Kultur
26.06.2018

Interpol in der Arena Wien: "strahlend kalt"

Die New Yorker Band Interpol hat am Montagabend in der Wiener Arena ihre alten Songs routiniert und gefällig verwaltet. Neues Material gibt es Ende August.

Aller guten Dinge sind zwei – zumindest für Interpol. Denn die Band aus New York benötigte für ein Konzert in Wien zwei Versuche. Zur Erinnerung: Vergangenen August beendete ein schweres Gewitter bereits nach fünf Nummern  ihren Auftritt in der Wiener Arena. Am Montagabend, also zehn Monate später, kehrte das Trio rund um Sänger Paul Banks nach Simmering zurück: Selber Ort, selbe Combo, aber anderer Anlass. Denn der Grund    für den damaligen Auftritt war das 15-jährige Jubiläum ihres enorm erfolgreichen Debüts „Turn On The Bright Lights“, das Interpol von Anfang bis zum Schluss durchspielen wollten. Diesmal  standen zwar auch wieder viele alte Songs im Vordergrund, aber es wurde einem auch neues Material, das Mitte August unter dem Titel „Marauder“ erscheinen soll, präsentiert.

Mitgealtert
Interpol, die  Nachlassverwalter des britischen Post-Punk (Stichwort: Joy Division), eröffneten mit „Not Even Jail“ das  Open Air, das mit 1800 Besuchern zwar gut gefüllt, aber bei Weitem nicht ausverkauft war.Auf der Setlist  standen vor allem Songs der ersten beiden Alben („Turn On The Bright Lights“, „Antics“) – der Back-Katalog, Geschenk und Bürde zugleich, wurde routiniert verwaltet. Das kommt beim Publikum, das mit der Band mitgealtert ist, gut an. Souverän,  aber auch unterkühlt wie  distanziert spielte das Trio, das live wie schon in den vergangenen Jahren von Brandon Curtis am Keyboard und Bassist Brad Truax unterstützt wurde, einen Song nach dem anderen runter – druckvoll,  aber ohne dabei zu glänzen. Bei der Smartphone-Bildbearbeitung gibt es dafür einen passenden Filter: „strahlend kalt“.
Das passt auch gut zu jener Melancholie, die Interpol seit Anfang der Nullerjahre mit viel Pathos anrühren. Im Mittelpunkt stehen dabei die großen Gesten, das große Drama, die lebenserhöhenden Lieder, das Leid des weißen Mannes am Beginn der Midlife-Crisis: Existenzängste und das mit der Zeit doch etwas langweilige Leben in der Upper Class der Gesellschaft. Und wenn die Psyche mal gestört, das Herzerl mal gebrochen ist, sollte man sich darüber auch beschweren dürfen: „Can't you see what you've done to me, to my heart and my soul  – it's a wasteland now“, singt Paul Banks  in  „Slow Hands“ mit  unverwechselbarem Bariton. Wieder so eine Hymne  aus vergangenen, besseren Zeiten ihrer Karriere. Weitere  folgten: „Evil“, „Obstacle 1“, „C’mere“,  „Hands Away“ und „The Heinrich Maneuver“.

Neue Stücke
Mit „The Rover“ und „Now You See Me At Work“ waren  auch zwei neue Stücke vom kommenden Album zu hören, zwei Songs, die nicht weiter ungut auffallen und  dort anschließen, wo der Vorgänger, das mittelmäßige „ El Pintor“ (2014)  aufgehört hat.
Die Muse, sie will   Paul Banks und  Co. nach dem Ausscheiden von Bassist Carlos Dengler (2010) nicht mehr innig küssen. Und so erinnern Interpol in der Arena  mit vielen Songs aus früheren Tagen daran, dass sie einmal eine bessere Band waren. Mal sehen, ob daran das Ende August erscheinende „Marauder“ etwas ändern kann.