pandemiesituation zulässt.“

Tests als Hürde

Bei Österreichs größter Kinokette Cineplexx zeigt man sich betont vorsichtig. „Wir benötigen  eine gewisse Vorlaufzeit, um alles rechtzeitig planen und umsetzen zu können“, sagt CEO  Christian Langhammer. „Dazu gehören sämtliche Informationen zu möglichen ,Eintrittstests‘, aber auch zu begrenzten Öffnungszeiten.“ Von den Umsetzungsdetails habe man aber noch nichts gehört.

„Unter Eintrittstests würden die Kinos weitaus mehr leiden als andere Veranstaltungsbetriebe“, sagt Michael Stejskal, der auch Chef des Filmverleihs Filmladen ist. „Theater- oder Konzertbesuche werden längerfristig im Voraus geplant und man plant eben dann auch den Test mit ein. Der Entschluss, ins Kino zu gehen, erfolgt fast immer kurzfristig. Da ist der Test eine viel größere Hürde.“ Tests vor Ort abzunehmen, sei logistisch herausfordernd, „aber zumindest an den Wochenenden theoretisch denkbar", meint Stejskal. "Dafür müssten aber klare Regeln herrschen: Welche Tests zugelassen sind und – vor allem – wer befugt ist, sie abzunehmen. “

Bei Cineplexx sieht man daher auch nach Ende des dritten Lockdowns „eine Herausforderung, den Betrieb kostendeckend aufrecht zu halten“, sagt Co-Gesellschafter Christof Papousek und fordert Sonderlösungen für große Marktteilnehmer. „Mit einer Deckelung von 800.000 Euro für den Umsatzersatz und dem Fixkostenzuschuss II ist nicht entsprechend geholfen. Bis zur Auszahlung des Verlustersatzes vergeht zu viel Zeit und die Liquidität geht dem Ende zu.“ Die Verlustabdeckung müsse auch ins dritte Quartal hinein wirken, denn es werde „noch längere Zeit dauern, bis wir von einer ,normalen‘ Leistungsfähigkeit sprechen können“, sagt Papousek.

"Nur kleinen Teil ersetzt"

Auch Stejskal hält weitere politische Hilfsmaßnahmen für die gesamte Branche für "dringend nötig. Das betrifft vor allem auch die Multiplexe, die durch die Obergrenzen beim Umsatzersatz im November und Dezember, teilweise nur einen sehr kleinen Teil ihres Schadens ersetzt bekamen. Dringend Hilfe brauchen auch die Verleiher, die bisher keinen Umsatzersatz bekamen und zusätzlich in den beiden bisherigen Lockdowns ihr jeweiliges Investment verloren haben." 

Branchenvertreter Dörfler stellt sich hierzu eine allgemeine Kinoförderung vor, „wie dies in vielen europäischen Ländern bereits erfolgt ist.“ Ebenso in Deutschland, wo erst diese Woche die Unterstützung kleinerer Kinos um weitere drei Millionen Euro auf 25 Millionen Euro aufgestockt wurde.

In Österreich sei eine solche Förderung "nur sehr wenigen ausgewählten Kinos gewährt worden", moniert Dörfler. "Eine solche Ungleichbehandlung ist nicht einzusehen, da alle Betriebe von den Covid-Schließungen gleich betroffen sind.“

Zusammenhalt

In der Krise scheint der Zusammenhalt in der Branche aber indes intakt zu sein. "Die Arthauskinos sind nicht abgekoppelt vom Rest der Kinolandschaft", erklärt Stejskal. Sie seien über die "Crossover-Filme", die sowohl in Multiplexen als auch im Arthaus laufen, miteinander verzahnt. "Nur wenn das Kino in seiner gesamten Bandbreite wieder attraktiv für das Publikum ist, können die Arthauskinos daher ihr volles Potenzial mobilisieren."

Filmfeuerwerk

Trotz allem setzt die Branche auf Optimismus. „Die Leute haben das Sofa satt“, sagte etwa der deutsche Filmförderchef Peter Dinges am Donnerstag.

„Wir sind ebenfalls davon überzeugt, dass es spätestens im dritten Quartal einen Kinoboom geben wird“, bekräftigt Cineplexx-Gesellschafter Papousek. „Durch die Verschiebung vieler großer Filmstarts können wir uns heuer auf ein wahres Filmfeuerwerk freuen.“

"Weiter und steiniger Weg"

Grundsätzlich optimistisch zeigt sich auch Stejskal: "In Zeiten des Lockdowns haben viele Menschen erst bemerkt, wie sehr ihnen des Kino fehlt. Sie werden es freudig begrüßen, wieder uneingeschränkt Filme auf der Leinwand sehen zu können." Der Filmverleiher und Kinobetreiber schränkt aber ein: "Allerdings ist es noch ein weiter und steiniger Weg, bis wir mit Fug und Recht von einer Zeit nach der Pandemie sprechen können."

 

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