Kultur
07.02.2017

"Im Zentrum" zu Radikalisierung: Wer diskutierte da eigentlich?

Diskussionsrunde "Im Zentrum" © Bild: /Screenshot/ORF

Am Sonntag debattierte die gebürtige Syrerin Laila Mirzo zum Thema Radikalisierung. Sie wurde als Journalistin angekündigt, ist bislang aber vor allem in rechten Kreisen aufgefallen.

Österreichs wichtigste Diskussionssendung nahm sich diesmal eines besonders brisanten Themas an. "Radikalisierte Jugend – was ist dran an der islamistischen Gefahr?", lautete der Titel von "Im Zentrum" am Sonntagabend.

Abschließend geklärt werden konnte die Frage, wie es nunmal in der Natur einer Diskussionssendung liegt, freilich nicht.

Doch es scheiterte diesmal schon an Grundlegenderem. Der ORF blieb nämlich auch eine Antwort auf die Frage schuldig, wer da eigentlich miteinander diskutierte (und welche fachlichen Kompetenzen die Teilnehmer vorzuweisen hatten).

Wer ist Laila Mirzo?

Neben Vertretern aus der Politik – zu Gast waren Integrationsminister Sebastian Kurz und Alev Korun, Integrationssprecherin der Grünen –, dem Imam Ramazan Demir und der Salafismus-Forscherin Nina Käsehage, war auch Laila Mirzo geladen. Die gebürtige Syrerin, die 1989 nach Deutschland und 2002 nach Österreich kam und vor zehn Jahren zum Christentum konvertierte, sorgte für die kritischsten Wortmeldungen in einer an kritischen Wortmeldungen reichen Debatte. Der Terror, so Mirzos Kernaussage, sei keine Perversion des IS, sondern das Kernstück des Islam, der Dschihad ein zentrales Thema des Koran (hier gibt’s die Nachlese zur Sendung).

Vorgestellt wurde Mirzo als "Beraterin für interkulturelle Kommunikation". In der Sendungsbeschreibung in der TVthek des ORF wird Mirzo als Journalistin bezeichnet. Beides ist nur bedingt richtig. Auf Nachfrage von kurier.at bestätigte Mirzo, dass sie beide Tätigkeiten zumindest nicht hauptberuflich ausübe. Online findet sich lediglich eine Homepage zu "Österreichs einziger Pfeifenbauerin".

Unabhängig von ihren inhaltlichen Aussagen, stellt sich also die Frage, was Mirzo qualifiziert unter der Bezeichnungen Journalistin bzw. "Beraterin für interkulturelle Kommunikation", die einen neutralen Standpunkt nahelegen, in Österreichs wichtigster Diskussionssendung als Islamkritikerin aufzutreten. Umso mehr, als die gebürtige Syrerin bisher lediglich mit Auftritten in rechtsgerichteten Publikationen aufgefallen ist. In einem Interview mit der Internetplattform Wochenblick.at, deren Naheverhältnis zur FPÖ und der rechtsextremen Szene das Profil dokumentierte, nannte sie den Koran zuletzt "Handbuch des Terrors". In dem Interview wird Mirzo als "Islam-Expertin" und "–Kennerin" bezeichnet, eine Zuschreibung übrigens, die sie selbst nicht für sich in Anspruch nimmt. Wenn Medien das über sie schreiben würden, sei das in ihrer Verantwortung, sagt Mirzo.

Das Interview wurde auch von Seiten wie unzensuriert.at und pi-news.net (Politically Incorrect) zitiert. Auf unsere Frage, ob sie sich deshalb von politischer Seite vereinnahmt fühlt, wollte Mirzo nicht antworten. Nur soviel: Zu einer pluralistischen Medienlandschaft gehöre es auch, andere Stimmen zu hören. Und natürlich: Es liegt nicht in Mirzos Verantwortung, wann sie von wem wo zitiert wird.

"Zeitbombe Islam"

Ihr Vortrag, den sie Ende Jänner zum Thema "Zeitbombe Islam" im Schulvereinshaus im achten Bezirk hielt, ist da schon kritischer zu sehen, sind in dem Haus doch deutschnationale und rechtsextreme Burschenschafter beheimatet. Veranstalter war die vom Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand als rechtsextrem eingestufte Österreichische Landsmannschaft (ÖLM). Die Begrüßung erfolgte laut Einladung durch Thomas Hütter, Chefredakteur des von der ÖLM herausgegebenen Magazins "Der Eckart" - die zweite Publikation, in der Mirzo laut Eigenangaben bereits veröffentlichte. Zur Veranstaltung selbst will sie keinen Kommentar abgeben.

Was bei jedem anderen Gast selbstverständlich ist, nämlich die berufliche Tätigkeit und Hintergründe der Diskutanten offen zu legen, blieb der ORF im Fall von Leila Mirzo also schuldig - und das ausgerechnet bei einem politisch so umstrittenen Thema. Man sei sich aber natürlich bewusst gewesen, dass sie eine besonders kritische Stimme ist, sagt Robert Stoppacher, Leiter der ORF-Diskussionssendungen, gegenüber kurier.at. Man habe Mirzo als Kontrapunkt eingeladen, da sie nicht nur den Islamismus, sondern auch den Islam als solches kritisiere. Das sei im Sinne einer Meinungspluralität absolut gewünscht. Dass die Kennzeichnung als "Journalistin" irreführend gewesen sei, will Stoppacher so jedenfalls nicht stehen lassen. "Claudia Reiterer hat das in der Sendung gut erklärt."