Kultur
12.03.2018

John Lennon auf der Couch

Die erste (Roman-)Biografie, in der nur der Ex-Beatle redet. Leider redet er meist über längst Bekanntes.

Es legt sich jemand zum Psychotherapeuten auf die Couch und fühlt sich, als würde er den Mistsack von daheim bringen. Seelenmist.

Er hat einmal gesagt, die Beatles seien noch berühmter als Jesus.

Er hat einmal gesagt, er sei reicher als Bangladesch (aber genau wisse er das nicht, denn Yoko Ono kümmere sich um die Finanzen).

Er sagt, jetzt in der Horizontale liegend: "Ein Teil von mir hält sich für einen recht erbärmlichen Typen, und ein anderer Teil hält sich für Gott. Sie haben also keinen leichten Job."

Das ist John Lennon.

Das ist John Lennon in der heute erschienenen Romanbiografie des Pariser Schriftstellers David Foenkinos. Ein mutiges Buch – erstmals wurde der Ex-Beatle von innen porträtiert, in der Ich-Form.

Inside John Lennon. Es klappte. Le Figaro urteilte: David Foenkinos hat die Herausforderung mit Bravour gemeistert.

John Lennon hatte viele Interviews gegeben. Es war deshalb für den Franzosen genügend Stoff vorhanden. Wahrscheinlich zu viel.

Das große Wissen um den Star hat wohl einen inspirierten Roman verhindert; einen solchen, der sicheren Boden verlässt und mit den Lesern wegfliegt.

Zeitraffer

In 18 Sitzungen lässt der Autor John Lennon erzählen, beginnend 1975, als sich der Engländer – 35 Jahre alt – in New York ins Privatleben zurückzog, um sich vor allem um Sohn Sean zu kümmern.

Bis zur letzten Sitzung, einen Tag vor seiner Ermordung, 8. Dezember 1980. Mark David Chapmans Gesuch, aus lebenslanger Haft entlassen zu werden, wurde mittlerweile zum neunten Mal abgelehnt.

Der Ton ist ungekünstelt, unspektakulär, einfach, er passt in einen Schulaufsatz – und passt auch hier gut. Die Sprache ist nicht das Problem von "Lennon".

In Zeitraffer flitzen vorbei: die schlimme Kindheit, ein Pingpongball zwischenVater und Mutter und Tante; dann die Rettung aus der Einsamkeit durch die Band, die Lennon im Alter von 16 schmiedete.

Und die Zeit, in der die Beatles nicht mehr menschlich waren und sich auf Klos verstecken mussten, um Ruhe zu haben – es ist ja wirklich ungesund: Steckte sich einer von ihnen eine Zigarette in den Mund, hielten ihm mindestens 50 Leute ihr Feuerzeug unter die Nase.

Zuletzt Yoko Ono, die dem nach sich selbst suchenden Lennon wahrscheinlich gut tat. Aber bestimmt nicht den Beatles.

Interessant ist das alles, wenn man’s nicht ohnehin schon weiß; zumindest einmal entzückt diese Biografie sogar: als die Burschen ihr Schönheitsidol Brigitte Bardot treffen durften.

John Lennon hatte solche Angst, dass er vorher LSD nahm, und, angesichts der Bardot, so deppert wurde, dass er sich auf den Boden legte und stammelte, es sei nun Zeit für seine transzendentale Meditation ...

Das findet man nicht auf Wikipedia. Hurra!

David
Foenkinos:

Lennon
Übersetzt von Christian Kolb.
DVA.
220 Seiten.
20,60 Euro.