Angelika Kirchschlager als starke Valerie bei den Proben im Theater an der Wien.

© /Werner Kmetitsch/Theater an der Wien

Theater an der Wien
03/13/2015

Von der Überholspur auf die richtige

Angelika Kirchschlager singt die Valerie in Nali Grubers "Geschichten aus dem Wiener Wald".

von Peter Jarolin

Frenetischer Jubel und hymnische Kritiken – so wurde im Sommer 2014 die Uraufführung von HK Grubers Oper "Geschichten aus dem Wiener Wald" bei den Bregenzer Festspielen aufgenommen. Ab Samstag ist "Nali" Grubers Horváth-Bearbeitung auch im Theater an der Wien, das als Koproduzent fungiert, zu erleben. Die zentrale Rolle der Valerie singt (wie in Bregenz) Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager.

Geschenk

"Das ist ein Geschenk, ein herrliches Geschenk", so Kirchschlager im KURIER-Gespräch. "Immerhin hat mir Nali diese Rolle auf den Leib und die Kehle geschrieben." Was sich für die international gefragte Künstlerin gegenüber Bregenz geändert hat? "Wir sind eine tolle Truppe und können jetzt noch viel mehr an Michael Sturmingers Libretto und an seiner Regie arbeiten. Ich finde, hier im Theater an der Wien ist das Ganze noch intensiver." Lachend: "Denn im Sommer waren wir damit beschäftigt, unsere Partien vor allem stimmlich zu meistern. Immerhin dirigiert Nali selbst und verlangt von uns Sängern schon einiges. Aber ich habe mich selten in einer Produktion so extrem wohlgefühlt."

Wie sieht Kirchschlager die Valerie? "Das ist eine Frau, die schon sehr viel erlebt hat, weil sie viele Menschen emotional an sich heran gelassen hat. Aber sie hat nie ihren Humor, ihre positive Einstellung verloren. Wenn ich wählen müsste, mit welcher Figur in dieser Oper ich etwas trinken gehen möchte, würde ich sicher Valerie wählen. Die ist mir nicht unähnlich."

Herz

Inwiefern? "Sie ist warmherzig, trifft richtige Entscheidungen und steht immer wieder auf, selbst wenn sie verletzt wurde", so die vielseitige Künstlerin. Nachsatz: "Auch ich habe bewusst die Entscheidung getroffen, aus dem irrsinnigen Starbetrieb auszusteigen und nur mehr Dinge zu machen, die ich mit dem Herzen mitragen kann. Ich bin als Sängerin viele Jahre wie mit einem auffrisierten Klein-Pkw auf der Überholspur gefahren, jetzt habe ich die Spur gewechselt und eine gefunden, die mir passt."

Zeugnisse davon legen etwa Kirchschlagers "Liederreise" durch die sogenannte Provinz und ihre Zusammenarbeit mit Konstantin Wecker oder Marianne Sägebrecht ab. "Mein größtes Glück aber ist, dass mein Sohn Felix auf Anhieb die Aufnahmeprüfung an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin geschafft hat. Und vielleicht stehe ich eine Tages mit ihm gemeinsam auf der Bühne. Das wäre ein Traum."

„Wiener Wald“: Fakten

Produktion Dirigent: HK Gruber. Orchester: Wiener Symphoniker. Regie: Michael Sturminger. Ausstattung: Renate Martin, Andreas Donhauser. Mit u. a.: Ilse Eerens, Daniel Schmutzhard, Angelika Kirchschlager, Jörg Schneider, Albert Pesendorfer, Anke Vondung, Anja Silja, Michael Laurenz, Markus Butter, David Pittman-Jennings, Alexander Kaimbacher, Robert Maszl.

Termine 14., 16., 18., 21., 23. März. Beginn: jeweils 19 Uhr. „Fahrt ins Glück“ an den selben Tagen. Beginn: jeweils ca. 22 Uhr.

Petra Morzé bittet zu einer heftigen "Fahrt ins Glück"

Du wirst meiner Liebe nicht entgehen", sagt der brutale Oskar am Ende von "Geschichten aus dem Wiener Wald" zur geschundenen Marianne. Und was passiert dann? Diese Frage beantwortet die Schauspielerin Petra Morzé im Anschluss an Grubers Oper in der Hölle des Theaters an der Wien.

"Fahrt ins Glück" heißt der etwa 50-minütige Monolog aus der Feder von Angela Schneider, der das Schicksal Mariannes nach den Ereignissen in den "Geschichten" behandelt. Morzé: "Wir erleben den inneren Monolog einer Frau, die auf einem Spielplatz die Kakofonie in ihrem Kopf ordnen will. Ich finde, das ist ein starker, aktueller Stoff. Marianne hat nichts gelernt, musste ihr eigenes Kind begraben und steht in der Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus vor den Trümmern ihrer Existenz."

Eine Traumrolle? "Auf jeden Fall eine intensive Figur. Mir geht es aber auch um die Frage, kann man die Essenz des Lebens überhaupt begreifen", so die Burgschauspielerin. "Dieses Nachdenken über das Leben hat mich am Theater immer schon interessiert", so die auch aus Film und Fernsehen bekannte Künstlerin. Wenn es uns gelingt, gemeinsam mit dem Publikum über das Leben nachzudenken, haben wir viel erreicht."

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