Ein Bild aus besseren Zeiten: das Ehepaar Renate und Peter Loidolt, Gründer der Festspiele Reichenau

© APA/GEORG HOCHMUTH

Kultur
06/24/2021

Kein Scheich für die Festspiele in Sicht: So soll Reichenau gerettet werden

Die Gemeinde Reichenau beschloß, den Pachtvertrag mit den Loidolts per Jahresende aufzulösen. Neustart 2022 mit der NÖKU als Partner

von Thomas Trenkler

Es hätte alles so einfach sein können. Jedenfalls nach Ansicht von Renate und Peter Loidolt. Die Gründer der Festspiele Reichenau wollten sich zurückziehen, die Geschäfte an die Burgschauspielerin Regina Fritsch übergeben, wären aber weiterhin, über den von Peter Loidolt vor vier Jahrzehnten gegründeten Kulturverein, involviert geblieben.

Aber dann prüfte der Rechnungshof. Nein, nicht die privat geführten Festspiele, sondern die Kulturpolitik und deren Förderungen. Der Grund, warum sich die Prüferinnen besonders für Reichenau interessierten, ist nicht bekannt. Peter Loidolt vermutet ein abgekartetes Spiel: Die Landespolitik hätte den ungemein erfolgreichen Festspielen in der Post-Pröll-Zeit den Strick drehen wollen – und sei daher interessiert gewesen, dass der RH austeilt.

Dieser empfahl dem Land, die Förderungen einzustellen und getätigte Auszahlungen zurückzufordern. Und das hat gravierende Auswirkungen. Denn der Pachtvertrag kann nur aufgelöst werden, wenn die Festspiele Reichenau GmbH keine Förderungen mehr erhält.

 

Die Einstellung der Zahlungen ist quasi der Schuhlöffel – für die NÖKU. Die Niederösterreich Kulturwirtschaft ist mittlerweile ein riesiger Konzern – und auch Auffangbecken für alle Kulturbetriebe, die sich die Kommunen nicht mehr leisten können. In der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend warnte Peter Loidolt eindringlich vor der NÖKU: „Lassen Sie sich nicht in die Knie zwingen!“ Die Festspiele seien deshalb so erfolgreich gewesen, weil sie unabhängig waren, und würden künftig nur eine Nummer sein.

Die Abgangsgemeinde

Doch Reichenau an der Rax ist eine sogenannte „Abgangsgemeinde“; sie braucht Geld vom Land, um die Infrastruktur erhalten zu können. Wenn sich daher die Landeshauptfrau als Retterin anbietet, wird man das nicht ablehnen können. Zumal es keine Alternativen gibt. Sicher, ein Hans Peter Haselsteiner, der den Knappenhof rettete und Ehrenbürger von Reichenau wurde, wäre herzlich willkommen. Auch einen Scheich nehme er gerne, sagte Bürgermeister Johann Döller. Aber er kenne keinen. So werde kein Weg an der NÖKU vorbeiführen.

Manch einer meinte, dass man in den Verhandlungen keine Spielräume mehr habe, wenn man sich bereits auf die NÖKU festlege. Zumal Geschäftsführer Paul Gessl ein knallharter Verhandler ist, wie Loidolt berichtete. Das Ehepaar sanierte das Theater, baute den neuen Spielraum, investierte Unsummen – und besteht nun auf einer Ablöse. Aber Gessl will nichts zahlen, auch nichts für die Adressen des zahlungsfreudigen Stammpublikums. Er argumentiert, dass es sich um gemeinnützige Organisationen handle, daher ginge das auch gar nicht. Das Land werde jedoch auf Nachforderungen verzichten und kann sich – als Zuckerl – vorstellen, den Aufbau des Festspielarchivs (durch Renate Loidolt) zu finanzieren.

Der Grundsatzbeschluss

Noch hält sich die Begeisterung des Ehepaars in engen Grenzen: „Verschenken tun wir sicher nichts!“ Doch der Gemeinde ist bewusst, dass keine Zeit verloren werden darf: Ein dritter Sommer ohne Festspiele (nach 2020 und 2021) wäre nicht zu verkraften. Und so wurde einstimmig beschlossen, den Pachtvertrag mit der Festspiele Reichenau GmbH per Jahresende einvernehmlich aufzulösen.

Zudem fasste man den Grundsatzbeschluss, mit der NÖKU in Verhandlungen zu treten. Es geht um die „umgehende Gründung einer neuen, gemeinnützigen und spendenbegünstigten Betriebs-GmbH zwecks Fortführung der Festspiele“. Dass die NÖKU 74 Prozent der Anteile und die Gemeinde nur 26 Prozent halten soll, findet nicht jeder super. Aber dies sei nur ein Vorschlag von Gessl, versichert der Bürgermeister. In der Konstruktion mit den Loidolts hatte die Gemeinde gar nur 25 Prozent ...

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