Kultur
08.01.2018

McDormand und #MeToo: Gewinner der Golden Globes

Frances McDormand ist beste Schauspielerin in einem Filmdrama, Gary Oldman bester Hauptdarsteller in einem Drama.

Der Kriminalfilm "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Regisseur Martin McDonagh hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Der Kriminalfilm holte drei weitere Trophäen, unter anderem für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin in einem Filmdrama.

Die 60-jährige Amerikanerin spielt in dem Independent-Film eine kämpferische Mutter, die nach der Ermordung ihrer Tochter gegen die inkompetente Polizei vorgeht. Es war ihre sechste Nominierung seit "Fargo" (1997) und ihr erster Globe-Gewinn. McDormand setzte sich in der Drama-Sparte damit gegen Meryl Streep ("Die Verlegerin"), Sally Hawkins ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"), Jessica Chastain ("Molly's Game") und Michelle Williams ("Alles Geld der Welt") durch.

Auch der britische Schauspieler Gary Oldman (59) kann sich über die erste Golden-Globe-Trophäe seiner Laufbahn freuen. Er wurde zum besten Hauptdarsteller in einem Drama gekürt. In "Churchill - Die dunkelste Stunde" verwandelt er sich in den ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill. Oldman schlug bei er 75. Globe-Gala die Mitstreiter Tom Hanks ("Die Verlegerin"), Daniel Day-Lewis ("Der seidene Faden"), Timothee Chalamet ("Call Me By Your Name") und Denzel Washington ("Roman J. Israel, Esq.") aus dem Rennen.

In der Sparte beste Filmkomödie siegte die Tragikomödie "Lady Bird" von Regisseurin Greta Gerwig. Die irisch-amerikanische Schauspielerin Saoirse Ronan gewann ihren ersten Golden Globe. Die 23-Jährige wurde zur Besten Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical in "Lady Bird" gekürt - für ihre Darstellung einer rebellische Schülerin, die ihre kleinstädtische Heimatstadt satthat.

Die Goldenen Weltkugeln, nach den Oscars die höchsten Auszeichnungen Hollywoods, werden in 25 Film- und Fernseh-Kategorien verliehen. Das Fantasymärchen "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" des Mexikaners Guillermo del Toro war mit sieben Nominierungen der Favorit des Abends, erhielt aber nur zwei Preise: Für Toro selbst als besten Regisseur und für die beste Filmmusik des französischen Komponisten Alexandre Desplat.

Klatsch und Tratsch von den Globes

Klatsch und Tratsch von den Golden Globes

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Die große Verliererin des Abends war Angelina Jolie. Sie soll jedenfalls extrem enttäuscht gewesen sein, dass ihr Drama "First They Killed My Father" keinen Golden Globe als bester nicht englischsprachiger Film erhielt. Im Vorfeld waren ihrem Film die größten Chancen ausgerechnet worden.

Nach ihrer Trennung von Brad Pitt wäre der Preis der erste berufliche Triumph gewesen. Doch den Globe schnappte ihr das deutsche Drama "Aus dem Nichts" von Regisseur Fatih Akin weg. Hauptdarstellerin Diane Kruger war außer sich vor Freude und feierte den Sieg ausgiebig.

Jolie dagegen soll auf Aftershowpartys verzichtet haben und rauschte mit ihrer Begleitung, ihrem Sohn Pax (14), nach der Verleihung sofort wieder ab.

Die von den Medien zu Erzfeindinnen hochstilisierten Hollywood-Darlings Jennifer Aniston und Angelina Jolie kamen tatsächlich beide zur Gala, allerdings verzichtete Aniston auf den roten Teppich und saß auch nicht auf einem der Gasttische. Sie  zeigte sich nur auf der Bühne für eine Laudation und verschwand dann schnell wieder im Backstage-Bereich.

Über Kendall Jenner rümpften einige Gäste die Nase. Das Model inszenierte sich mit einer opulenten Robe am roten Teppich (mehr Bilder der Kleider) - dabei fragten sich viele: "Was hat die hier zu suchen?" Eigentlich sind zur Gala nur Personen geladen, die mit der Filmindustrie zu tun haben, plus Begleitung.

