Kultur 28.02.2015

Diese Giftmischerei hat Methode

"Ungarischer Mittagstisch": Besser wird das Stück trotz allem nicht. © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Kritik. Starke Ensembleleistung bei "Haben".

Gott und Gift, Geld und Gier - das passt perfekt zusammen. Die Frauen (eines namenlosen Dorfes) müssen heiraten, die Männer aber sterben nach der Eheschließung wie die Fliegen. So wollte es der ungarische Dramatiker Julius Hay (1900 - 1975) in seinem Schauspiel "Haben", das im Jahr 1945 am Wiener Volkstheater für den ersten Theaterskandal der noch jungen Zweiten Republik sorgte.

Denn Gift in einer Marien-Statue versteckt, eine alte, mordende Hebamme und viel marxistisches Gedankengut – das war damals für Teile des Publikums zu viel.

Und heute? Da kann man darüber auch lachen und (in den besten Momenten) sogar mitfühlen. Jetzt wieder im Volkstheater, das dieses Drama mit aller darstellerischer Kraft und heutigen Bezügen auf die Bühne stemmt. In der naturalistisch-expressiven Regie von Robert Alföldi, der Hays nicht ganz zu Unrecht vergessenes Stück als Abrechnung mit jeder Blut-und Boden-Ideolgie und mit dem Ungarn des Viktor Orban versteht.

Szenenfotos

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©APA/HANS KLAUS TECHT

FOTOPROBE: "HABEN" IM VOLKSTHEATER

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Worum geht es? Eine junge Frau (Mari) muss einen reichen Bauern heiraten, um im Dorf-Leben voranzukommen.Mari aber ist schwanger; der Vater ihres Kindes ist der ehrgeizige Polizist Dani. Dieser träumt von einer Karriere im Beamten-Apparat, soll die von Kirche und Justiz geduldeten Todesfälle diverser Männer untersuchen. Doch auch Mari wird dank der giftmischenden Hebamme zur Mörderin, das Karussell aus Liebe, Begierde und Tod beginnt sich zu drehen ...

Regisseur Alföldi nutzt diese Geschichte, um Obrigkeiten, Kleriker und vermeintlich vorgegebene Strukturen zu hinterfragen. "Wer das Haben beherrscht, beherrscht die Welt", sagt die alte Hebamme einmal. Und um Haben und Nicht-Haben geht es auch im Stück. Und um die Liebe, die Alföldi, sein Bühnenbildner Robert Menczel und die für die (heutigen) Kostüme zuständige Fruzsina Nagy etwas zu langamtig erzählen.

Jede Rolle hat hier Bedeutung; Striche duldet die Regie nicht. Das Ergebnis ist eine starke Ensemble-Leistung, die von der unvergleichlichen, in ihrer Rolle unerbittlichen Erni Mangold als Giftmischerin und Marien-Todesengel zugleich angeführt wird. Andrea Bröderbauer erspielt sich die Mari mit einer kompromisslosen, zärtlichen Traurigkeit; Aaron Friesz gibt einen an Büchners "Woyzeck" gemahnenden, getriebenen Dani. Martina Stilp, Annette Isabella Holzmann, Alexandra Maria Timmel, Haymon Maria Buttinger, Patrick O. Beck und Alexander Lhotzky ragen aus dem Ensemble heraus. Besser wird dieser – um mit Thomas Bernhard zu sprechen – "Ungarische Mittagstisch" dennoch nicht. Egal, das Stück mag seine Schwächen haben. Das Volkstheater aber hat sich nichts vorzuwerfen.

KURIER-Wertung:

( Kurier ) Erstellt am 28.02.2015