"Jahrhundertfrauen": Lernen, wie man zu Punk tanzt

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Foto: /Park Circus Annette Bening und Billy Cudrup: "Jahrhundertfrauen"

Bittersüßes Generationenporträt von Mike Mills.

Sie weiß nicht, wer "Black Flag" ist und was das Schimpfwort "Art Fag" bedeutet. Die Musik von den Talking Heads hat sie noch nie gehört. Und wie man zu Punk tanzt, kann sie sich nicht vorstellen.

Eine alleinerziehende Mutter ist mit ihrem Latein am Ende. Die Welt ihres 15-jährigen Sohnes wird ihr zunehmend fremd – und daher bittet sie zwei junge Frauen, ihr bei der Erziehung ihres Kindes zu helfen.

Mike Mills, Regisseur von Musikvideos und Spielfilmen, erzählte in "Beginners" vom späten Coming-out seines Vaters; in "Jahrhundertfrauen" beschäftigt er sich nun mit der Biografie seiner Mutter.

Die patente Annette Bening spielt jene überforderte Frau, die sich 1979, im Jahr von Punk und Feminismus, zunehmend von ihrem Sohn Jamie entfremdet. Greta Gerwig als Mitbewohnerin mit punkig-roten Haaren nimmt Jamie unter ihre feministischen Fittiche, ebenso wie Elle Fanning als seine frühreife Jugendfreundin. Unter der Aufsicht der beiden jungen Frauen geht Jamie auf Punk-Konzerte, liest feministische Literatur und lernt das Wort "Menstruation" aussprechen. Mit Filmbildern in Schwarz-Weiß und ironischen Off-Kommentaren erzeugt Mills einen heiter-melancholischen Nostalgietonfall. Die famose Annette Bening bringt er zum Blühen, doch durch seinen forcierten Stilwillen büßt sein formschönes Generationenporträt stark an Lebendigkeit ein. Jahrhundertfrauen.

INFO: USA 2016. 119 Min. Von Mike Mills. Mit Annette Bening, Greta Gerwig, Elle Fanning.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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