Naked Lunch: Fulminantes Comeback nach acht Jahren Live-Abstinenz

OLIVER WELTER (NAKED LUNCH)
Die Band um Oliver Welter zog in der Wiener Arena alle Register ihres Könnens.

„To All And Everyone I Love“ hat Oliver Welter, Frontmann der Indierock-Band Naked Lunch, das erste Lied des Comeback-Albums „Lights (And A Slight Taste Of Death)“ genannt. Jetzt steht er auf der Bühne der seit Wochen ausverkauften Arena-Halle in Wien und widmet den Song „natürlich“ dem Publikum. Denn: „Ich freu mich so irre. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gut das tut, nach acht beschissenen Jahren Live-Abstinenz wieder auf der Bühne zu stehen.“

Schlimm waren die Jahre für den 58-Jährigen nicht nur wegen des fehlenden Kontakts zum Publikum. Welter musste den Ausstieg von Bassist Herwig „Fuzzman“ Zamernik verkraften, der fast 25 Jahre lang Co-Mastermind der Band gewesen war, und kämpfte erfolgreich gegen eine Krebserkrankung. All das spiegelt sich in den Songs von „Lights (And A Slight Taste Of Death)“, die schon in den Album-Versionen mit ihrer Melancholie und ihrer Intensität unter die Haut gehen.

In der Arena drehen Naked Lunch da noch mehr auf: Flächige Gitarren liefern aufwühlende Drone-Passagen, die über hackenden Beats liegen. Derartiges wird aber immer wieder von leiseren Stellen kontrastiert. Dann begleiten nur Keyboards, akustische Gitarren oder die auch sehr gut singende, neue Bassistin Romana Jakovcic Welters Gesang.

Verletzlich

Ein Höhepunkt der sanften Art ist „Come Into My Arms“, bei dem Gastsängerin Marilies „Maiija“ Jagsch eine verzaubernde Überstimme liefert. Als unterdurchschnittlich bezeichnet Welter seinen eigenen Gesang zwischendurch einmal. Klar, eine Powerstimme hat er nicht. Aber sein brüchiges, verletzliches Vokalorgan passt perfekt zu seinen Songs, macht die Emotionen, die von Verzweiflung und Mutlosigkeit bis zu Hoffnung, Liebe und neuer Freude am Leben reichen, bis in die Knochen spürbar.

Es sind aber nicht nur die neuen Songs, mit denen Naked Lunch in Wien begeistern können. „God“, „In The Dark“ oder „The Sun“ zeigen genauso, wie meisterhaft Songwriter Welter die oft so dämonischen Klangattacken der wuchtigen Gitarren mit hymnischen, einnehmenden Melodien verbindet, und wie er mit der Spannung von Gegensätzen wie laut und leise, wütend und zart oder üppig und reduziert dichte Atmosphäre in einen Konzertsaal zaubern kann.

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