Vermögen mit Songs von Ludwig Hirsch zu begeistern: Lucy McEvil, Oliver Welter, Christoph Krutzler
und Alf Peherstorfer

© Rita Newman / Rabenhof

Kritik
11/18/2021

Im Rabenhof wird jede Nacht eine böse Tat vollbracht

Fetzige Disco-Nummern, beinharte Rezitationen: Thomas Gratzer würdigt Ludwig Hirsch - mit der fulminanten Show "Happy End"

von Thomas Trenkler

Die Showbühne von Michaela Mandel mit Glitzerlametta und Geburtstagshütchen ist zugleich auch ein trister Wald mit abgestorbenen Bäumen, bevölkert von allerlei ausgestopftem Getier. Man entdeckt im Rabenhof Theater einen Bären, eine Wildkatze, ein Rehkitz, einen Schneehasen, auch einen Fuchs, einen Raben und einen Kauz. Und einen räudigen Wolf, der bekanntlich eigentlich ein Dackel ist.

Aber konsequenterweise keinen Hirschen. Denn an diesem Abend mit dem sarkastischen Titel „Happy End“ dreht sich alles um den Liedermacher Ludwig Hirsch, der sich vor genau zehn Jahren (am 24. November) das Leben nahm. Er hatte, wie zuvor der 2007 gestorbene Georg Danzer, Lungenkrebs.

 

Mittlerweile kann man schon von einer Serie sprechen: Zum dritten Mal – nach Hommagen an André Heller und Georg Danzer – würdigt der Rabenhof einen Protagonisten des Austropop. Und wieder gelang Thomas Gratzer, dem Hausherren, eine exzellente Show. Denn Oliver Welter, Gründer von Naked Lunch, und Alf Peherstorfer, Sänger der Indie-Band Kommando Elefant, befreiten die dunkelgrauen bis rabenschwarzen Lieder des Singer-Songwriters von allzu betulichen, ja altvatrischen Arrangements: „Miss Burgenland“ und „Sternderl schauen“ mutieren zu fetzigen Disco-Nummern, als Rock-Song dominiert in „Ich hab’s wissen wollen“ die verzerrte E-Gitarre.

Mit ordentlich Tempo und beherztem Fingerschnippen bringen Lucy McEvil und Christoph Krutzler „Schick Dich doch selber Deiner Freundin in an Packerl“ – der Text erinnert sehr stark an „The Gift“ von Velvet Underground – zu Gehör; bei „Schutzengerl“ wird Cornelia Köndgen, die Witwe nach Ludwig Hirsch, als „Special Guest“ von Peherstorfer mit Cembalo-Klängen begleitet.

Rabenhof Theater | Ludwig Hirsch
HAPPY END ¸Ä¢  Die namenlose All-Star-Rock ¸Äôn¸Äô Roll-Band rund um Musik-Mastermind Oliver Welter pr?§sentiert eine neue Show ¸Äì anl?§sslich des zehnten Todestages des schw?§rzesten aller ¬?Austropopper¬´ - Ludwig Hirsc

Die Stärke des kurzweiligen Abends liegt aber nicht in der Neuinterpretation, sondern in der Rezitation: Mitunter werden die immerzu gereimten Strophen mehrerer Lieder gegengeschnitten oder miteinander kontrastiert. Die Schärfe der Texte kommt pur, losgelöst von Arrangements, viel stärker zur Geltung.

Nachhilfestunde

In der Auswahl der Songs (durch Gratzer) dominieren die sarkastischen Befunde über menschliche Abgründe. Natürlich darf die dement gewordene, nun tote Omama nicht fehlen und auch nicht der Herr Haslinger, der sich als Kindermörder entpuppt: Und so wird jede Nacht eine böse Tat vollbracht! Aus den Reaktionen des begeisterten Publikums war jedenfalls ablesbar, dass Hirsch nicht mehr so bekannt sein dürfte. Dem Rabenhof gelang daher eine fulminante Nachhilfestunde (auch wenn die Interpretation von „I lieg am Ruckn“ etwas enttäuschte).

Zudem erhält das Haus den KURIER-Preis für den innovativsten Umgang mit der Pandemie: In der Pause erhält man gratis Decken, damit man sich im Freien unterhalten kann, ohne zu verkühlen.

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