Richard Croft (Idomeneo) und Julien Behr (Arbace) in Damiano Michielettos Familienaufstellung.

© Theater Wien

Theater an der Wien
11/12/2013

Der ewige Kreislauf des Lebens

Mozarts "Idomeneo" in der Regie von Damiano Michieletto und mit Marlis Petersen.

von Peter Jarolin

Auf diese Premiere darf man gespannt sein. Denn wenn sich am Mittwoch (13. 11.) im Theater an der Wien der Vorhang zu Wolfgang Amadeus Mozarts „Idomeneo, Re di Creta“ hebt, ist eines garantiert: Das wird keine alltägliche Opernkost. Dafür garantiert einerseits Regisseur Damiano Michieletto, der für seine aufregenden Neudeutungen bekannt ist.

Andererseits steht mit Marlis Petersen eine der großartigsten Sing-Schauspielerinnen der Gegenwart in der Rolle der Elettra auf der Bühne.

Schummeln unmöglich

„Ich habe diese Partie bis dato noch nicht gesungen, das ist für mich eine echte Premiere“, sagt die deutsche Sopranistin. „Aber ich freue mich sehr auf diese Produktion. Und ich bin immer glücklich, wenn ich Mozart singen darf. Denn Mozart ist gnadenlos. Es verlangt immer eine stimmliche Standortbestimmung. Da gibt es kein Schummeln, da kann man sich nicht über einzelne Noten irgendwie drüber retten. Mozart macht einem ganz klar deutlich, ob die Stimme gesund und gut ist“, betont die vielseitige Sängerin.

Und wie sieht Petersen die Figur der Elettra, die am Königshof von Kreta Prinz Idamante begehrt, am Ende als Einzige aber allein bleibt? „Wenn man die Vorgeschichte bedenkt, ist ihr Verhalten eher klar. Elektra hat – wie etwa bei Richard Strauss – unmittelbar zuvor blutige Rache an ihrer Mutter und deren Liebhaber genommen. Das kann man als Interpretin durchaus mitdenken, obwohl ,Idomeneo natürlich eine andere Geschichte erzählt.“

Gelebte Vielseitigkeit

Petersen, deren Repertoire vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik reicht und die auch Musical gesungen hat, wird in Zukunft oft in Wien sein. Im Juli 2014 wird sie wieder die Violetta in Peter Konwitschnys legendärer „Traviata“-Inszenierung singen; im Jänner 2015 kommt an der Wien die Titelpartie in Vincenzo Bellinis „La Straniera“. Mit Staatsoperndirektor Dominique Meyer gibt es Gespräche über eine Wiederaufnahme von Aribert Reimanns „Medea“, mit der Petersen noch in der Ära Holender Maßstäbe gesetzt hat.
„Ich liebe Wien, denn in dieser Stadt dreht sich alles um die Musik, um die Oper, um das Theater, um die Kunst. Selbst manche Taxifahrer können einem sagen, wer heute Abend in der Oper singt oder was besonders gut war. Ich hoffe also, dass auch unser ,Idomeneo‘ zu den besonders guten Aufführungen zählen wird.“

Dafür ist auch Regisseur Damiano Michieletto zuständig, der „Idomeneo“ als Vater-Sohn-Konflikt deutet. „Idomeneo ist der König, der gottgleiche Übervater, der auf Geheiß der Götter, die es bei uns nicht gibt, seinen Sohn Idamante opfern soll. Ich sehe dieses Werk auch als eine Art Abnabelungsprozess, als Art Kreislauf des Lebens. Am Ende wird Idamante König sein, mit seiner geliebten Ilia zeugt er den nächsten Herrscher, während der bisherige Regent Idomeneo den Tod findet. Mozart hat das psychologisch sehr klug aufgeschlüsselt.

Humoriger Ernst

Michieletto, der vergangenen Sommer bei den Salzburger Festspielen Verdis „Falstaff“ inszeniert hat und bei den Pfingstfestspielen 2014 Rossinis „La Cenerentola“ mit Cecilia Bartoli umsetzen wird, weiter: „Wichtig ist es, das Werk ernst zu nehmen, ohne dabei in pure Tragik zu kippen. Ernsthaftigkeit ist ja nicht gleich Traurigkeit. Aber Ernsthaftigkeit ist auch Humor. Die Figur der Elettra etwa hat in dieser Familienaufstellung durchaus sehr komische Momente. Vor allem dann, wenn sie sich in eine von Rachegelüsten erfüllte Hysterie steigert. Das hat einen komischen Aspekt. Aber primär steht das Verhältnis der Generationen, das Stirb-und-werde-Prinzip im Zentrum des Stücks.“

Der gebürtige Venezianer, der demnächst auch an der Staatsoper arbeiten wird, weiter: „Als Regisseur versuche ich, jeden Stoff so nah wie möglich an die Gegenwart, an uns Menschen heranzuführen. So bleibt die Oper am Leben.“ Dieses Credo wird Michieletto in Österreich wohl auch bei einem anderen Großprojekt verfolgen. „Ja, ich spreche mit dem Theater an der Wien über eine Neu-Inszenierung von Richard Wagners ,Ring des Nibelungen‘. Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

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