ARCHIV: Elfriede Jelinek, oesterreichische Autorin und Gewinnerin des Literaturnobelpreises, posiert waehrend eines Interviews in ihrem Wohnzimmer in Wien, Oesterreich (Foto vom 07.10.04). Jelinek kennt keine Tabuthemen. Nazi-Verbrechen, RAF-Terror, Koelner Archiveinsturz oder die Atomkatastrophe von Fukushima - die Bandbreite ihrer Werke ist fast so gross, wie die Liste ihrer Auszeichnungen lang ist. Jetzt erreicht die oesterreichische Literaturnobelpreistraegerin das Rentenalter. Am 20. Oktober wird die Ausnahmeschriftstellerin und Dramatikerin 65 Jahre alt. Ihren Stift legt sie sicher nicht ab. (zu dapd-Text). Foto: Rudi Blaha/AP/dapd

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Protest
02/01/2013

Jelinek und Co gegen Ungarns Regierung

Auf Initiative von Matthias Hartmann formulierten Michael Haneke, Elfriede Jelinek und andere "Wünsche an das ungarische Theater".

Österreichische Kulturschaffende protestieren für Toleranz gegen die Situation ihrer Kollegen unter der rechtskonservativen ungarischen Regierung. Auf Initiative von Matthias Hartmann haben sich Prominente wie Elfriede Jelinek, Michael Haneke oder Erwin Wurm zu einem gemeinsamen Wunschkatalog zusammengefunden, der in Form eines Offenen Briefs an den zuständigen Minister Zoltan Balog gesandt wurde. Laut Burgtheater soll der Brief an ungarischen Theatern öffentlich verlesen werden.

"Jede Form der politischen Instrumentalisierung oder gar ideologischen Disziplinierung von Kunst, jede Form von Zensur macht ein Land nicht nur unproduktiver und letztlich ärmer, sondern sie begünstigt auch Repression und Gewalt gegen Minderheiten", warnt Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in dem von derstandard.at veröffentlichten Text, während Regisseur Michael Haneke klarstellt: "Es ist keine Frage von rechts oder links: Freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit sind Menschenrechte."

Lakonisch gab sich Dramatiker Peter Turrini: "Die Politik soll den Theaterbetrieb ermöglichen und sich ansonsten heraushalten. Nur Diktaturen mischen sich ein." Künstler Erwin Wurm richtete seine Wünsche direkt an Minister Balog: "Schlussendlich wünsche ich mir für das ungarische Theater ein Umdenken der Regierung, insbesondere Ihres Ressorts und eine demokratische und aufgeklärte Herangehensweise an kulturpolitische Themen."

Toleranz, Vielfalt und Solidarität

Jungautor Ewald Palmetshofer appelliert an die Gesprächsbereitschaft der Regierung: "Besorgt drängend bitte ich die ungarische Regierung, sich nicht jenseits der Befragbarkeit zu situieren, sich dieser vielmehr auszusetzen, sie nicht aus- oder abzuschließen, sondern zu befördern und die Orte, an denen sich die Befragung formuliert und ausdrückt, zu wahren." Und die Schriftstellerin Kathrin Röggla richtete ihren Protest ebenfalls direkt an die Regierung: "Ich erwarte mir, dass Sie bereit sind, einer demokratischen künstlerischen Auseinandersetzung sich zu stellen, was beinhaltet, dass Sie die breiten Proteste der ungarischen Kunstszene wahr- und ernst nehmen, eine Vielfalt von Experten hören und sich nicht auf alte Fährten eines Überwachungsstaates begeben und die gesamten künstlerischen Institutionen mit Ihnen politisch nahestehenden Funktionsträgern besetzen."

Unabhängig von der Hartmann-Initiative hat der österreichische Regisseur Markus Kupferblum ein eigenes Memorandum verfasst, das seinen Angaben zufolge am Abend an den meisten österreichischen, aber auch an internationalen Häusern wie der Komischen Oper in Berlin oder dem Theatre Rond-Point in Paris verlesen wird. Darin heißt es: "Heute vor einem Jahr wurde in Budapest eines der bedeutendsten Theater der Stadt an einen neuen Intendanten übergeben, der seit vielen Jahren öffentlich rechtsradikales Gedankengut vertritt. Seitdem werden dort menschenverachtende und hetzerische Stücke gespielt." Es gelte deshalb, in allen Ländern und in der eigenen unmittelbaren Umgebung für Toleranz, Vielfalt und Solidarität für die Schwächeren einzutreten.

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