"Idomeneo" an der Staatsoper: Die Klage des Königs auf der Landkarte
Bernard Richter in "Idomeneo".
Am 27. Jänner jährt sich Mozarts Geburtstag zum 270. Mal. Ein Argument dafür, seine frühe Oper „Idomeneo“ an der Wiener Staatsoper wiederaufzunehmen. Kasper Holtens weitgehend statische Inszenierung aus dem Jahr 2014 lässt die Geschichte leicht nachvollziehen. Idomeneo, der König der Kreter, hat auf dem Heimweg aus dem trojanischen Krieg einen Schiffbruch überlebt und verspricht dem Meeresgott Neptun, dafür den ersten Menschen, dem er an Land begegnet, zu opfern. Der ist Idamante, sein Sohn.
Die Bühne (Mia Stensgaard) ist praktikabel mit antiken Landkarten ausgestattet. Warum die gefangenen Trojaner von der Decke abgeseilt werden müssen, erschließt sich nicht. Die Sopranistin Ying Fang muss daher vor allem schwindelfrei sein, wenn sie ihre erst Arie singt. Das erledigt sie souverän. Sie ist mit ihrem klar, hell leuchtendem Sopran die erfreulichste Stimme dieses Abends. Beherzt schreitet sie ein, bevor Idomeneo seinen Sohn meuchelt.
Kate Lindsey und Bernard Richter in "Idomeneo".
Bernard Richter, er bereits als Idomeneo in Wien zu hören war, demonstriert einmal mehr, wie fordernd diese Rolle ist. Seine Tenorstimme klingt überschattet. Die Arie „Fuor del Mar“ schildert seinen Überlebenskampf im Meer. Das klingt bei diesem Sänger wie ein Lamento, Koloraturen ersetzt er durch Klagelaute, womit er seine Koloraturen ersetzt.
Kate Lindsey geht bei ihrem Hausrollendebüt als Idamante mit vokaler Zurückhaltung ans Werk. Die Arie „Non Temer“ intoniert sie zum Violin-Solo (Rainer Honeck). Eleonora Buratto changiert als Elettra, die vergeblich auf die Hochzeit mit Idamante hofft, zwischen Eifersucht und Verzweiflung. Ihre Schlussarie trägt sie mit gezügelter Theatralik vor.
Bertrand de Billy führt den Staatsopernchor und das Orchester wie ein Analytiker durch die Partitur, schlichte Klangfarben, kammermusikalische Passagen und die Zustimmung des Publikums.
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