Noch immer werden Mitglieder des Kardashian-Jenner-Clans auf hochkarätigen Events nicht von allen gerne gesehen. Schauspieler Daniel Craig lästerte über die Reality-Familie schon einmal: "Man sieht sie und denkt 'Wie bitte? Alles, was ich tun muss, ist mich im Fernsehen wie ein verdammter Vollidiot zu verhalten, und dafür zahlst du mir Millionen?'"

Wow-Auftritt des Abends: Catherine Zeta-Jones kam mit ihrem Bruder zur Veranstaltung und zeigte sich in einem transparenten Kleid mit tiefem Ausschnitt von Zuhair Murad sexy wie selten. (mehr Red Carpet Bilder)

So gut wie alle Gäste hielten sich an den Vorschlag, der von Reese Witherspoon initiiert wurde, auf der Preisverleihung Schwarz zu tragen, um für die Gleichstellung der Geschlechter und gegen den Missbrauch von Macht einzutreten. Meher Tatna, die Chefin der Hollywood Foreign Press Association (sie organisiert die Globes) hatte aber offenbar wenig Freude mit der Aktion.

Aus Angst, es gäbe zu wenig Show bei den Globes? Meher Tatna erklärte sich jedenfalls solidarisch mit der "Time's Up"-Bewegung, die Inderin erklärte aber, dass in ihrer Kultur nur Schwarz getragen werde, wenn man trauert und sie daher darauf verzichtet.

Auch das deutsche Model Barbara Meier (kam in Begleitung von Produzent und Freund Klemens Hallmann) trug eine roséfarbene Robe der österreichischen Designerin Eva Poleschinski aus. Auf Instagram erklärte sie: "Wir sollten nicht Schwarz tragen müssen, um ernst genommen zu werden."

Ohne Statement schlenderte TV-Sternchen Blanca Blanco in einem roten Kleid über den roten Teppich.

Gewinnerin des Abends: Jungstar Saoirse Ronan war in ihrer kurzen Karriere schon zwei Mal für den Oscar und drei Mal für den Golden Globe nominiert.

Das 23-jährige Ausnahmetalent konnte nach Glanzleistungen in "Abbitte" oder "Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten" nun tatsächlich einen Globe für die Hauptrolle in "Lady Bird" abstauben. Sie wird als nächste Meryl Streep gehandelt. (mehr zu allen Gewinnern)

Wie so oft etwas belächelt: Die leicht übertriebene Liebesshow von Nicole Kidman und Keith Urban bei der Gala. Und wie immer gab es dann auch eine Liebeserklärung von Kidman an ihren Mann als sie den Globe als beste Seriendarstellerin für "Big Little Lies" erhielt.

Ups: Mariah Carey stahl Meryl Streep den Sitzplatz. Die 47-jährige Sängerin musste in der Werbepause ihre Notdurft verrichten und verquatschte sich danach auf dem Weg zurück. Da sie zu spät dran war, um noch zu ihrem eigenen Platz zurückzuschleichen, setzte sie sich einfach auf den Stuhl von Kinolegende Meryl Streep.

Nachdem sie sich plötzlich neben 'The Post'-Regisseur Steven Spielberg wiederfand, schrieb Mariah auf Twitter: "Wurde beim Quatschen auf dem Weg zum Klo aufgehalten. Nahm deshalb den ersten freien Platz, zufälligerweise direkt neben Steven Spielberg. (...) Ratet mal, wer nach der Werbepause zurück zu ihrem Platz kommt. Liebe Meryl, bitte vergib mir! Du kannst dir meinen Platz jederzeit nehmen! 

Und Gary Oldman ärgerte sich auf der Aftershowparty, dass er bei seiner Dankesrede für den besten Hauptdarsteller so gut wie keine Zeit mehr hatte, dem Regisseur von "The Darkest Hour" - Joe Wright - zu danken.

