┬ę Burgtheater/Matthias Horn

Kultur
12/16/2019

Programmierter Aufreger: Im Burgtheater wird Live-Sex gezeigt

Regisseur Kay Voges: "Ab Donnerstag werden die Ergebnisse der Zusammenarbeit zu sehen sein!"

von Georg Leyrer, Thomas Trenkler

Kaum ist die Debatte um Peter Handke halbwegs ├╝berstanden, gibt es die n├Ąchste Chance auf einen Kulturaufreger: Bei der neuen Produktion "Dies Irae" (Premiere am Donnerstag) wird Live-Sex eines P├Ąrchens auf die Burgtheater-B├╝hne ├╝bertragen. Das berichtet das profil. Es gehe dabei keinesfalls um Pornografie, so Regisseur Kay Voges laut profil, sondern um den ÔÇ×kleinen Tod als gef├╝hlt zeitlosen Moment der Aufl├ÂsungÔÇť.

Zum KURIER sagte Voges, dass er "mit Menschen aus der Sex-Positiv-Szene aus Wien" arbeite (siehe unten). "Ab Donnerstag werden die Ergebnisse der Zusammenarbeit zu sehen sein! Die Zuschauenden k├Ânnen lustvoll einer Art Oper beiwohnen: Eine dreik├Âpfige Band musiziert, es gibt eine Operns├Ąngerin und einige Chorpassagen, es wird gespielt und gefilmt, es werden Bilder produziert. Und im besten Fall ist es so, dass man gleichzeitig ein Museum, eine Lesung, ein St├╝ck, einen Film und ein Konzert besucht."

"Endzeit-Oper"

Derartiges ist nat├╝rlich ein gefundenes Fressen f├╝r den ansonsten kaum je ├╝ber Kultur berichtenden Boulevard, wo prompt von "Porno-Skandal" zu lesen war. W├Ąhrend Nacktheit auf den B├╝hnen inzwischen nur noch wenig Aufregung wert ist, ist die Darstellung von "echtem" Sex jedoch immer noch eine Grenze, die kaum je ├╝berschritten wird.

"Dies Irae - Tag des Zorns" ist eine vom designierten Volkstheater-Direktor Voges inszenierte "Endzeit-Oper", bei der es um die letzten Tage der Menschheit zwischen Bibel und menschengemachten Katastrophen geht. Angesichts dessen sollte eine Sexszene zwar vielleicht weniger aufregen, aber dennoch ist das ein programmiertes Thema, insbesondere auf der B├╝hne des Burgtheaters.

Die Besch├Ąftigung mit den privaten und Rand-Bereichen des K├Ârperlichen ist in der Kultur nat├╝rlich nichts Neues. Mit grenz├╝berschreitende Bildern um K├Ârperlichkeit und Nacktheit hatte zuletzt die Tanzperformerin Florentina Holzinger f├╝r Aufsehen gesorgt. Immer wieder zeigen vor allem auch Filme sogenannten "echten Sex", bei dem die Darsteller ├╝ber das Schauspiel hinausgehen, etwa bei den Filmen "Baise-moi" (2000) oder "Intimacy" (2001).

Im Theater jedoch zeiht man sich in den allermeisten F├Ąllen hinter die K├╝nstlichkeit zur├╝ck - nicht zuletzt auch wegen der #MeToo-Debatte, die auch auf die B├╝hnen ├╝bergeschwappt ist.

 

Was war nochmal gleich "sexpositiv"?

Gegen├╝ber dem KURIER best├Ątigt Voges, dass er die Darsteller aus der "sexpositiven Szene" in Wien rekrutiert hat. Was das hei├čt? Der Trend schwappte zuletzt aus St├Ądten wie Berlin nach Wien (wo es aber nicht unmittelbar besonders erfolgreich war): "Sexpositive Partys" sind Partys (mit Musik und allem drum und dran), auf denen auch sexuelle Handlungen vollzogen werden k├Ânnen, aber keine "Swinger-Partys", wo es nur um das eine geht, sagten die Macher dieser Partys in mehreren Interviews. Die "sexpositive Bewegung" hat noch dazu einen dezidiert feministischen Hintergrund, es geht um sichere Orte vor allem auch f├╝r Frauen, hie├č es etwa gegen├╝ber FM4.

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