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Kultur
04/15/2016

Identitäre stürmten Jelinek-Aufführung im Audimax

Flüchtlinge performten "Die Schutzbefohlenen". Anzeigen wegen Körperverletzung.

20 bis 30 Identitäre haben eine Aufführung des Elfriede-Jelinek-Stücks "Die Schutzbefohlenen" im Audimax der Wiener Universität gestört. Sie stürmten die Bühne, entrollten Transparente und Fahnen, berichtete der frühere Wiener Grün-Politiker Klaus Werner-Lobo der APA. Außerdem seien Flugblätter mit dem Text "Multikulti tötet" in das etwa 700 Personen umfassende Publikum geschmissen und Kunstblut verspritzt worden, sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger am Freitag.

Nach einem Handgemenge und Gerangel gelang es Teilen des Publikums, die Rechtsextremen hinauszudrängen, acht Personen klagten danach über Schmerzen im Bauchbereich. Die darstellenden Flüchtlinge hätten sich entschlossen, weiterzuspielen. Beim Eintreffen der Polizisten war die Störaktion vorüber, jetzt suchen sie nach den 20 bis 30 Personen.

Anzeigen wegen Körperverletzung

Im Zuge der folgenden Alarmfahndung waren elf Funkstreifen der Wiener Polizei und der Wega im Einsatz. Drei Personen seien in Folge dessen im Bereich der Universität angehalten und ihre Identität festgestellt worden. Außerdem werte die Polizei zahlreiche Handyvideos des Vorgangs aus, so Keiblinger. Bis zum Ende der Vorstellung, die nach der Unterbrechung fortgesetzt wurde, seien Polizisten im Saal geblieben.

Projekt wurde mit Nestroy-Extrapreis geehrt

Seit vergangenen September wird das Theaterstück sporadisch an verschiedenen Orten aufgeführt wird. Am Donnerstag war es im Audimax der Uni Wien zu sehen. Das Künstlerkollektiv "Die schweigende Mehrheit sagt Ja" steht hinter dem Projekt, das im Vorjahr bei der Nestroy-Verleihung mit einem Extrapreis geehrt wurde. Die Solidarität mit Flüchtlingen steht im Mittelpunkt.

In einem Statement der ÖH Wien heißt es, dass rund 40 bis 50 Mitglieder der identitären Bewegung in Österreich bei der Aktion beteiligt waren. Sie hätten ihre Fahne geschwenkt und mit Kunstblut Menschen bespritzt. Einige Besucher seien auch verletzt worden.