Globe für "Aus dem Nichts"

Das deutsche Drama "Aus dem Nichts" über den Nationalsozialistischen Untergrund ( NSU) des Hamburger Regisseurs Fatih Akin gewann den Golden Globe als bester nicht-englischsprachiger Film. Dem NSU werden zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Morde zur Last gelegt, an neun türkisch- und griechischstämmigen Männern und einer Polizistin. Aufgeflogen war die rechtsextreme Gruppe erst nach dem Tod der beiden mutmaßlichen Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Jahr 2011. Das mutmaßliche dritte Mitglied Beate Zschäpe steht in München vor Gericht. Der Thriller mit der Hauptdarstellerin Diane Kruger ist heuer auch der deutsche Oscar-Kandidat.

Eine düstere Zukunftsvision und ein Drama über häuslichen Missbrauch räumten bei den Golden Globes in den TV-Kategorien groß ab. Die dystopische Romanverfilmung "The Handmaid's Tale" gewann den Preis als beste Drama-Serie, Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wurde beste Schauspielerin.

Bei den Miniserien bekam "Big Little Lies" vier Auszeichnungen, darunter den Hauptpreis als beste Reihe in dieser Kategorie und den für Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle.

"The Marvelous Mrs. Maisel" über eine aufstrebende Komikerin im New York der 1950er-Jahre wurde beste Comedy-Serie. Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan gewann auch den Award für die beste weibliche Hauptrolle. Schauspielerpreise gingen unter anderem auch an Sterling K. Brown ("This is us"), Ewan McGregor ("Fargo") und Aziz Ansari ("Master of None").

#MeToo allgegenwärtig

Viele Stars nutzen das Rampenlicht der Golden-Globes-Gala zum Protest gegen Sexismus und die Benachteiligung von Frauen im Showbusiness und anderen Branchen. Aus Solidarität mit Opfern sexueller Belästigung in Zeiten der #MeToo-Bewegung kleideten sich die meisten ganz in Schwarz. Auf der Bühne forderten sie zum Kampf für die Gleichstellung von Frauen auf. Moderator Seth Meyers begann die Show mit den Worten: "Guten Abend, Ladies und verbleibende Gentleman." Angesichts der vielen Enthüllungen über sexuellen Missbrauch sagte Meyers zu den männlichen Nominierten: "Das hier ist das erste Mal in drei Monaten, dass ihr keine Angst haben müsst, euren Namen zu hören."

Mit einer kämpferischen Rede zu Frauen- und Bürgerrechten bedankte sich US-Entertainerin Oprah Winfrey für einen Preis für ihr Lebenswerk "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren. Aber deren Tage sind gezählt!", rief Winfrey den Stars zu. Diese feierten die 63-Jährige mit stehenden Ovationen.

Im Rollstuhl sitzend kündigte der 101-jährige Hollywood-Grandseigneur Kirk Douglas bei der Golden-Globe-Verleihung im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles den Preis für das beste Drehbuch an. Über die seit 1944 vergebenen Golden Globe Awards entscheidet eine Gruppe von knapp 100 internationalen Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Die Verleihungszeremonie findet traditionell bei einem lockeren Gala-Dinner statt.

Die Gewinner in den Filmsparten:

Bestes Filmdrama: - "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Beste Komödie/Musical: - "Lady Bird"

Bester Schauspieler in einem Filmdrama: - Gary Oldman ("Darkest Hour")

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: - Frances McDormand ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri")

Bester Schauspieler in einer Komödie/Musical: - James Franco ("The Disaster Artist")

Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical: - Saoirse Ronan ("Lady Bird")

Bester Nebendarsteller: - Sam Rockwell ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri")

Beste Nebendarstellerin: - Allison Janney ("I, Tonya")

Beste Regie: - Guillermo del Toro ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers")

Bestes Drehbuch: - Martin McDonagh ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri")

Bester nicht-englischsprachiger Film: - "Aus dem Nichts" (Deutschland)

Beste Filmmusik: - Alexandre Desplat ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers")

