Kultur
03.04.2017

HVOB: Eine Nachricht mit Folgen

HVOB haben mit Winston Marshall, Gitarrist bei Mumford & Sons, zusammengearbeitet.

Wenn es um die Verbindung von Heiterkeit und Melancholie, von Party und Nachtruhe geht, dann ist man bei HVOB (Her Voice Over Boys) an der richtigen Adresse. Das von Wien aus agierende Produzenten-Gespann hat sich seit ihrem 2012 veröffentlichten, titellosen Debütalbum zu einem weltweit angesagten Act im Bereich der elektronischer Musik entwickelt.

Hinter HVOB stecken Anna Müller und Paul Wallner, die im vergangenen Jahr rund 100 Konzerte spielten – verteilt auf allen fünf Kontinenten. Zwischen Hotelzimmer, Flughafen und Bühne fanden die beiden auch immer wieder die Zeit, neue Songs aufzunehmen.

Mit "Silk", so der Titel des neuen Albums, kehrt die Band dem Dancefloor den Rücken. Was Winston Marshall, Gitarrist von Mumford & Sons, damit zu tun hat, erklärt Anna Müller im KURIER-Interview.

KURIER: Mit Winston Marshall ist zum ersten Mal ein Gastsänger zu hören …
Anna Müller: Gastsänger ist zu tief gestapelt. Es war eine künstlerische Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Winston hat genauso komponiert und produziert wie wir, hat seine Gitarre eingebracht und ist mit uns nächtelang im Studio gesessen und hat herumgetüftelt. Und er wird auch mit uns auf Tour gehen. Es ist zwar ein einmaliges Projekt, aber ein sehr intensives.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Winston hatte uns auf YouTube entdeckt und schrieb uns ein so freundliches E-Mail, dass wir das zuerst für einen Fake hielten und gar nicht antworteten. Wir dachten: Wieso soll uns eines der Mitglieder einer der größten Bands der Welt so abfeiern? Er blieb aber hartnäckig, schrieb noch einmal, und da haben wird dann geantwortet – zum Glück.

Ist Winston Marshall nun Teil der Crew oder war das eine einmalige Sache?
Ein einmaliges Projekt, von Anfang an so geplant. Wir gehen danach unseren Weg weiter, und Winston hat bei Mumford & Sons ja auch noch einiges zu tun.

"Silk" nennt sich das neue Album. Was sagt der Titel über den Inhalt aus?
Das Wort kommt im Song "Torrid Soul" vor. Wir haben es ausgewählt, weil es Grundstimmung und Idee des Albums schön einfängt, das Zusammenfinden und Verweben unterschiedlicher Lebens- und Soundwelten.

Wie würden Sie den neuen Sound beschreiben?
Es ist der Sound, der aus der Begegnung von HVOB mit Winston Marshall entstanden ist. Wir wollen ohne Gebrauchsanweisung auskommen, außerdem sind wir ganz schlecht im Beschreiben unseres Sounds. Das können Sie sicher besser (lacht).

Ich versuche es: Die Tracks sind nicht für die Tanzfläche ausgelegt, sondern sind reduzierter und ruhiger. Sie klingen weniger nach Techno – und viel mehr nach Indie-Pop. War das so geplant?
Kein Plan, sondern die logische Folge des Einflusses der beiden Welten. Und das ist gut so, das ist der Reiz von Kollaborationen. Man entdeckt neue Seiten an sich selbst; geht Schritte, die man alleine wahrscheinlich nicht gemacht hätte.

HVOB werden am 12. August ein eigenes Open-Air-Festival in der Wiener Arena veranstalten. Was steckt dahinter?
Die Idee wurde geboren, weil unsere Arena-Show im April nach einer Woche ausverkauft war. Und einfach nur ein Zusatzkonzert zu geben, erschien uns nicht besonders sportlich. So ist die Idee zu unserem Open Air in der Arena entstanden. Wir laden dazu Bands und Künstler ein, zu denen wir einen persönlichen Bezug haben, die uns musikalisch geprägt haben, die zur HVOB-Welt gehören. Der erste Act ist Stimming, ein Künstler, den wir sehr schätzen und der bereits einen Remix für uns gemacht hat.

Andere Länder, andere Sitten: Wie unterschiedlich sind die Reaktionen auf Ihre Musik?
Die sind überall gleich. Musik ist halt einfach größer als Kulturen oder Nationen, das kriegen wir jede Woche neu bewiesen. Und trotzdem kann man es eigentlich nicht glauben, wenn in China oder Südafrika die Leute deine Songs mitsingen.

HVOB spielen selten in Österreich und haben 2014 die Amadeus-Nominierung abgelehnt. Es scheint so, als würden Sie sich nicht gerne den Siegel "Made in Austria" verpassen lassen.
HVOB hätte wahrscheinlich genauso in Bangkok oder Rio de Janeiro entstehen können. Aber Musik ist ja zum Glück kein Bio-Ei, das eine Herkunftsbezeichnung als Qualitätssiegel braucht. Wir spielen in Österreich mit genauso viel Liebe und Hingabe wie in den USA oder Japan. Und den Amadeus an sich haben wir ja nicht abgelehnt, sondern einen Medienpartner und einige Unsauberkeiten. Die haben wir auch angesprochen, das haben wir schon sauber differenziert, damit ist die Sache auch erledigt.

Was würden Sie jungen Bands raten?
Nie andere für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich machen. Nicht auf Leute hören, die es angeblich besser wissen. Ausprobieren und Fehler machen – so viele wie möglich, aber jeden nur ein einziges Mal.

Termine in Österreich: 11. April – Salzburg / Rockhouse 21. April – Wien / Arena (ausverkauft) 16. Juni – Graz/Spring Festival 12. August – Wien/Arena Open Air Weitere Termine finden Sie unter: www.hvob-music.com