Kultur
05.07.2018

Großer Österreichischer Staatspreis an Autor Florjan Lipuš

Österreichischer, auf Slowenisch publizierender Autor, bekannt u . a. für „Der Zögling Tjaz“.

Der Autor Florjan Lipuš erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2018. Der Kärntner Autor Lipuš , Jahrgang 1937, publiziert in seiner Muttersprache Slowenisch.

Die höchste Kulturauszeichnung der Republik, dotiert mit 30.000 Euro, wird Lipuš am 1. Oktober verliehen. „Seine Literatur baut auf ästhetische Autonomie, sprachliches Experiment und literarische Innovation“, lobte Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP).

Geboren wurde Florjan Lipuš am 4. Mai 1937 in Lobnig/Lobnik bei Eisenkappel/Zelezna Kapla. Von 1960 bis 1998 war Lipuš als Volksschullehrer und -direktor tätig. Zugleich war er von 1960 bis 1980 Herausgeber der Kärntner-slowenischen Literaturzeitschrift „Mladje“ und veröffentlichte zahlreiche Erzählungen, Romane und Essays. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Der Zögling Tjaz“, „Die Beseitigung meines Dorfes“, „Die Verweigerung der Wehmut“ und „Herzflecken“ sowie der im Suhrkamp Verlag erschienene Roman „Bostjans Flug“.

Als Kind musste Lipuš mitansehen, wie seine Mutter - nachdem sie eine als Partisanen verkleidete Gruppe von Gestapo-Männern bewirtet hatte - vor seinen Augen verhaftet wurde. Sie wurde im KZ Ravensbrück ermordet, während sein Vater in der Wehrmacht dienen musste.

Im Vorjahr veröffentlichte Lipuš „Seelenruhig“, in dem er Motive aus Kindheit, Jugend und Krieg verdichtet. Dieses Lebenszeugnis ist eine analytische Annäherung an das Aufwachsen während des Zweiten Weltkriegs, ein Verstehenwollen kindlicher Erinnerungsfetzen von Mutter und Großmutter, eine späte Versöhnung mit dem väterlichen Schweigen und ein stetes Erinnern an die Gräueltaten der Nazis.

Peter Handke, der den „Zögling Tjaz“ 1981 gemeinsam mit Helga Mracnikar ins Deutsche übersetzte, geriet in einem APA-Interview einmal über Lipuš ins Schwärmen: „Sein 'Bostjans Flug' ist für mich eines der drei, vier Bücher, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich geschrieben wurden und Weltliteratur sind.“ Sein Vorschlag, Lipuš den Großen Österreichischen Staatspreis zuzuerkennen, sei zu diesem Zeitpunkt jedoch an der Tatsache gescheitert, dass der Autor nicht auf Deutsch schreibe. Nachsatz: „Das ist ein Unrecht.“ Dass dieses Unrecht nun just unter einer Regierung mit FPÖ-Beteiligung berichtigt wird, wird manchen überraschen.

Vielfach ausgezeichnet ist Lipuš freilich dennoch: Für „Bostjans Flug“ wurde Lipus 2004 mit dem France-Preseren-Preis und 2011 mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet. 2005 erhielt er den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, 2013 den mit 14.500 Euro dotierten Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz.

Der Österreichische Kunstsenat führt in seiner Staatspreis-Begründung an, dass schon im „Zögling Tjaz“ sein „gesamtes erzählerisches Opus thematisch angelegt“ sei: „Lipuš behandelt in seiner Literatur den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Vertreibung und Ermordung der Kärntner Slowenen, die Geringschätzung der slowenischen Minderheit durch die Mehrheitsbevölkerung, aber auch die Rettung der schwindenden Welt slowenischer Wörter und Wendungen als Grundlage einer neuen selbstbewussten Identität.“

Lipuš selbst beschreibt das Wiederkehren seiner Motive in „Seelenruhig“ in verdichteter Form: „Ein Wanderer, der von dem steinigen Grund ein und dasselbe einzige Gestein aufliest und sammelt. Ein Schriftsteller, der sein ganzes Leben an ein und demselben einzigen Text schreibt.“