© ImPulsTanz/Hervé Deroo

ImPulsTanz
07/21/2021

ImPulsTanz-Chef Regensburger: "Maskenpflicht gibt vielen Sicherheit“

Der Intendant über Verunsicherung bei internationalen Gästen, strenge Kontrollen und neue Herausforderungen – und „ein Meisterwerk“ im Programm.

von Georg Leyrer

Auch in Wien gibt es derzeit Indoor-Kulturveranstaltungen, insbesondere beim ImPulsTanz-Festival. Intendant Karl Regensburger über Masken, Kontrollen, Schwierigkeiten und Erfolge.

KURIER: Wie hat sich Ihr Publikum in den ersten Tagen gefühlt, ohne Maske und Mindestabstand? Gab es verunsicherte Gesichter?

Karl Regensburger: In den ersten Tagen war eine große Euphorie spürbar und eine unendliche Freude, sich wiederzusehen. Wir bemerken aber auch ein wenig Verunsicherung, vor allem von unseren Gästen aus allen Ecken der Welt, die über die Maßnahmen erstaunt sind. Es zeigt sich, wie sehr die verschiedenen nationalen Wege, mit der Pandemie umzugehen, auch unseren Umgang miteinander beeinflussen. Etwa die Eintrittstests und „Alles Gurgelt“ sind für viele Neuland, wobei mittlerweile alle, wie auch wir, spürbar erfreut über die Gurgeltests sind. Und es ist auch beruhigend, dass es laut einer letzten Studie von Ages von Mai bis Mitte Juli keine einzige Infektion im Kulturbereich gab. Die plötzliche Öffnung, mit 100 % Auslastung spielen zu dürfen, kam für uns allerdings überraschend. Wir hatten ein Festival mit 50 % geplant.

Jetzt gab es den Corona-Fall in Salzburg, und Wien behält die Maske in Innenräumen bei. Schränkt das den Kulturgenuss ein – oder bestärkt das Unschlüssige, sich doch ein Ticket zu kaufen?

Wir haben bemerkt, dass mehr als die Hälfte der Besucherinnen und Besucher selbstständig zur Maske greift und uns erreichen auch Wünsche diesbezüglich. Wir glauben, dass die Maskenpflicht vielen Sicherheit geben wird und Unschlüssige auch noch überzeugen wird, zu uns ins Theater zu kommen.

Hat Salzburg richtig reagiert? Wenn es einen Fall bei ImPulsTanz gäbe, wäre da für Contact Tracing etc. auch vorgesorgt?

Ich finde, ja. Ich bin mit diesen Maßnahmen d’accord. Wir haben bezüglich Contact Tracing äußerst gut vorgesorgt, an den Spielstätten, im Workshop-Zentrum Arsenal, bei Public Moves und in der Festival Lounge im Kursalon Wien gilt Registrierungspflicht, die Daten werden aufgenommen und im Falle den Behörden übergeben. Wir sind streng, ohne Test oder Zertifikat kommt niemand rein, und wir kontrollieren das auch sorgfältigst und bei allen.Selbst ich muss manchmal meine ID nachweisen, bei unseren vielen neuen Mitarbeiter*innen, die wir für diese Maßnahmen brauchen.

Man kann sich vorstellen, dass es schon leichter war, ein Festival zu machen.

Leicht war’s ohnehin nie. Aber vieles ist deutlich komplexer – Unsicherheiten bei Reisen, interne Abläufe, die Personalisierung der Tickets, etc. Das Team wurde vergrößert, um alles stemmen zu können. Gleichzeitig erleben wir aber auch eine fast neu empfundene Freude, wenn man sich beispielsweise den schallenden Applaus nach Trajal Harrells Vorstellung von „Maggie The Cat“ nochmals in Erinnerung ruft.

Gab es Schwierigkeiten für Künstler, anzureisen, gab es Absagen?

Leider mussten wir die Vorstellungen und die Installation von Geumhyung Jeong aus Südkorea auf 2022 verschieben. Die Reisebeschränkungen und die Unsicherheiten, ob sich Publikum frei bewegen darf, haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dies hat in weiterer Folge auch maßgeblich die Programmierung unserer Museumskooperationen beeinflusst. Dank meines höchst professionellen Teams und der Unterstützung des Außen- und Innenministeriums und des Bundesministeriums für Kunst und Kultur, die die nationale Bedeutung des Festivals anerkennen, konnten wir alle anderen Reisen antreten. Mit großer Freude erwarten wir die Compagnie von Dada Masilo aus Südafrika, Maria Tembe und Panaibra Gabriel Canda aus Mosambik, die Compagnie von Akram Khan aus Großbritannien und unseren Dozenten Terence Lewis aus Indien.

Wie war es mit dem Verkauf, lief das wie gewohnt oder sind die Menschen noch zögerlich?

Der Kartenverkauf ist zögerlicher und viel kurzfristiger als in den Jahren zuvor. Vor allem aber fehlt uns das internationale Publikum, das uns heuer aufgrund der Reiseunsicherheiten nicht besuchen wird. Auch für das Team ist es eine enorme Herausforderung. Vermehrte Nachtschichten werden benötigt, um den kurzfristigen und spontanen Ansturm zu bewältigen.

Heute thematisiert Choreografin Maguy Marin die nächste große Problematik, die Umwelt. Haben die Menschen dafür überhaupt Kapazitäten?

In „Umwelt“ geht es weniger um den Klimawandel als um die Gesellschaftskatastrophe und die Art unseres Zusammenlebens, die nicht mehr funktioniert. Der Begriff Umwelt ist größer als „nur“ die Natur. Wie Maguy Marin sagt: Es geht nicht nur darum geboren zu werden, sondern zu leben. Sie ist eine kämpferische Visionärin für soziale Gerechtigkeit und zeigt am 22. und 24. Juli eine beeindruckende Performance – ein Meisterwerk, würde ich sagen – mit fantastischen Darstellerinnen und Darstellern. Es geht nicht um die Apokalypse, sondern um ein Aufbruchsmoment, ein Wachrütteln, das wir benötigen, jetzt besonders.

Es ist das erste Festival ohne den für ImPulsTanz so wichtigen Ismael Ivo. Wie haben Sie die ersten Festival-Tage ohne ihn empfunden, wie sehr steht das Festival in seinem Gedenken?

Der Verlust war ein großer – künstlerisch aber besonders menschlich. Wir werden dieses und auch die kommenden Festivals in seinem Sinne gestalten und offen sein. Bis Festivalende ist im Odeon noch die wunderbare Fotoausstellung „Erinnerungen an Ismael Ivo“ von Dieter Blum zu sehen. Am 1. August gedenken wir gemeinsam mit seinen vielen Freund*innen im Volkstheater. Und Alain Platel widmet sein „Gardenia - 10 years later“, am 7. und 9. August im Volkstheater, Ismael.

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