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Kultur
03/03/2019

Werner Schneyder - "Ein scharfzüngiger politischer Kommentator ist gestorben"

Der 82-Jährige arbeitete als Autor, Regisseur und Schauspieler und bezeichnete sich selbst als "Universaldilettant".

Werner Schneyder ist gestorben. Der Kabarettist, Autor und Schauspieler ist laut KURIER-Informationen tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Fremdverschulden werde ausgeschlossen. Schneyder galt als einer der größten österreichischen Kabarettisten.

Der 82-Jährige wurde in Graz geboren und wuchs in Kärnten auf. Schneyder bezeichnete sich selbst als "Universaldilettant" - er war Schauspieler, Autor, Boxkampfrichter und Sport-Kommentator. Zudem war der umtriebige Künstler für seine pointierten, politischen Kommentare bekannt.

Zahlreiche Politiker zeigten sich betroffen vom Tod des Kabarettisten. Bundespräsident Van der Bellen sagte: "Mit Werner Schneyder verliert Österreich einen seiner vielfältigsten und beliebtesten Künstler. Auf großen Bühnen wie auf Kleinbühnen unterhielt er sein treues und zahlreiches Publikum. Oft spöttisch, zornig, polemisch, politisch - aber nie banal. Auch als Literat war Werner Schneyder höchst erfolgreich und über Jahrzehnte hindurch ein Begriff. Sein Tod reißt eine schmerzliche Lücke in das heimische Kulturschaffen. Mit ihm ist auch ein scharfzüngiger politischer Kommentator gestorben."

Zur Person

Am 25. Jänner 1937 in Graz geboren, wuchs Schneyder in Klagenfurt auf und besuchte dort das Realgymnasium. Schon mit 15 Jahren schrieb er über Fußballspiele und während seines Studiums - er studierte ab 1954 an der Universität Wien Publizistik und Kunstgeschichte - war er als freier Lokal- und Sportreporter unterwegs. Nach der Universität arbeitete er als Werbetexter, bis er 1962 als Dramaturg für die Landestheater Salzburg und Linz tätig war, daneben versuchte er sich auch als Stückeschreiber.

Von 1965 an arbeitete Schneyder als freier Autor, bis ihn Kurt Weinzierl mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt zusammenführte und 1974 mit dem Programm "Talk täglich" eine achtjährige Erfolgspartnerschaft des Duos begann, das im gesamten deutschen Sprachraum Furore machte. Nach zahlreichen Erfolgen zog das Programm "Ende der Spielzeit" 1982 einen Schlussstrich unter die gemeinsame kabarettistische Biografie.

Polit-Persönlichkeiten trauern um eine Legende

Von Boxen bis "Club 2"

Nach den eigenen Fernsehshows "Salon" und "Stichwort", einigen Drehbüchern - darunter etwa jenes zur Verfilmung von Peter Roseggers "Jakob der Letzte" -, schrieb Schneyder seinen ersten Roman und fungierte als Gastmoderator des ZDF-"Sportstudio". Daneben agierte der Sportbegeisterte auch als Boxkampfrichter, für das ZDF berichtete er etwa von den Olympischen Spielen aus Los Angeles, Seoul und Barcelona. Für den ORF moderierte er unter anderem das Kult-TV-Format "Club 2".

Sein erstes kabarettistisches Soloprogramm stellte er 1981 unter dem Titel "Solo mit Trio" vor. 1996 zog er sich von der Kabarettbühne für mehr als ein Jahrzehnt zurück und widmete sich verstärkt dem Schreiben. Im Rahmen des Programms "Das war's von mir" präsentierte er 2017 seine besten Kabarettnummern in aktualisierter Version und mit vielen Chansons. Als Regisseur war er unter anderem am Münchner Theater am Gärtnerplatz (Singspielfassung von "Weißes Rössel", 1987), am Theater in der Josefstadt ("Die letzten Tage der Menschheit", 1995), im Stadttheater Walfischgasse (Uraufführung von Felix Mitterers "Patriot", 2008) oder am Salzburger Landestheater ("Weites Land", 2012).

Schneyder veröffentlichte zahlreiche Bücher, etwa "Gelächter vor dem Aus" (1980), "Erich Kästner - ein brauchbarer Autor" (1982), "Schlafen Sie gut, Herr Tucholsky!" (1983), "Herz im Hirn" (1988) oder "Das Gefährliche an der Kunst" (1991). Außerdem legte er den Gedichtband "Reimzeit" (1995), das Selbstporträt "Ich, Werner Schneyder - meine zwölf Leben" (2006) und drei Jahre nach dem Tod seiner Frau Ilse "Krebs - eine Nacherzählung" (2008) vor.

Zahlreiche Auszeichnungen

Schneyder war Mitglied des österreichischen PEN-Clubs und Träger zahlreicher Auszeichnungen, so etwa der Theodor-Körner- und der Karl-Renner-Förderpreis. Er wurde zudem mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, dem Nestroy-Ring der Stadt Wien, dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem "Goldenen Verdienstzeichen" der Stadt Wien, dem Bayrischen Ehren-Kabarettpreis oder dem "Salzburger Stier" ausgezeichnet. In der Mainzer Innenstadt ist er mit einem "Stern der Satire" verewigt. Kurz vor seinem 80. Geburtstag wurde er auch mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Kärnten ausgezeichnet.

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