© Theater an der Wien/Herwig Prammer

Kritik
11/09/2021

"Hol's der Geyer": Herrliche Witze von Zeitlosigkeit

Mit dem Programm „Hol’s der Geyer“ endet in der „Hölle“ im Theater an der Wien eine goldene Zeit des jiddischen Humors

von Peter Jarolin

Alle schönen Märchen fangen bekanntlich mit „Es war einmal . . .“ an. Aber dieses „Es war einmal. . . “ gilt nun leider auch bald für ein höchst erfolgreiches Projekt, das Intendant Roland Geyer im Theater an der Wien gewagt und stets vorangetrieben hat. Denn im Souterrain des Hauses, in der sogenannten „Hölle“, hat Geyer die große Tradition des jiddischen Kabaretts wieder belebt.

Unfassbar klug

Georg Wacks, Stefan Fleischhacker, Elena Schreiber, Martin Thoma, Christoph Wagner-Trenkwitz sowie das wunderbare Ensemble „Albero Verde“ (alternierend an der Violine Daniela Preimesberger und Ulrike Greuter, am Cello Ruth Ferlic, an der Klarinette Reinhold Brunner und am Klavier Christina Renghofer) durften sich hier großartig austoben; Marie-Theres Arnbom kuratierte je nach Programm die passenden Ausstellungen über das künstlerische und jüdische Leben in Wien und speziell jenes in der „Hölle“.

Da aber Roland Geyer das Haus mit Ende der Spielzeit als Intendant verlässt, und das Theater an der Wien ab März 2022 einer Generalsanierung unterzogen werden muss, ist jetzt Schluss mit lustig. Wer jedoch bis 4. Dezember noch einmal richtig lachen will, dem kann nur gesagt (und somit empfohlen) werden: „Hol’s der Geyer“.

Unfassbar witzig

Denn bis dahin stehen sie alle in ihrem zehnten Jahr noch auf der Bühne zum „Großen Abschieds-Jubiläums-Mulatschak“. Sie, das sind etwa der junge Josef Stalin, der Tantenmörder, die wunderschöne Loreley, Stan Laurel und Oliver Hardy, der Hofnarr, der Adler oder die drei Birnen. Und natürlich die Kunstfigur Eleonore von Pfiff, die bereits einen Vorgeschmack auf die nächste Premiere (am Freitag) im Haus gibt und die berühmte Arie aus Alfredo Catalanis Oper „La Wally“ unter dem Motto „Geyers Wally“ NICHT singt! Das alles ist unfassbar witzig; die Pointen sitzen perfekt.

Hermann Leopoldi, Karl Valentin, (nach Heinrich Heine), Willy Rosen („Wenn ich der Richard Tauber wär“), Bert Brecht und Paul Dessau oder auch ein Friedrich Hollaender – sie alle kommen musikalisch und textlich zu ihrem Recht. Der Schmäh rennt; Travestie wird großgeschrieben. Dass Mitdenken erlaubt ist, versteht sich fast von selbst. Und spätestens, wenn es künstlerisch „Nach Großwardein“ geht, weiß man, wo der Humor ein Zuhause hat.

Unfassbar fein

Denn das tolle Ensemble präsentiert alle Lieder und Texte – sämtlicher Zoten zum Trotz – unfassbar fein. Und auch die berühmte „Träne im Knopfloch“ darf bei diesem Programm nicht fehlen. Ja, es ist ein Abschied aus der „Hölle“, aber es könnte weitergehen. Vielleicht im Jüdischen Museum? Gedanken dazu soll es geben. Wäre gut!

Peter Jarolin

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