Bester Filmsong: - This Is Me aus "The Greatest Showman"

Bester Animationsfilm: - "Coco"

Golden-Globes-Mode: Alle in Schwarz - außer eine

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Das wohl "größte Schwarze" des Abends führte US-Model Kendall Jenner aus - von Giambattista Valli

Schlicht und sehr elegant: Jessica Chastain in Samt von Armani Privé und mit wunderschönem Ohrschmuck von Piaget

Gal Gadot trug Smoking-Jäckchen über trägerlosem Kleid von Tom Ford

Margot Robbie mit Schleife in Roger Vivier

Sarah Jessica Parker in einem Carrie-Bradshaw-Gedächtnis-Look mit Fred Leighton Jewelry

Jessica Biel war wie immer eine der Schönsten - in märchenhafter Dior Haute Couture

Nicole Kidman stilsicher in Louis Vuitton

Eine Gucci-Robe mit raffinierter Rückenansicht wählte "Fifty Shades of Grey"-Star Dakota Johnson

Brachte den Glamour des alten Hollywood: Christina Hendricks ("Mad Men") in angesagter Rock-über-Hose-Kombi von Christian Siriano

Halle Berry zeigte in Zuhair Murad Bein und Dekolleté

Issa Rae glitzerte in Prabal Gurung

Eva Longoria hüllte ihren Babybauch in ein hoch geschlitztes Kleid des italienischen Labels Genny

Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander vorne zugeknöpft, hinten offenherzig in Louis Vuitton

Reese Witherspoon kam in einem für sie typischen, asymmetrischen Look von Zac Posen mit Meerjungfrauen-Silhouette

Isabelle Huppert in hoch geschlossener Glitzer-Robe von Chloe

Dem deutschen Model Barbara Meier war die Aufmerksamkeit sicher: Sie trug als Einzige kein schwarzes Kleid

Catherine Zeta-Jones hatte sich ebenfalls für Spitze von Zuhair Murad entschieden

Saoirse Ronan holte sich ihren Golden Globe in einer coolen Versace-Robe mit silbernen Details

Schwungvoll: Angelina Jolie in Chiffon von Versace mit Feder-Elementen

Helen Mirren, schön wie immer, in Zuhair Murad

Michelle Pfeiffer trug Dior Haute Couture

Natalie Portman (an der Seite von Schauspielerin America Ferrera) kam in einem Samtkleid ihres Lieblingslabels Dior

Kerry Washington funkelte in Prabal Gurung und trug die auffälligsten Schuhe der Nacht

Einen echten Wow-Auftritt legte Laudatorin Kate Hudson in transparenter Valentino-Robe hin, die das Harry-Winston-Collier perfekt in Szene setzte

So geht Sophistication: Claire Foy ("The Crown") im Hosenanzug von Stella McCartney

Perfekt in Prada: Diane Kruger mit Glitzer-Cape

Michelle Williams schritt mit Aktivistin Tarana Burke, Initiatorin von #metoo, über den Teppich

"Mad Men"-Star Elisabeth Moss holte sich ihren Globe in einem entzückenden Dior-Kleid mit Glitzer-Kragen und charakteristischer Knöchel-Länge

Millie Bobby Brown ("Stranger Things") in Calvin Klein

Emilia Clarkes Miu-Miu-Robe harmonierte perfekt mit ihrer Harry-Winston-Halskette

Mandy Moore setzte als eine der wenigen Damen auf knallige Akzente. Das rote Band um die Taille passte perfekt zur Lippenfarbe; Ohrringe von Irene Neuwirth

Heidi Klum fast schon ungewohnt stilsicher in einem "Vokuhila"-Dress von Ashi Studio Couture

Heidi Klum fast schon ungewohnt stilsicher in einem "Vokuhila"-Dress von Ashi Studio Couture

Black Beauty: Penelope Cruz trug eine schulterfreie Spitzen-Robe von Ralph & Russo Couture mit Satin-Schleppe

Lily James mit zarten Rüschen von Valentino Haute Couture