© Reinhard Maximilian Werner

Kultur
06/21/2019

Nachruf auf Peter Matić: Eine große Stimme ist verstummt

Kammerschauspieler und Synchronsprecher Peter Matić starb im Alter von 82 Jahren.

von Guido Tartarotti

Eine der außergewöhnlichsten Stimmen der Schauspielwelt ist verstummt: Kammerschauspieler Peter Matić wird nie wieder sprechen. Der Schauspieler starb am Donnerstag überraschend.
Er wurde 82 Jahre alt.

Matić wurde als Exponent des Burgtheaters wahrgenommen, kam aber erst 1993 an die Bühne. In den 25 Jahren bis heute spielte er nicht weniger als 85 Rollen.

Das Besondere an Peter Matić war: Er konnte große Partien problemlos mit Persönlichkeit füllen. Er konnte aber auch ganz kleine Figuren zu kostbaren Kleinoden machen.

Seine letzten Rollen

Großartige Beispiele dafür sind die letzten Rollen, die er am Burgtheater spielte: Als Rabbi in der Dramatisierung von Joseph Roths „Hiob“ (Inszenierung: Christian Stückl) war er ein kleiner, trauriger, lächelnder Weiser.

Als Amtsgerichtsrat in „Glaube Liebe Hoffnung“ (Regie: Michael Thalheimer) gab er einen vom Verschwinden bedrohten österreichischen Beamten, an dessen Autorität die nervende Ehefrau und die schwache Verdauung zerren.

Und als Wirt in Nestroys „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ zeigte er unter der starken Regie von Georg Schmiedleitner, gehüllt in eine Heavy-Metal-Jacke, zarte Erdigkeit.
All das mit ganz wenigen Gesten und Sätzen.

Sein Leben

Peter Matić kam 1937 zur Wiener Welt. Nach der Schauspielausbildung bei Dorothea Neff war er am Theater in der Josefstadt engagiert, bevor Stationen in Basel, an den Münchner Kammerspielen und am Berliner Schillertheater folgten.

1993 spielte er erstmalig am Burgtheater in „Kroatischer Faust“. Ab 1994 gehörte er dann dem Ensemble an. An der Burg arbeitete er mit Giorgio Strehler, Adolf Dresen, George Tabori, Achim Benning, Dieter Giesing, Thomas Langhoff, Georg Schmiedleitner, Andrea Breth, Barbara Frey und Leander Haußmann.

Auch an der Volksoper, der Staatsoper (als Haushofmeister in „Ariadne auf Naxos“) und in Reichenau war Matić regelmäßig zu sehen. Zudem spielte er zahlreiche Film-Rollen.

Charakter

Peter Matić war aber nicht nur ein gefeierter Darsteller, er wurde von Kollegen und vom Publikum als auffällig charakterstarker Mensch gemocht und geliebt.

Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann fasste das so zusammen: „Mit Peter Matić verlieren wir einen einzigartigen Schauspieler, aber jenseits des künstlerischen Verlustes trauern wir um einen der nobelsten, freundlichsten, großzügigsten Kollegen.“

Stimme

Und nicht zuletzt verliert Ben Kingsley seine Stimme. Peter Matić war seit Jahrzehnten der Synchronsprecher des mehrfachen Oscar-Preisträgers. Und nicht wenige fanden, Matić’ Stimme passte besser zu Kingsley als dessen eigene. Die künstlerische Verbindung zwischen Kingsley und Matić stellte einen jener raren Fälle darm in den die Synchronisation die Darstellung nicht schlechter machte – wenn nicht sogar besser.

Unvorstellbar ist es, etwa „Schindlers Liste“ auf Deutsch ohne Matić’ Sprechkultur zu hören.

Peter Matić war aber auch ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Hörspiele. Vielen Menschen war er geliebter Begleiter ihrer  Tage und Abende – als großartiger Leser von Hörbüchern. Seine Aufnahme von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ wurde 2010 als „Hörbuch des Jahres“ und 2011 mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

2001 erhielt Peter Matić den „Albin-Skoda-Ring“, 2005 den „ORF Hörspielpreis“. 2006 wurde er zum Kammerschauspieler ernannt, 2010 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 2015 mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich und 2016 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet.

Grandseigneur

„Unendlich traurig“ äußerte sich Staatsopern-Direktor Dominique Meyer: „ Seine unverwechselbare Stimme und seine einzigartigen Rollengestaltungen sind unvergesslich – wir haben ihn aber auch für seine äußerst taktvolle, kollegiale, bescheidene und zuvorkommende Art geliebt. Peter Matić war ein Grandseigneur, sowohl künstlerisch als auch menschlich, ohne sich als solcher zu gebaren.“

Burgtheater-Chefin Karin Bergmann zitierte Matić am Freitag so: „Nicht die Kunst ist dazu da, die Welt zu verändern, sondern die Menschen und die Menschlichkeit.“

In memoriam: Programmänderungen auf Ö1

Am Samstag (22 06) gibt es um 17.05 Uhr Diagonal zum Thema "Die Stimme"; am Sonntag um 8.15 Uhr "Du holde Kunst".