Pixars Qualitätsstempel sorgte bei „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“ für hohe Einspielergebnisse

© Pixar/Disney

Kultur
06/25/2019

Hollywood: Fortsetzung folgt (nicht) im Kino

Die Einspielergebnisse an den Kinokassen befinden sich in der Krise. Die Filmindustrie ist im völligen Umbruch.

Die Filmindustrie befindet sich im Umbruch, und zwar fundamental. Online-Riesen wie Netflix bewerfen immer mehr Top-Regisseure und Hollywood-Stars mit mächtigen Budgets, produzieren Oscar-relevante Filme und sorgen dafür, dass Komödien nicht völlig von der Bildfläche verschwinden. Und die Konkurrenz wächst. Auch geldschwere Unternehmen wie Apple, Disney und Warner werden demnächst ihre Streaming-Dienste anbieten und den Druck auf die Kinobetreiber weiter vergrößern.

Nachdem mittlerweile das Monats-Abo für einen Streamingdienst kaum mehr kostet als eine einzelne Kinokarte – wer geht heutzutage noch ins Kino? Und wenn ja, was will man anschauen?

Folgt man den Einspielergebnissen, liegt die Antwort klar auf der Hand: Die Menschen wollen im Kino große Event-Filme sehen wie Marvels „Avengers: Endgame“ und „Captain Marvel“ oder Pixars „Toy Story 4“, auf Deutsch: „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“.

Marvel und Pixar zählen zu jenen Top-Marken mit hohem Wiedererkennungswert, die über die Jahre eine Reputation für Qualität angesammelt haben und auf eine große Fangemeinde zählen können. „Spider-Man: Far from Home“ biegt ebenfalls bereits ums Eck und verspricht – glaubt man ersten Reaktionen – einen erfolgreichen Abschluss der großen Marvel-Erzählung seit 2008.

Doch selbst ein Franchise wie „Toy Story“, allseits beliebter Klassiker in den globalen Kinderzimmern, blieb mit seiner vierten Fortsetzung unter den hochgeschraubten Erwartungen. Gerechnet hatte man mit 140 Millionen Dollar und mehr am ersten Wochenende, tatsächlich lagen die Einspielergebnisse bei „nur“ 118 Millionen.

Doch die Kritiken zu „Toy Story 4“ überschlagen sich – und Disney wird im Verlauf des Sommers dank Mundpropaganda seinen Gewinn befriedigend vergrößern können. Übrigens auch mit seinem Marvel-Hit „Avengers: Endgame“: Dem Vernehmen nach startet das Superhelden-Finale eine zweite Runde im Kino, in dem zusätzlich Filmszenen gezeigt werden, die es nicht in die erste Fassung geschafft haben. Offensichtlich will Disney damit den Weltrekord brechen, den „Avatar“ und 2,782 Milliarden Dollar Einspielergebnissen hält.

Weniger begnadete Filme wie „Men in Black: International“, „Shaft“ oder „X-Men: Dark Phoenix“ blicken aber auf eine durchwachsene Geschichte an Sequels und Spin-offs zurück. Insofern ist das Publikum weniger geneigt, ganz automatisch ins Kino zu eilen, bloß um die Fortsetzung eines vielleicht einstmals guten Films zu sehen. Da muss das Sequel schon ganze Überzeugungsarbeit leisten. Nicht einmal die nette Hundeanimation „Pets 2“ überzeugte an den Kinokassen, sie fuhr mit enttäuschenden 46, 6 Millionen Dollar weniger als die Hälfte seines Originals ein.

Komödienschwund

Auffallend bei floppenden Fortsetzungen wie „Men in Black: International“, „X-Men: Dark Phoenix“ oder „Shaft“ ist auch der Umstand, dass selbst große Hollywood-Stars wie Chris Hemsworth, Jennifer Lawrence oder Samuel L. Jackson nicht mehr von allein die Massen ins Kino ziehen. Viel einfacher schon gelingt dies auf Netflix. Einen Beweis dafür, dass beispielsweise ein verglimmender Star am Hollywood-Himmel im Kleinformat eine zweite Chance erhält, ist der Comedian Adam Sandler. Mit Komödien wie „50 erste Dates“ galt Sandler lange als Hit-Produzent – solange, bis er keine Hits mehr landete. Hollywood wandte sich von Sandler ab und Sandler wandte sich Netflix zu. Gemeinsam mit Jennifer Aniston spielte er in der Krimi-Komödie „Murder Mystery“. Laut Angaben von Netflix sahen den Film (trotz vernichtender Kritiken) über 30 Millionen Abonnenten .

Tatsächlich hat es gerade die Komödie zunehmend schwer in Hollywoods Blockbuster-Dschungel. Abgesehen von „Crazy Rich Asians“, die letztes Jahr über 100 Millionen Dollar einspielte, pendeln sich die Einnahmen – etwa bei Charlize Theron und Seth Rogans „Long Shot“ – bei 35 Millionen ein. Selbst renommierte Comedians wie Will Ferrell haben Mühe, ihre Projekte auf die Beine zu stellen. Und wer bietet ein neues Zuhause? Natürlich Netflix. Für Netflix drehte Ferrell seine neue Komödie über den Eurovision Song Contest. Da heißt es eben, zu Hause alleine zu lachen.