© Monika Löff/Pressefoto

Kultur
05/07/2020

Joesi Prokopetz: Kreativitätsschub in der Coronakrise

Joesi Prokopetz – am Freitag beim Festival „Rund um die Burg“ online – im Gespräch über Querulanten, die Filzlaus und den „Wiener“ als Menschentypus.

von Werner Rosenberger

„Es gibt nichts Schöneres als Jammern, aber bei mir wäre es auf einem relativ hohen Niveau“, sagt Joesi Prokopetz aus seinem Home Office im KURIER-Gespräch und vermisst vor allem: „Dass ich im Moment meine Kaffeehausfreunde nicht treffen kann.“

Was bitte ist ein Kaffeehausfreund? „Einer, den man nie zu sich nach Hause einlädt und dessen Frau man nicht kennenlernen will. Mir geht dieses Tante-Jolesch-Feeling beim gepflegten Kaffeehaus-Schmähführen, das jetzt nicht stattfinden kann, sehr ab. Und mit meiner Frau kann ich das nicht machen. Die kennt schon alles.“

"Kabarentner"

Dem Kabarettisten sind zwar bis auf Weiteres alle Live-Termine geplatzt. Dafür ist er beim Literaturfestival „Rund um die Burg“ dabei, das am Freitag (ab 10 Uhr) erstmals online zu erleben ist.

Neben internationalen Stars wie T. C. Boyle, John Stralecky, Rafik Schami, Hilary Mantel sowie heimischen Autoren liest Prokopetz u. a. „Wer ist ,ich’?“ und „Poesie beim Brausen“ aus seinem Buch „Alltag ist nicht ein Tag im All – Bekenntnisse eines Querulanten“ (Amalthea).

Ungebremst ist der Kreativitätsschub des sehr umtriebigen „Kabarentners“ – und das nächste Buch schon in Arbeit.

„Küss die Hand ...“

Das Thema will er nicht verraten: „Sonst schnappt mir das einer weg. Es geht auch um ,Quer’, aber keine ,Ulanten’“, spricht der 68-Jährige – wie sonst selten – in Rätseln.

Der Arbeitstitel ist „Küss die Hand, schöne Frau“ und weckt Assoziationen an den Uralt-Hit der Klamaukband Erste Allgemeine Verunsicherung: „Küss die Hand, schöne Frau, Ihre Augen sind so blau tirili, tirilo, tirila ... “

Ein neues Bühnenprogramm ist auch schon fertig: „Vienna waits for you“ (Premiere voraussichtlich erst im Herbst 2021) bezieht sich auf einen Hit von Billy Joel, veröffentlicht 1977 auf seinem Album „The Stranger“.

Das Lied entstand, als Joel seinen Vater in dessen Heimatstadt Wien besuchte. Die beiden beobachteten eine ältere Frau beim Straßenkehren, und es entwickelte sich eine philosophische Diskussion um das Alter und den Zwang, die Lebensziele möglichst schnell zu erreichen.

Typus „Wiener“

„Der Song beschreibt, dass man es im Leben manchmal langsamer angehen muss, dass man Achtsamkeit entwickelt, aber auch Dankbarkeit zeigt für alles Gute, das einem im Leben passiert“, sagte Joel. „Wien hat all das für mich verkörpert.“

Anders bei Prokopetz: Da wird das Lied als Metapher für Alter, Hinfälligkeit und Tod „enternstelt“ – also von allem Ernst befreit schon im Untertitel: „Ich muss im früheren Leben eine Filzlaus gewesen sein“. Das Programm basiert auf der Behauptung: Jeder Mensch auf der Welt im Alter 50 plus ist ein „Wiener“, wenn er intolerant, perspektivlos, unzufrieden, grantig, misanthropisch und pessimistisch geworden ist.

Dieser „Wiener“ sei topografisch nicht gebunden: „Bei meiner liebevollen aber harten Abrechnung mit diesem Typus Mensch kommen aber keine Heurigenklischees oder Operettenseligkeiten vor.“

Jeder Österreicher, aber auch ein Finne könne Wiener werden. Prokopetz; „Außer der Tiroler. Der ist per se ein in sich geschlossenes System. Vielleicht auch der Kärntner.“ Dazu gibt es neue Lieder, u.a. eine Paraphrase auf die „Reblaus“: „Im Vollbart und im Schamhaar, da fühl’ ich mich fein, ich muss im früheren Leben eine Filzlaus gewesen sein.“

Literaturfestival „Rund um die Burg“ – am 8. Mai ab 10 Uhr online unter www.rundumdieburg.at

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