Kultur
31.07.2017

Gregor Seberg macht was anderes

Gregor Seberg über den "SOKO Donau"-Ausstieg, seine Produktionsfirma und Politpinkeln.

Als Oberstleutnant Helmuth Nowak hätte Gregor Seberg (50) sicher in die Pension gehen können, so erfolgreich ist die ZDF/ORF-Serie "SOKO Donau" und so beliebt seine Rollenfigur. Das merkt man auch im Gürtel-Cafe Weidinger. Die nette Senior-Chefin stellt sich, als sie die Getränke serviert, dem berühmten Gast vor. Und der gebürtige Grazer, höflich zurückgrüßend, wundert sich noch immer darüber, als passierte ihm das zum ersten Mal.

Aber Seberg hat einen Schlussstrich unter die "SOKO Donau" gezogen und die unösterreichische Lebensvariante der neuen Herausforderung gewählt. "Zwölf Staffeln, das ist schon lange. Das hätte ich nie erwartet", sinniert er. Aber "ich habe festgestellt, dass mir die Kreativität für den Nowak ausgegangen ist. Ich habe begonnen, mich zu wiederholen. Und ja, wenn ich das noch drei Jahre gemacht hätte, dann wäre ich bei ,SOKO Donau‘ geblieben. Das wäre ein persönlicher Rekordversuch geworden, wie lang man eine Rolle spielen kann. Deshalb war jetzt auch der richtige Zeitpunkt, zu schauen, was es sonst noch gibt – aber das schweren Herzens."

In drei Folgen der nächsten Staffel wird Seberg noch zu sehen sein, in denen sich Helmuth Nowak verliebt und schließlich geht.

Stundenplan

Seberg macht nun erstmals wieder richtig Sommerpause. "Ich habe über Jahre nach einem Stundenplan gelebt, den andere vorgegeben haben. Und mir kommt vor, dass ich es vor lauter Arbeit verabsäumt habe, Gedanken zu Ende zu denken. Das genieße ich jetzt."

Außerdem hat er seine eigene Produktionsfirma gegründet. "Ich möchte einfach selbst kreativ sein können und nicht mehr so fremdbestimmt agieren." Als erstes wird ein kleiner Film produziert. "Der ist so klein – gäbe es dafür eine Förderung, würde die in Schilling ausbezahlt."

Im Herbst geht es dann mit "Honigdachs" wieder auf die Bühne. Ist es eine gute Zeit für Kabarett? "Ja, leider", meint Seberg. "Wenn man als Junger anfängt, hört man immer wieder den Spruch, dass die Realität schon skurriler sei als die behauptete Realität auf der Bühne. Und das ist jetzt auch so."

Das "Honigdachs"-Programm startet immer so: "Gell, wir reden hier nicht über Politik." Es ist nicht durchzuhalten, zumal Seberg ein sozialpolitischer Kopf mit ebensolchem Engagement beim Freunde-Schützen-Haus ist. "Ich verstehe zum Beispiel den allerorts herrschenden Alarmismus nicht. Der führt dazu, dass die, die tatsächlich Schutz bräuchten – und der ihnen von Rechts wegen auch zusteht –, ihn nicht mehr bekommen. Es fällt mittlerweile jeder unter einen undefinierbaren Generalverdacht, selbst die, die schon Jahre da und integriert sind." Schrecklich findet er diese Politik.

Mit anderen Aspekten derselben, nämlich der Verschwendung der öffentlichen Hand, setzt er sich als Teil der mit der ROMY ausgezeichneten Talkshow "Bist Du deppert!?" bei Puls4 auseinander. "Da muss man zwar aufpassen, dass man nicht die Arbeit jener verrichtet, die man nicht so braucht, aber was ist, ist." Und erläutert seinen Zugang an einem Beispiel: "Wenn die Mächtigen ein Baum sind, dann sind wir jene, die hinpinkeln. Dann stinkt er wenigstens unten, ob man das in der Krone oben noch riecht oder nicht."

Stimme

Zuletzt konnte es an einem Fernsehabend passieren, dass Seberg gleichzeitig bei Puls4, in ORFeins mit "SOKO" und in ORF2 mit "Universum", dem er seine Stimme leiht, zu erleben war.

"Wenn ich einmal groß bin, werde ich Naturforscher oder Meeresbiologe. Ich habe schon so viel bei ,Universum‘ gelernt und liebe Tiere. Deshalb mache ich nur Folgen, in denen alles gut ausgeht."

Den nicht wirklich bierernsten GAK-Anhänger – "die Champions League ist 2020 ein realistisches Ziel" – kann man Ende September auch im Kino erleben. Seberg gibt in dem Animationshit "Cars" von Disney/Pixar einem Auto eine Stimme.

"Einem österreichischen Auto! Und das sollte man auch hören und nicht nur ein langsameres Bundesdeutsch sein. Das Ganze beschränkt sich aber auf wenige Szenen. Im Grunde wurde ich dafür ausgewählt, um den Film zu verkaufen – der kleine Gregor aus Graz, das ist schon schräg", staunt Seberg.